Blick machte es bereits an der Mountainbike-EM im Tessin Anfang August publik, nun bestätigt es erstmals auch der Radverband Swiss Cycling. Das Schweizer Frauen-Team Nexetis wird nach nur zwei Jahren aufgelöst. Was ist das Problem? Einmal mehr das liebe Geld.
Swiss Cycling ist es nicht gelungen, für den angestrebten Aufstieg in die Pro-Kategorie – das ist die zweithöchste Klasse unterhalb der World Tour – das nötige Budget aufzutreiben. Teamchef Edi Telser sagt vor dem Abflug mit dem Nationalteam an die WM in Kanada: «Wir haben es nicht geschafft, zusätzliche Sponsoren zu finden.» Die betroffenen Fahrerinnen wissen schon länger von ihrem Schicksal, ab 2027 woanders Unterschlupf finden zu müssen.
Die Bundesgelder von der WM 2024 sind aufgebraucht
Nexetis wurde im Zuge der Heim-WM 2024 von Swiss Cycling auf die Beine gestellt. Als sogenanntes Legacy-Projekt: Man wollte den Frauensport fördern und setzte dafür vom Bund gesprochene Gelder ein. Dieser Topf versiegt nun aber Ende 2026, der Grossteil des Budgets bricht weg.
Spätestens jetzt hätten private Sponsoren übernehmen müssen, doch bereits bisher war die Strassen-Equipe stets ohne namhaften Geldgeber unterwegs. Dazu muss man wissen: Nexetis ist kein Sponsor. Es ist eine Wortkreation aus dem lateinischen «nexus» (Verbindung), dem englischen «next» und dem griechischen «ethos».
Der Rennstall startete in der drittklassigen Continental-Serie und sollte die Ausbildung von jungen Frauen im Strassenrennsport ermöglichen. Aber auch Mountainbike-Talente fanden ihren Platz. So war auch Anina Hutter (21) Teil des Teams. Die U23-Mountainbike-Europameisterin bedauert die Auflösung und sagte schon an der EM zu Blick: «Es ist sicher schade, weil wir von diesem Fördergefäss sehr profitieren konnten.»
Nexetis war in der Schweizer Rad-Szene ein Reizwort
Sportlich hat das Konzept durchaus Erfolge erzielt. So konnten sich Jasmin Liechti (wechselt 2027 zu Canyon-Sram) und Ginia Caluori (zu Marlen Reussers Movistar) für Verträge in renommierten World-Tour-Teams empfehlen.
Allerdings gab es auch immer wieder kritische Stimmen in der Veloszene. Nexetis war zuweilen ein Reizwort. Dass Swiss Cycling ein privates Team als 100-prozentige Firmentochter unterhielt und folglich Verbandsressourcen reinsteckte, wurde kritisch beäugt. Die effizienteste Form, Frauen zu fördern, hiess es einerseits. Am falschen Ort und erst noch teilweise für ausländische Fahrerinnen eingesetzte Fördergelder, hingegen anderswo.
Klar ist: Nexetis war auch international ein Sonderfall. Denn eigentlich verbietet der Weltverband UCI seinen Verbänden die Beteiligung an privaten Teams. Die Schweizer Equipe wurde deshalb zunächst verwarnt, ehe es mit einer Ausnahmebewilligung weiterging. Unter diesen Voraussetzungen war es ohnehin fraglich, ob Nexetis langfristig in dieser Form eine Zukunft gehabt hätte. Aber nun hat sich ohne die nötige Finanzierung diese Frage sowieso erübrigt.