Das Schlimmste im Spiel gegen Kanada ist nicht das Spiel, nicht die 1:5-Niederlage, sondern der Schluss: NHL-Stürmer Kevin Fiala bleibt drei Minuten vor dem Ende liegen und wird unter Applaus – auch von der ganzen kanadischen Mannschaft auf dem Eis – abtransportiert, nachdem ihm Tom Wilson unglücklich aufs Bein gefallen ist. Ein Schock und ein absoluter Stimmungskiller.
Denn eigentlich wollte man den «Bären stubsen», sagte NHL-Stürmer Nino Niederreiter vor dem Duell gegen Turnier-Favorit Kanada. Und genau das tun die Schweizer. Sie zeigen keine Komplexe, steigen in die Zweikämpfe und lassen sich nicht einschüchtern. Nach einem frühen Pfostenschuss der Kanadier kommt Niederreiter zu einer Chance und wenig später verpasst Kevin Fiala eine Vorlage von Timo Meier nur knapp.
Doch wer den Bären stubst, muss auch mit einer Reaktion rechnen. Dean Kukan traut sich an der offensiven blauen Linie etwas zu viel zu und muss auf die Strafbank, als er den Konter von NHL-Playoff-MVP Sam Bennett unterbindet. Das bestrafen die kanadischen Superstars gnadenlos. NHL-Topskorer Connor McDavid bezwingt Goalie Akira Schmid im Powerplay.
Auch Glauser und Malgin fallen verletzt aus
Der beste Spieler der Welt scheut sich wie schon am Vorabend gegen Tschechien (5:0) auch nicht, seinen Körper einzusetzen. Nach einem Check des Stürmers der Edmonton Oilers scheidet Fribourg-Verteidiger Andrea Glauser aus. Wenig später erwischt Bennett auch Denis Malgin. Auch für den ZSC-Stürmer ist das Spiel zu Ende. Später trifft der Florida-Stürmer auch noch Nico Hischier ungestraft mit dem Stock ins Gesicht.
Wucht, Technik, Tempo, Präzision – die Kanadier spielen ihre Klasse aus. Kurz nachdem Schmid davor Sidney Crosby noch mit einer spektakulären Fussabwehr gestoppt hat, bezwingt ihn nach einem tollen Pass von McDavid der aufgerückte Verteidiger Thomas Harley. Doch auch die Schweizer nützen ihr erstes Powerplay. Goalie Logan Thompson kann einen Direktschuss von Sven Andrighetto noch an die Latte lenken, doch Pius Suter staubt ab und verkürzt auf 1:2.
Im Mittelabschnitt bekunden die dezimierten Schweizer mehr Mühe. Und als drei der vier besten NHL-Skorer auf dem Eis stehen, klingelt es wieder. Jungstar Macklin Celebrini (19) vollendet die Vorarbeit von Nathan MacKinnon und McDavid. Da geht es schlicht zu schnell für die Schweizer, die erst kurz vor Drittelsende durch Philipp Kurashev wieder zu zwei guten Chancen kommen.
Kanada steht als Gruppensieger fest
Die Nati kann den Coup von 2006 in Turin (2:0), als Goalie Martin Gerber hexte und Paul Di Pietro zweimal traf, nicht wiederholen. Just als die Schweizer dem Anschlusstreffer nahe sind und richtig Druck machen, sorgt Sidney Crosby für einem Ablenker zum 4:1 für die Entscheidung. MacKinnon erhöht später gar auf 5:1. Eine gesalzene Rechnung für einen guten Auftritt gegen einen Gegner mit einem fantastischen Team.
Kanada ist als Gruppensieger bereits für die Viertelfinals qualifiziert. Die Schweiz spielt am Sonntag gegen Tschechien um den zweiten Rang, der ebenfalls noch für den direkten Viertelfinal-Einzug reichen könnte. Doch nur der beste der drei Zweiten entgeht dem Vor-Viertelfinal.
Tore: 6. McDavid (MacKinnon, Makar/PP) 1:0. 12. Harley (McDavid) 2:0. 13. Suter (Andrighetto, Kukan/PP) 2:1. 23. Celebrini (MacKinnon, McDavid) 3:1. 48. Crosby (Marner, Makar) 4:1. 54. MacKinnon (McDavid, Celebrini) 5:1.


