Darum gehts
- Schweizer Eishockeyteam strebt bei Olympia 2026 in Mailand Spitzenplatz an
- Trainer Fischer sieht Turnier als erste Top-Bewährungsprobe seit 2016
- Ziel: mindestens Viertelfinal-Qualifikation
Jetzt wollen wir wissen, ob wir auch die Besten herausfordern können. Die Schweiz hat zuletzt bei Weltmeisterschaften immer wieder Top-Nationen geschlagen und Medaillen gewonnen. Aber eine belastbare Antwort auf die Frage, wie aussagekräftig diese Erfolge im globalen Gesamtkontext sind, lässt sich aus diesen Erfolgen nicht schälen. Bei Weltmeisterschaften sind wohl anekdotisch auch NHL-Superstars zu finden, aber die tatsächlich besten Mannschaften sind bei grossen Turnieren nur dann am Start, wenn die NHL ihren Betrieb für die Olympischen Spiele (ab 2028 auch für den World Cup of Hockey) auf Eis legt.
Patrick Fischer ist seit 2016 Trainer der Schweizer Nationalmannschaft. 2018 und 2022 liess die NHL die Olympischen Spiele links liegen, für Fischer ist das Turnier von Mailand darum ein Höhepunkt, aber auch die erste und letzte Gelegenheit für eine Standortbestimmung im High-End-Bereich. Wie gut ist der Vize-Weltmeister im Quervergleich, wenn alle aus dem Vollen schöpfen? Und wie gross ist der Qualitätsunterschied zwischen einer handelsüblichen Weltmeisterschaft und einem Turnier mit den Allerbesten tatsächlich?
Patrick Fischer hat die Eishockey-Nation Schweiz mit seinem Enthusiasmus infiziert, die Fortschritte sind beträchtlich, die Erwartungshaltung dementsprechend.
Auf dem Papier die Nummer sechs – und auf dem Eis?
Auf dem Papier ist die Schweiz in Mailand wahrscheinlich die Nummer sechs hinter den Top-Nationen Kanada, USA, Schweden, Titelverteidiger Finnland und Tschechien, wahrscheinlich auf Augenhöhe mit Deutschland und seinen Superstars Draisaitl und Seider. Was auf Papier geschrieben steht, hat auf dem Eis aber manchmal nur akademischen Wert. Im Gegensatz zu den zuletzt überzeugenden Kampagnen bei Weltmeisterschaften hat die Nati unter Fischer bei Olympischen Spielen allerdings noch nie Stricke zerrissen. 2018: Viertelfinal verpasst. 2022: Viertelfinal verloren. Obwohl man jeweils überzeugt war, dass die Absenz der NHL der Schweiz in die Karten spielen würde.
Und jetzt? Wir haben die Besten mit dabei, die mit dabei sein können. In der Vorrunde ist ein Sieg gegen Frankreich Pflicht und ein Erfolg gegen Tschechien möglich. Ein Punktgewinn gegen Kanada wäre eine Sensation, grösser noch als 2006 in Turin, als man den Titelfavoriten mit Tinu Gerber im Tor und Paul DiPietro mit zwei Toren in der Vorrunde kalt erwischen konnte.
Kein Raum, keine Zeit, kein Pardon
Die Kanadier haben in Mailand kein All-Star-Team im Angebot. Superstars, ja. Aber allesamt mit Kante, ohne wird man heute in der besten Liga der Welt kein Topshot. Vor Jahresfrist haben die Besten der Besten beim «4 Nations Face-off» mit Kanada, den USA, Schweden und Finnland schon mal demonstriert, wie High-End-Eishockey auf einem NHL-Eisfeld aussieht: kein Raum, keine Zeit, kein Pardon. Für unsere NHL-Vertreter ist das der Alltag, für die National-League-Spieler eine Umstellung.
Sollte die Schweiz bei diesem Turnier eine Medaille holen – es wäre Fischers grösster Coup und ein Wunder in der Geschichte des Schweizer Mannschaftssports.
Als bester Gruppenzweiter direkt in den Viertelfinal
Schiefgehen? Kann in Mailand nichts, es droht höchstens eine Ernüchterung. Wenn die Besten auch auf dem Eis die Besten sind, machen sie Edelmetall unter sich aus. Aber zwischen den Rohren steht Genoni und den Viertelfinal möchte man doch bitteschön erreichen. Neben den drei Gruppensiegern qualifiziert sich auch der beste Gruppenzweite direkt für die Runde der letzten Acht.




