Swiss-Ski-Boss und Amtskollegen sind sauer
Swiss Olympic streicht trotz Olympia-Traumbilanz die Erfolgsbeiträge

Der Schweizer Wintersport befindet sich in den letzten Jahren nicht nur wegen den 23 Olympia-Medaillen in einer traumhaft erfolgreichen Ära. Doch nun der Hammer: Die Verbände kriegen von Swiss Olympic dennoch keine Erfolgsbeiträge. Das hat aber einen triftigen Grund.
Kommentieren
1/8
Swiss-Ski-Präsident Peter Barandun (r., bei der Golf Trophy mit Marco Odermatt): Eine Nachricht von Swiss Olympic kommt im Ski-Lager alles andere als gut an.
Foto: Zamir Loshi/freshfocus

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Swiss Olympic zahlt trotz 23 Olympia-Medaillen keine Erfolgsbeiträge
  • Grund: Budgetdefizit von 3,2 Millionen Franken laut Jahresrechnung 2025
  • Verbände wie Swiss-Ski sind enttäuscht und wollen das Gespräch suchen
RMS_Portrait_AUTOR_1046.JPG
Matthias DubachLeiter Reporter-Pool Blick Sport

Mitten in der Hitzewelle verschickt Swiss Olympic eine E-Mail, die bei den Empfängern alles andere als für Abkühlung sorgt. Viel mehr: Bei den Wintersportverbänden von Swiss Ski über Curling und Bob bis hin zum Eishockey kriegen sie hochrote Köpfe.

Denn Swiss Olympic teilt mit: Es gibt trotz den beispiellos erfolgreichen Olympischen Spielen mit 23 Medaillen keine Erfolgsbeiträge für die Verbände. Ausgerechnet im Zyklus mit den mit Abstand erfolgreichsten Spielen schüttet der Dachverband keine Erfolgsprämien an die Verbände aus. Swiss Olympic begründet es im Schreiben, das Blick vorliegt, mit der aktuellen finanziellen Lage – man hat ein strukturelles Defizit.

Auf Anfrage schildert der Dachverband um Präsidentin Ruth Metzler-Arnold die Details: «Ob und in welcher Höhe ein Beitrag ausbezahlt wird, ist abhängig von der finanziellen Situation von Swiss Olympic. Der Betrag kann von den Verbänden nicht budgetiert werden. Da die Jahresrechnung 2025 ein Defizit von 3,2 Millionen ausweist, hat der Exekutivrat entschieden, auf die Auszahlung der Erfolgsbeiträge zu verzichten.»

Swiss-Ski stört sich auch am Zeitpunkt der Kommunikation

Geld, das man nicht hat, nicht auszuschütten – nachvollziehbar. Dennoch: Die betroffenen Verbände Swiss-Ski, Swiss Curling, Swiss Sliding, der Hockeyverband und der Schweizer Alpen-Club SAC (zwei Olympia-Medaillen im Skibergsteigen) zeigen sich auf Blick-Anfrage vom Entscheid irritiert, enttäuscht und teilweise auch verärgert.

Swiss-Ski-Präsident Peter Barandun stört nicht nur das Streichen der Prämien, sondern auch der Zeitpunkt: «Der Entscheid, keine Erfolgsbeiträge auszuzahlen, überrascht und enttäuscht uns. Einerseits, weil die Schweiz an Olympischen Spielen noch nie so erfolgreich war wie diesmal. Anderseits, weil dieser Entscheid laut Swiss Olympic schon im März getroffen worden war, wir aber erst drei Monate später darüber in Kenntnis gesetzt wurden. Am Sportparlament am 21. Mai oder bei anderen Gelegenheiten wurde der Entscheid mit keiner Silbe erwähnt.»

Deshalb kündigt Barandun an: «Swiss-Ski wird nun mit den weiteren betroffenen Verbänden und mit Swiss Olympic den Dialog suchen.» Warum die Verspätung? Swiss Olympic erklärt es lediglich mit «einer Verzögerung bei den internen Prozessen».

