Extra aus dem Engadin angereist
Ex-Spieler wird zur Olympia-Geheimwaffe der Frauen-Nati

Corsin Camichel betreut die Schweizer Frauen-Nati als Mentaltrainer. Wenige Stunden vor dem wichtigen Viertelfinal-Sieg kam der Ex-Spieler aus dem Engadin angereist und traf sich mit den Spielerinnen im Olympischen Dorf. Jetzt bleibt er aus gutem Grund in Mailand.
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Mit ihrem 1:0-Sieg im Viertelfinal gegen Finnland haben sich die Schweizerinnen den heutigen Halbfinal gegen Kanada verdient.
Foto: keystone-sda.ch

Darum gehts

  • Vor dem Halbfinal-Einzug bekam Frauen-Nati Unterstützung vom Mentaltrainer
  • Ex-Spieler Corsin Camichel betreut die Schweizerinnen seit letztem Sommer
  • Der 44-Jährige hat eine Vertrauensbasis aufgebaut
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
Nicole Vandenbrouck

Es sind nur noch wenige Stunden bis zum Viertelfinal-Match der Schweizerinnen gegen Finnland am Samstagabend. Vor dem Eingang des Olympischen Dorfes wartet Corsin Camichel. Seit drei Jahren ist der Ex-Stürmer (Davos, Zug, Ambri, Bern) als Mentaltrainer tätig, seit letztem Sommer betreut er die Frauen-Nati. Deren Headcoach Colin Muller hat den 44-Jährigen damals angefragt – und ihn angerufen, um zu fragen, ob er spontan anreisen kann.

Camichel kann und fährt aus dem Engadin nach Mailand. Quasi als Geheimwaffe vor dem Showdown mit den Finninnen.

Muller übergibt am Ende seiner Spielvorbesprechung das Wort an den Mentalcoach und verlässt den Raum. «Was dann passiert, ist eine Sache zwischen ihm und den Spielerinnen. Ich vertraue ihm da», so der 62-Jährige, «denn was auch immer er tut, es hilft ihnen. Sie fühlen sich wohl mit ihm, ihr Selbstvertrauen ist noch gestiegen.»

Der Rest ist Geschichte: Die Schweizerinnen bodigen Finnland mit 1:0 und ziehen in den Halbfinal (Montag um 21.10 Uhr gegen Kanada) ein.

«Es besteht eine gute Vertrauensbasis»

Dieser Erfolg verlängert nun auch Camichels Aufenthalt hier. Er bleibt bis zum wahrscheinlichen Bronze-Match gegen die Schwedinnen, denen im Halbfinal die favorisierten US-Girls gegenüber stehen. Davor hat er unsere Frauen-Nati aus der Ferne gecoacht, steht via Video-Calls in Kontakt und lässt jeweils an Spieltagen eine Video-Botschaft zukommen, «manchmal auch mit Übungen angereichert».

Dank der bereits mehrmonatigen Zusammenarbeit kennen die Spielerinnen gewisse Tools, die sie anwenden können, von früheren Turnieren. «Vieles ist schon gefestigt, eine gute Vertrauensbasis besteht», erklärt Camichel. Der Mindset sei «programmiert» und das Medaillenziel bereits im Sommer festgelegt worden.

«Einfacher, ein Frauen-Team zu betreuen»

Als Ex-Spieler findet der Engadiner schnell einen guten Draht. Er kennt Hockey – und auch Schicksals- sowie Rückschläge, die er hat wegstecken müssen: Im Februar 2011 wurde bei ihm kurz vor seinem 30. Geburtstag Lymphdrüsen-Krebs diagnostiziert. Seit 2015 gilt er als geheilt. Dazwischen beendete er 2013 nach einem gescheiterten Comeback-Versuch seine Karriere. Camichel weiss, wie man sich nicht unterkriegen lässt. Diese Eigenschaft attestiert er auch der Frauen-Nati.

Chamichel, der erstmals mit einem Frauen-Hockey-Team arbeitet, sagt, «dass es viel einfacher ist, ein Frauen-Team zu betreuen als Männer». Der Grund? «Frauen sind offener gegenüber Mentalcoaching und saugen die Inputs regelrecht auf.» Für den einstigen Hockeyprofi ist der Aufwand und die Opferbereitschaft der Nati-Spielerinnen bewundernswert. Er unterstützt sie dabei, die Balance zwischen Sport- und Berufs- oder Studien-Leben zu finden – und halten. Umso mehr gönnt er ihnen den Erfolg. Der nächste könnte eine Olympia-Medaille sein. «Mein Beitrag dazu ist klein, die Spielerinnen erledigen den Rest.»

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