Diskussionen über den Spielmodus sind so aufregend wie Anti-Stress-Ausmalbücher für Erwachsene. Was solls? Der Modus ist doch für alle gleich. Mag sein, die Diskussion muss aber trotzdem erlaubt sein. Die Olympischen Eishockey-Turniere: Bei den Frauen sind Duelle der Besten garantiert, weil die besten Fünf alle zusammen in einer Vorrundengruppe spielen. Das ist gut.
Bei den Männern verteilt man die Besten auf drei Vierergruppen und nimmt in Kauf, dass es nur im Idealfall zu Direktduellen kommt. Das ist nicht gut. Und ein Etikettenschwindel.
USA gegen Kanada? Will man auf jeden Fall sehen
Muss das sein? Nach den Erfahrungen beim «4 Nations Face-off» (die Fetzen flogen) will man doch die Kanadier auf jeden Fall gegen die Amerikaner spielen sehen. Wie das gehen könnte? Zehn anstelle von zwölf Teams, so, wie bei den Frauen, zwei Fünfergruppen, die Top 5 in einer Gruppe. Die Top 5 sind für den Viertelfinal gesetzt, dazu kommen die ersten drei der zweiten Gruppe. So wären Spass mit den Besten und Spannung bei den Zweitbesten garantiert – und man hätte erst noch die Gewissheit, alle Top-Teams in der ersten K.o.-Runde dabei zu haben.
Funktionäre sind Meister im Zurechtbiegen
Die Sportfunktionäre wollen sonst auch alles zurechtbiegen (bevorzugt die Sportler) – warum also nicht zur Abwechslung mal einen verstaubten Modus? Die Besten möglichst lange im Turnier zu haben – das wäre wohl auch für die Vermarkter dieser Veranstaltung nicht der hinterletzte Ansatz. Der Internationale Verband (IIHF) ist der Veranstalter der Olympischen Hockey-Turniere, für die Frauen haben die IIHF-Funktionäre die beste Lösung gefunden. Selbst wenn fünf Teams schon für den Viertelfinal gesetzt sind, bevor sie gespielt haben? Selbst dann. Beim Olympischen Eishockey muss der Zweck die Mittel heiligen. Und der Zweck steht dabei unzweideutig auf der Verpackung: ein Format, bei dem die Besten gegen die Besten spielen.
Aufregen muss man sich übrigens über den aktuellen Modus genauso wenig wie über die hier veranstaltete Diskussion über diesen Modus. Falls das nicht gelingen sollte: Anti-Stress-Ausmalbuch besorgen, liebe Wutbürger.

