Darum gehts
- Kevin Fiala verletzt sich in den Schlussminuten schwer gegen Kanada
- Unterschenkel-Verletzung bedeutet Olympia-Aus für den NHL-Star
- Auch Andrea Glauser und Denis Malgin fielen bei 1:5-Pleite aus
Die heisse Atmosphäre des Knüllers zwischen der Schweiz und Kanada kühlt auf den Nullpunkt ab. 170 Sekunden vor dem Ende ist es still in der Arena Santagiulia in Mailand. Ein Schockmoment: Kevin Fiala bleibt auf dem Bauch liegen, bewegt sich nicht. Sofort werden Sanitäter mit einer Trage herbeigerufen, der 29-Jährige wird in dieser Position darauf gehoben.
Die Teamkollegen schauen fassungslos zu. Bevor er vom Eis gebracht wird, geht Kanadas Drew Doughty, Fialas Teamkollege bei den LA Kings, zur Trage und unterhält sich kurz mit dem Schweizer. Nach dem 5:1-Sieg, der zur Nebensache verkommt, ist der NHL-Verteidiger immer noch schockiert. «Ich wollte nach ihm sehen. Es ist schrecklich, was passiert ist», so Doughty. «Ich hoffe, es ist nichts Ernstes, auch wenn es nicht gut ausgesehen hat.» Der Kanadier entschuldigt sich und eilt davon, «gerne hätte ich Kevin die Hand geschüttelt und ihn wegen unseres Sieges aufgezogen. Jetzt will ich noch in die Kabine und ihn sehen.»
Doch da ist Fiala bereits nicht mehr in der Garderobe, wie Nati-Trainer Patrick Fischer wenig später bestätigt. Der NHL-Star ist zu weiteren Untersuchungen direkt ins Spital überführt worden. «Es ist nicht einfach für uns alle, es ist emotional, einen Spieler auf der Trage zu sehen», so Fischer, «es tut mir leid für ihn, Kevin hat alles gegeben». Er hoffe auf ein baldiges Resultat, «alle warten darauf und sind etwas ausser sich, auch seine Frau».
«Es tut mir furchtbar leid»
Was ist passiert? Fiala verletzt sich bei einem normalen Zweikampf mit Tom Wilson an der Bande. Aus Fischers Perspektive hat er sich bei seiner Bewegung überdreht. Er wird mit dem linken Fuss zwischen den Beinen des Kanadiers eingeklemmt, beide fallen. Das muss der fatale Moment sein. «Ein Unfall», wie Fischer betont.
Und Gegner Wilson? Er sagt nach dem Spiel gegenüber «The Athletic»: «Es tut mir furchtbar leid, dass Kevin vielleicht nicht weiterspielen kann. Ich sende ihm und seiner Familie meine besten Wünsche, ich bete für ihn. Man möchte nie, dass ein Spieler ausfällt, vor allem nicht bei so einem Turnier. Das ist bitter für das Land und die Mannschaft.»
Erst als er die Wiederholung auf dem Videowürfel gesehen habe, sei ihm das Ausmass der Verletzung bewusstgeworden, so Wilson. «Er ist ein harter Kerl, er hat nicht geschrien, er hat überhaupt keine Gefühlsregung gezeigt.» Diese zeigen die Kanadier, zollen ihren Respekt, indem sie mit ihren Stöcken aufs Eis klopfen, als Fiala vom Eis gebracht wird. Einige Schweizer Spieler haben Tränen in den Augen.
Zwei Stunden nach Matchende die Gewissheit
Die Auswirkung auf die Nati ist immens. «Drei Schlüsselspieler sind ausgefallen, das wird uns wehtun», sagt Nino Niederreiter. «Dieser Ausfall kurz vor Schluss, das war emotional», ergänzt Goalie Akira Schmid, «jetzt müssen wir zusammenstehen». Captain Roman Josi analysiert: «Einige unserer wichtigsten Spieler sind ausgefallen. Solche, die viel Eiszeit und eine wichtige Rolle im Team haben. Das ist hart.»
Trainer Fischer spricht dann aus, was man befürchten muss: «Es sieht nicht gut aus für Kevin.» Genaueres weiss der 50-Jährige eine Stunde nach Match-Ende noch nicht. Zwei Stunden danach ist der Alptraum Realität. Swiss Ice Hockey meldet um kurz vor 01.30 Uhr, dass für Fiala das Olympia-Turnier vorbei ist. Er hat sich schwer am Unterschenkel verletzt. Eine bittere Nachricht.
Und wie steht es um die zwei anderen Ausfälle? Bei Verteidiger Glauser besteht der Verdacht einer Gehirnerschütterung nach einem Check von Connor McDavid. Und bei Malgin könnte es sich nach einem Rencontre mit Sam Bennett um eine Schulterverletzung handeln. Fischer hofft auf mindestens einen Rückkehrer fürs letzte Gruppenspiel vom Sonntag gegen Tschechien. Und sonst? Mit Stürmer Simon Knak und Verteidiger Tim Berni stehen zwei Ersatzspieler bereit.