Für die verärgerten Reaktionen zeigt man bei Swiss Olympic Verständnis. «Selbstverständlich verstehen wir die Enttäuschung. Gleichzeitig zählen wir auf das Verständnis der Verbände. Die politische und wirtschaftliche Gesamtsituation führt dazu, dass Swiss Olympic und der Schweizer Sport allgemein stärker unter Druck stehen.»

Nebenbei bemerkt: Die persönlichen Erfolgsbeträge für die Medaillengewinnerinnen und -gewinner wurden nicht gestrichen. Und die Fördergelder an die Mitgliederverbände hat Swiss Olympic dieses Jahr einmal mehr erhöht, über diesen Weg sind 89,2 Millionen ausgeschüttet worden.

Wie viel Geld nun zusätzlich via Erfolgsbeiträge theoretisch drin gelegen wäre, wissen die betroffenen Verbände nicht. Swiss Olympic berechnet es jeweils anhand eines Punktesystems. Es zählen nicht nur die Olympiamedaillen, sondern im Vierjahreszyklus 2022 bis 2026 auch EM- und WM-Medaillen sowie aber auch Themen wie der Erfüllungsgrad der in der Leistungsvereinbarung festgelegten Punkte.

Für den Bob-Verband ist die Nachricht besonders schmerzhaft

Aber vor allem für die kleinen Verbände wären selbst Summen von einigen Zehntausend Franken ein sehr willkommener Batzen, geschweige denn Beiträge im sechsstelligen Bereich. Der Bob-Verband wäre nach dem Wirbel um einen säumigen Grosssponsor besonders dringend auf Geld angewiesen.

Präsident Sepp Kubli: «Natürlich trifft uns als Verband jeder Franken, der nicht ausbezahlt wird. Nach dem Ausfall eines grossen Sponsoringbeitrags arbeiten wir weiterhin intensiv daran, unser finanzielles Defizit abzubauen. Deshalb ist jeder Beitrag wichtig. Wenn solche Gelder wegfallen, ist das für uns sehr schmerzhaft.»

Auch beim SAC kommt die Null-Nummer alles andere als gut an – sie kommt exakt in der Woche, in der das IOC bekannt gibt, dass Skibergsteigen auch 2030 zum Olympia-Programm gehören wird. «Die Erfolgsprämien von Swiss Olympic sind für den SAC ein wichtiger Beitrag, insbesondere für Skimo (Skibergsteigen) als aufstrebende olympische Sportart, die in Milano Cortina sehr erfolgreich war», schreibt der Alpen-Club gegenüber Blick, «in der Etablierungsphase einer neuen Disziplin sind solche Mittel entscheidend, um die notwendigen Strukturen und die Nachwuchsförderung nachhaltig aufzubauen. Die fehlenden Prämien treffen den SAC spürbar. Umso mehr, als der SAC als verantwortlicher Verband für Skibergsteigen die Weichen für Olympia 2030 jetzt stellen muss.»

Die Sommersportverbände erhielten 2024 die Erfolgsbeiträge

Besonders bitter schmeckt die Nachricht auch im Curling und im Eishockey, wo in der Abrechnungsperiode alleine Skip Silvana Tirinzoni drei WM-, zwei EM-Titel und Olympia-Silber einfuhr – im Hockey sinds dreimal WM-Silber und Olympia-Bronze der Frauen. Swiss-Curling-CEO Patrick Reber: «Wir sind enttäuscht, insbesondere weil tolle Leistungen erbracht wurden. Auch wenn wir die Beiträge nicht budgetiert hatten, hätten wir sie gerne direkt wieder in den Sport investiert.»

Ähnlich klingts beim Hockeyverband: «Die Swiss Ice Hockey Federation nimmt den Entscheid von Swiss Olympic mit Bedauern zur Kenntnis. Die Erfolgsbeiträge sind ein wichtiger Bestandteil der Leistungsförderung und tragen zur Entwicklung des Nachwuchs- und Leistungssports bei.»

Nicht gerade gut kommt zudem an, dass die Sommersportverbände dieselben Erfolgsbeiträge für ihren Zyklus 2020 bis 2024 erhalten haben. Hier sagt Swiss Olympic aber klipp und klar: «Die finanzielle Situation präsentierte sich damals besser als heute.»

Was sagst du dazu?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen