Darum gehts
Als Nati-Trainer Patrick Fischer vor dem Start des Olympia-Turniers in Mailand seine Leader-Gruppe der Mannschaft verkündet, ist mit Kevin Fiala als Assistenz-Captain ein neuer Name im Quintett um Captain Roman Josi, Nico Hischier, Nino Niederreiter und Andrea Glauser dabei. «Er ist als Mensch gewachsen und hat in den letzten Jahren riesiges Bekenntnis gegenüber der Nati bewiesen», sagt er zu Fialas Wahl.
Dass Fischer dies im Falle des Ostschweizers so herausstreicht, zeigt, wie wichtig ihm die Kenntnisnahme davon ist. Denn zu Beginn seiner mittlerweile grossartigen Karriere eckt der 29-Jährige regelmässig an mit seiner unverfrorenen und selbstbewussten Art. Es gibt bekannte Anekdoten, die das illustrieren.
Als ehrgeiziger 16-Jähriger wechselt der Stürmer nach Schweden (Malmö, Linköping), um seine Entwicklung voranzutreiben. Weil das Talent sich nicht immer an Regeln hält oder auch mal eine für die Trainer inakzeptable Einstellung an den Tag legt, ist Fialas Ausrüstung kurzerhand im Müll gelandet, um ihm so eine Lektion zu erteilen. Er hat Gegnern im Frust den Stinkefinger gezeigt, oder in einem Spiel so lange reklamiert, bis er vom Coach in die Kabine geschickt worden ist.
Fiala drängt sich auf – aber auch vor
Als der Junioren-Internationale ins Männer-Hockey drängt, sind ihm dort Gepflogenheiten und ungeschriebene Gesetze auch mal piepegal. Fiala ist einer, der sich vordrängt – sinnbildlich und in der NHL- und Nati-Realität. Mal bei den Massage-Terminen, am Büffet auf Auswärtsreisen, beim Einsteigen ins Flugzeug. Da wird der aufstrebende Spieler nicht mehr vom Trainer, sondern von seinen genervten Teamkollegen gemassregelt.
In Hockey-Mannschaften werden Hierarchien gelebt. Das bekommt der aufmüpfige Youngster zu spüren. Rückblickend aber kann man sagen, dass es vielleicht genau diese Episoden gewesen sind, die den Rohdiamanten geschliffen und zum Glänzen gebracht haben. Denn irgendwann setzt auch beim schweizerisch-tschechischen Doppelbürger die Selbstreflexion ein und er erkennt, dass er sein eigensinniges Verhalten ändern muss.
Doch wer will es einem entschlossenen Teenager verdenken, dessen Aufstieg trotz aller Charakter-Schwächen (oder eben doch Stärken?) kometenhaft ist? 2014 gelingt Fiala als erst drittem Spieler, in derselben Saison die U18-, U20- und A-WM zu bestreiten. In jenem Sommer wird der zudem von Nashville in der ersten Runde an elfter Stelle gedraftet und zieht von Schweden in den US-Bundesstaat Tennessee. Da bereits an seiner Seite: Fialas heutige Frau Jessica (30). Die Liebe seines Lebens, die er in Schweden als Junior kennengelernt hat.
Zweimal zur WM nachgerückt
Just in der Saison 2016/17, in der er bei den Predators den Durchbruch schafft, muss der geniale Stürmer den ersten Rückschlag verkraften. In der zweiten Playoff-Runde im April 2017 stürzt er nach einem Zweikampf um die Scheibe wuchtig in die Bande und bricht sich den linken Oberschenkelknochen. Die Saison ist vorbei – dies nachdem er in der ersten Playoff-Runde mit zwei Treffern in fünf Partien geglänzt hat. Fiala kehrt im Folgejahr zwar stark zurück, wird dennoch zu Minnesota getauscht. Dort reift er weiter.
Nach drei Jahren Nati-Absenz und fortan als Spieler der LA Kings mausert er sich ab 2023 zur festen Grösse im Team von Trainer Fischer. Allerdings steht er tendenziell weiterhin im Schatten der grossen NHL-Stars wie Josi, Niederreiter oder Hischier. Das soll sich ändern, weil Fiala in herausfordernden Lebenssituationen fürs Team denkt und für die Schweiz da sein möchte: Im Mai 2024 wird er erstmals Vater von Masie-Mae, das Töchterchen erblickt nur wenige Tage vor der WM das Licht der Welt. Fiala reist dennoch etwas verspätet nach Prag in die Heimatstadt seiner Eltern. Kurz vor dem dritten Spiel gegen Gastgeber Tschechien landet er aus Übersee, fährt direkt zum Stadion – und bucht sogleich das 1:0 unter den Augen seiner begeisterten Grossmutter.
Ein Jahr später rückt Fiala erneut zu spät ein an der WM in Dänemark und Schweden. Diesmal aus einem traurigen Grund: Er redet emotional über einen schmerzvollen Schicksalsschlag und offenbart, dass er und seine Frau ein ungeborenes Kind verloren haben. Erneut bekräftigt ihn Jessica, zur Nati zu stossen. Das Paar erfährt Zuspruch dafür, mit seiner Offenheit über den Verlust anderen betroffenen Eltern helfen zu wollen.
Das nächste Verletzungsdrama
Zweimal hätte sich Fiala aus privaten Gründen zurückziehen können – doch zweimal feiert er mit der Schweizer Nati stattdessen einen WM-Silbertriumph. Es ist dieses Bekenntnis, das Trainer Fischer angesprochen hat. Dank seines Talents erobert Fiala die Hockey-Welt, dank seiner charakterlichen Entwicklung reift er zum Leistungsträger. Fischer dankt es ihm mit Respekt und hievt ihn in seine Leadergruppe. Doch der Goalgetter landet in der brutalen Realität des Sports.
Das Verletzungs-Drama im Knüller gegen Kanada ist der nächste bittere Rückschlag für Fiala. Am Freitag (dem 13.) stockt der Hockey-Schweiz kurz vor Mitternacht der Atem: Der Nati-Stürmer liegt auf dem Eis, hält sich das linke Bein. Passiert ist es bei einem unglücklichen Zweikampf mit Kanadas Tom Wilson, als beide umfallen. Der Team-Doc winkt sofort Sanitäter mit einer Trage herbei. Darauf wird Fiala vom Eis und direkt ins Spital gebracht.
Zwei Stunden nach der 1:5-Niederlage bewahrheiten sich die schlimmsten Befürchtungen: Für den Leistungsträger ist Olympia vorbei. Er hat sich eine Verletzung am Unterschenkel zugezogen und wird am Samstagmorgen in Mailand operiert. Danach liefert Trainer Fischer ein Update: «Er wurde erfolgreich operiert. Aber natürlich geht es ihm moralisch nicht gut. Kevin möchte so schnell wie möglich zurück zum Team kommen.» Wieder hätte es ihm niemand übelgenommen, würde er lieber zu seiner Frau und Tochter zurück nach Los Angeles. Doch Fiala bleibt bei der Mannschaft. Weil er ein Teil von ihr ist.
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