Darum gehts
- Tour de Suisse 2026 startet mit verkürztem Format, fünf Etappen pro Geschlecht
- Budget von 9 auf 6 Millionen Franken reduziert, Verluste erwartet
- Frauen-Etappensieg: 1000 Franken, Männer-Etappensieg: 4000 Franken
Warum wurde die Tour de Suisse gekürzt?
2025 schrieb die Rundfahrt bei einem Budget von 9 Millionen Franken einen sechsstelligen Verlust. Ähnlich sah es in den Jahren davor aus. «Uns blieb nichts anderes übrig, als radikal umzudenken», sagt Tour-Direktor Olivier Senn. Umfasste die Tour 2019 noch neun Etappen, sind es nun bei Männern und Frauen je fünf. Das Frauenrennen dürfte vorerst weiter Verluste schreiben. Diese müssen die Männer ausgleichen. Nach Informationen des Blicks sinkt das Gesamtbudget von 9 auf 6 Millionen Franken.
Hier gibts alle Etappen samt Höhenprofilen im Überblick.
Gibts weitere Gründe für die Änderung?
Kurz und knapp, das ist heute mehr gefragt als früher. Die Tour de Suisse ist ein wichtiger Formtest für die Tour de France und geht durch die Verkürzung der Tour Auvergne-Rhône-Alpes (früher: Dauphiné) aus dem Weg. Sie überschneiden sich nicht mehr.
Was ist sonst noch neu?
Start und Ziel sind stets am gleichen Ort. Die Organisatoren sprechen von «Eventisierung». CEO Gabriela Buochs sagt: «Wir sind überzeugt, dass das neue Format sportlich und strategisch der richtige Schritt für die Zukunft ist.» Die Frauen fahren nicht mehr nach den Männern, sondern davor. Je nach Etappe starten sie zwischen 9 und 10 Uhr und erreichen das Ziel zwischen 12 und 13 Uhr. Die Männer beginnen zwischen 13.30 und 14.45 Uhr. Ihre Zielankunft ist zwischen 17.30 und 18 Uhr vorgesehen.
Warum ist Radstar Tadej Pogacar (27, Slo) erstmals dabei?
«Da gehört auch etwas Glück dazu», sagt Olivier Senn. Der vierfache Tour-de-France-Sieger verfolgt ein klares Ziel: Er möchte jedes bedeutende World-Tour-Rennen mindestens einmal gewinnen. Die Tour de Suisse fehlt ihm noch. Offenbar schätzen Pogacar und sein Team UAE Emirates auch die Unterkünfte, die Strassen und die Organisation. Das Teilnehmerfeld ist jedoch nicht nur wegen Pogacar stärker als im Vorjahr.
Ist Pogacar überhaupt zu schlagen?
Wohl kaum – solange er gesund bleibt. Genau darin liegt das Problem: Im Kampf um den Gesamtsieg dürfte wenig Spannung aufkommen. Pogacar fährt derzeit in einer eigenen Liga. Dennoch stehen weitere Top-Fahrer am Start: Mathieu van der Poel (31, Ho), Thomas Pidcock (26, Gb), Primoz Roglic (36, Slo), Richard Carapaz (33, Ecu) und Lenny Martinez (22, Fr). Die endgültige Startliste wird erst am Tag vor dem Rennen veröffentlicht.
Auf welche Schweizer Fahrer sollte man achten?
Mauro Schmid und Marc Hirschi dürften gezielt auf Etappensiege fahren. Für Hirschi ist es allerdings das erste Rennen seit seinem Schlüsselbeinbruch vor knapp zwei Monaten. Beide wollen vor der Tour de France Form aufbauen. Die beiden starken Zeitfahrer Stefan Bissegger (27) und Stefan Küng (32) fehlen.
Gibt es einen Schweizer Superstar?
Ja – bei den Frauen. Marlen Reusser (34) reist als Titelverteidigerin an. Als Favoritin gilt jedoch Demi Vollering. Sie gewann zuletzt den Giro, während Reusser in dieser Saison mehrfach von Verletzungen gebremst wurde. Im Zeitfahren von Aarburg ist der aktuellen Zeitfahr-Weltmeisterin dennoch ein Sieg zuzutrauen. Auch Elise Chabbey (33) ist in den Bergen ein Exploit zuzutrauen.
Welche Geschenke gibt es für die Zuschauer?
Besonders Kinder freuen sich auf die Gratisartikel des Fan-Convoys, der früher Werbekolonne hiess. Der Tross fährt etwa eine Stunde vor dem Rennen los. Wer etwas ergattern will, sollte früh an der Strecke sein. Verteilt werden unter anderem Mützen, Veloreflektoren, Gummibärchen, Leckerli, Mineralwasser, Pasta, Bidons und Cracker. Insgesamt gehen täglich rund 2400 Wasserflaschen an die Zuschauerinnen und Zuschauer.
Sind die Preisgelder bei Frauen und Männern gleich?
Nein. Aber das sind sie im Radsport fast nirgends. Für einen Etappensieg bei den Frauen gibts 1000 Franken, die Gesamtsiegerin erhält 5000 Franken. Damit zahlt die Tour rund 30 Prozent mehr als das reglementarische Minimum. Bei den Männern sind es 4000 respektive 10’000 Franken.
Weshalb startet die Rundfahrt in Italien?
Der Vertrag mit dem Etappenort Sondrio stand bereits, bevor die Organisatoren die Verkürzung beschlossen. Die Stadt bereitet dem Rennen einen herzlichen Empfang, und die italienischen Radsportfans freuen sich über den Schweizer Besuch. «Wenn wir bei fünf Tagen bleiben, werden wir künftig kaum noch ins Ausland gehen», sagt Olivier Senn.
Wird die Tour de Suisse auch 2027 stattfinden?
«Ja, ganz sicher», sagt Senn. Nach seinen Angaben liegen bereits mehrere Anfragen für Etappenorte vor – sowohl von kleineren als auch von grösseren Städten. Das sei in den vergangenen Jahren anders gewesen. Senn wertet das als positives Zeichen: «Das Interesse am neuen Konzept ist deutlich gestiegen. Aber wir dürfen uns nicht darauf ausruhen. Wir müssen weiter vorwärtsmachen.»