Darum gehts
- Kaitlyn McGregor kehrt nach zwölf Jahren Pause zum Eisschnelllauf zurück
- Ihr Comeback inspiriert durch Schweizer Team und Livio Wenger
- McGregor und Wenger starten im Massenstart-Wettkampf mit Zielen
Es ist nur ein Gedanke, den Kaitlyn McGregor hat, als sie ihre Taschen packt für einen Besuch bei ihren Eltern in Inzell (De). «Ich nahm aus einem Impuls heraus auch meine Eisschnelllauf-Schuhe mit», erinnert sich die 31-Jährige an den Moment im 2019. Ihre Eltern wohnen in dem 5000-Seelen-Örtchen, weil es einst auch die Trainingsbasis ihrer Tochter gewesen ist, als sie als Teenagerin die Eisschnelllauf-Welt erobern möchte.
Als 19-Jährige gewinnt McGregor an den Junioren-Weltmeisterschaften einmal Silber und zweimal Bronze. Ihr grosses Ziel damals: Olympia 2014 in Sotschi. Als sie sich nicht dafür qualifiziert, bricht eine Welt für sie zusammen. Die Enttäuschung darüber gipfelt in einer Auszeit. Zwischen 2014 und 2021 bestreitet die einstige Eishockeyspielerin keine Wettkämpfe, informiert den Verband 2015 über ihren Rücktritt vom Eisschnelllauf. Der Sport hat ihr das Herz gebrochen.
Die Gründe dafür sind vielschichtig. Vor allem aber fühlt sie sich damals allein. Aus dem Hockey ist sie sich das Team-Leben gewohnt, «als Eisschnellläuferin war ich eine Einzelgängerin, reiste alleine um die Welt, musste oft meine Eltern anrufen, weil ich nicht weiter wusste oder etwas mit den Hotels nicht geklappt hat», erzählt sie. Ihr Körper rebelliert, kann den Stress und Druck nicht mehr verkraften. McGregor erleidet zudem eine Depression, kehrt ihrer Leidenschaft den Rücken.
Wenger attestiert ihr Mut und Willen
Bis zu jenem Moment 2019, als sie die Trainingshalle in Inzell betritt. Da traut sie ihren Augen kaum. Ein Schweizer Team trainiert, mit einem Coach, «das hat es zu meiner Zeit nie gegeben». Auch Livio Wenger ist überrascht, als sein Vorbild plötzlich neben ihm steht. «Dank ihr hatte ich es so weit gebracht», erzählt der 33-Jährige. Und dank ihm beschliesst McGregor ihr Comeback. Denn seinem 4. Olympia-Platz von Pyeongchang ist es zu verdanken, dass der Sport in der Schweiz einen Aufschwung erlebt und ein professionelleres Umfeld geschaffen wird. «Wir tranken einen Kaffee zusammen», so Wenger, «ich erzählte ihr, wie sich die Zeiten geändert haben. Nach so vielen Jahren zurückzukehren, braucht grossen Mut und Willen.»
Das sagt ihr damals auch Trainer Kalon Dobbin: «99 Prozent der Zurückgetretenen schaffen es nie mehr an die Spitze.» McGregor schon – wohl weil sie in so jungem Alter pausiert hat. Der Comeback-Pakt wird geschlossen, immer mit dem Ziel Olympia 2026 vor Augen. Der Olympia-Traum hat sich für die im Luzernischen wohnhafte McGregor, die sich während ihrer Auszeit zur Yogalehrerin und Ernährungsberaterin ausbilden lässt, zwölf Jahre später erfüllt als geplant.
«Ich spüre einfach nur Dankbarkeit. Rückblickend hat es diese Auszeit gebraucht, um wieder hier zu stehen.» Am letzten Olympia-Samstag sind sowohl Wenger als auch McGregor im Massenstart-Wettkampf dabei. Ihr Ziel? «Mein höchstes Potenzial abrufen.» Ein Top10-Platz ist für sie realistisch, für Wenger könnte gar ein Medaillenrang drinliegen.
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