WM-Hoffnung Rüegg (25) ist selbstbewusster geworden
«Hatte immer Angst, etwas falsch zu machen»

Noemi Rüegg (25) ist zurückhaltend. War sie schon immer. Aber sie öffnet sich immer mehr. Auch weil sie gemerkt hat, wie gut sie ist. Neben Marlen Reusser ist sie der zweite Schweizer Trumpf im Strassenrennen. «Ich weiss jetzt, was ich kann», sagt sie.
Kommentieren
1/11
Abflug in Zürich, Gold in Montréal? Noemi Rüegg hat im Mixed-Team-Zeitfahren Bronze geholt. Im Strassenrennen hofft sie auf mehr.
Foto: Stefan Bohrer

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Noemi Rüegg aus Zürich zählt zur Schweizer Doppelspitze bei der WM
  • Nach Teamwechsel gewann sie sieben Rennen und führt nun ihr Team an
  • UCI-Weltrangliste: Platz 12 nach Rang 146 im Jahr 2022
RMS_Portrait_AUTOR_485.JPG
Mathias GermannReporter Sport

Sie ist nur 1,58 Meter gross. Trotzdem fällt sie immer mehr auf: Noemi Rüegg. «Ich werde anders wahrgenommen als früher. Vielleicht bekomme ich ein bisschen mehr Respekt», sagt die 25-Jährige. Das hat mit ihrer Art zu tun – aber auch mit ihren Erfolgen.

Beim WM-Strassenrennen bildet die explosive Zürcherin mit der 22 Zentimeter grösseren Marlen Reusser (35) die Schweizer Doppelspitze. Und auch wenn Rüegg ihre Teamkollegin als Leaderin bezeichnet, haben beide das Potenzial für eine Medaille.

Während die zweifache Zeitfahr-Weltmeisterin Reusser auch an langen Anstiegen mit Tempohärte glänzt, mag Rüegg kürzere, knackigere Steigungen. Davon gibt es auf dem hügeligen Mont-Royal-Rundkurs in Montréal (Ka) genügend – er muss im Finale achtmal umrundet werden. «Der Kurs ist sehr gut auf mich zugeschnitten», sagt sie.

So forsch hätte Rüegg wohl vor vier Jahren noch nicht gesprochen. Sie ist zurückhaltend, möchte niemandem auf die Füsse treten und es allen recht machen. Doch als Sportlerin hat sie sich verändert. «Ich traue mir mehr zu und weiss, was ich kann.»

3400 Franken Lohn und kaum Freiheiten

Ihre ersten zwei Jahre im Profiradsport waren hart. Bei Jumbo-Visma erhielt sie den UCI-Mindestlohn, dank Unterstützung der Sporthilfe kam sie auf 3400 Franken im Monat. Weil sie noch bei ihrer Familie wohnte, reichte das. Schwieriger war etwas anderes: Rüegg fühlte sich im Team zuweilen wie eine Nummer. «Alles war sehr professionell, aber auch sehr strikt. Ich war nur Helferin und bekam nie die Chance, selbst etwas zu versuchen.»

Der Wechsel zur US-Equipe EF Education-Oatly wirkte befreiend. Rüegg schätzte die offenere Atmosphäre. Und sie begann, zu siegen – zuerst einmal, dann immer wieder. Sieben Rennen hat sie inzwischen gewonnen, sie ist die Leaderin des Teams. «Früher hatte ich immer Angst, etwas falsch zu machen. Jetzt bin ich gelassener und fahre mit mehr Freude.»

Frisch im Kopf nach Schulterverletzung

Rüeggs Aufstieg lässt sich in Zahlen messen: 146, 119, 38 und 17 – das sind ihre Positionen in der UCI-Weltrangliste zum Jahresende. Aktuell ist sie die Nummer 12.

Vielleicht wäre sie noch weiter vorn, hätte sie sich im Mai nicht die Schulter gebrochen. Gehadert hat sie kaum. Ihr Glaube hilft ihr, positiv zu bleiben. «Im Nachhinein hatte die Verletzung auch etwas Positives.» Rüegg konnte im Sommer entspannen, verbrachte Zeit mit Familie und Freunden, war an einem Konzert ihrer Lieblingsband Hecht und besuchte Hockeyspiele.

Heute sagt sie: «Ich bin frisch im Kopf, habe Energie und bin motiviert. Ich glaube, das ist im Vergleich zu vielen anderen ein Vorteil für die WM.»

Externe Inhalte
Möchtest du diesen und weitere externe Beiträge (z.B. Instagram, X und anderen Plattformen) sehen? Wenn du zustimmst, können Cookies gesetzt und Daten an externe Anbieter übermittelt werden. Dies ermöglicht die Anzeige externer Inhalte sowie von personalisierter Werbung. Deine Entscheidung gilt für die gesamte App und ist jederzeit in den Einstellungen widerrufbar.
Was sagst du dazu?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen