Darum gehts
- Die Frist für die Schweizer Olympiakandidatur endet 2027
- Der Bund will sich mit 200 Millionen Franken am Vorhaben beteiligen
- Das Referendum zu dieser Bundesbeteiligung könnte den Zeitplan gefährden
Die Vision ist gigantisch, der Zeitplan jedoch eng. Obwohl die Schweiz für die Olympiakandidatur 2038 dank des «privilegierten Dialogs» beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) gerade einen Sonderstatus geniesst, wird am Rande eines Events des Sport-Business-Netzwerks (SBN) deutlich, vor welcher Herausforderung das Projekt «Switzerland 2038» gerade steht.
Michael Hartweg (52), Treiber der Biathlon-Bewegung auf der Lenzerheide und Wirtschaftsvertreter im Vorstand des Vereins «Switzerland 2038», weiss nämlich: Auch wenn «Switzerland 2038» dank des privilegierten Dialogs aktuell die einzige Partei ist, die mit dem IOC über die Austragung der Winterspiele 2038 verhandeln darf, ist das kein Freipass, sondern vor allem eine Frist, die Ende 2027 endet. Heisst: Bis dann muss die Kandidatur absolut wasserdicht sein.
Das beinhaltet nicht nur technische Konzepte, sondern vor allem eines: die verbindliche Zusage sämtlicher finanzieller Unterstützungsbeiträge, zu denen auch jene des Bundes von 200 Millionen Franken gehört.
Die Krux mit der Demokratie
Doch genau hier prallen zwei Welten aufeinander: Die SVP und die Grünen diskutieren seit zwei Wochen öffentlich ein nationales fakultatives Referendum zu diesem geplanten Bundesbeitrag.
Unterstützung erhält die Referendungsforderung auch von Andrea Zryd (50). Die SP-Nationalrätin und Konditionstrainerin der Eishockey-Frauen-Nati, die in Mailand gerade erst Olympiabronze feierte, ist deswegen aber keine Olympiagegnerin. Im Gegenteil. Zu Blick sagt sie: «Ich möchte Olympische Spiele in der Schweiz, das wäre ein Generationenprojekt für unseren Sport und unser Land.»
Doch für sie ist die demokratische Legitimation schlichtweg unverzichtbar. «Ein solcher Grossanlass betrifft das ganze Land, darum muss das Volk dahinterstehen. Bis Ende 2027 ein Referendum durchzuführen, ist zwar anspruchsvoll, aber wenn Entscheide erst nach der Vergabe fallen, entsteht politischer Druck und Unsicherheit», sagt Zryd.
Das Risiko der späten Abstimmung
Obwohl Hartweg betont, dass man die Kandidatur nicht am Volk vorbeibringen möchte, würde eine landesweite Abstimmung den ursprünglichen Plan über den Haufen werfen.
Denn ein Referendum kommt für die Olympiaverantwortlichen aktuell zum falschen Zeitpunkt. Wenn die Entscheidung des Volkes erst nach dem Verstreichen der IOC-Deadline fällt, ist die Exklusivität dank des «privilegierten Dialogs» weg, und die Tür für Konkurrenznationen stünde wieder offen.
Hartwegs Antwort auf die Forderung des Referendums auf Bundesebene ist deshalb klar: Die Mitbestimmung soll wie in der Schweiz üblich zwar stattfinden, jedoch nur dort, wo es die Menschen auch direkt betrifft. Zu Blick sagt er: «Da das Konzept dezentral angelegt ist, muss sich die Bevölkerung in den jeweiligen Austragungsorten natürlich auch äussern können.»
Private Millionen als Sicherheitsnetz
Bei der Finanzierung gehe der Verein ohnehin neue Wege. Das Organisationsbudget von rund 2 Milliarden Franken soll zu über 80 Prozent privat gestemmt werden, unterstützt durch den Bundesbeitrag und die Beiträge der jeweiligen Kantone der Austragungsorte.
Eine Defizitgarantie der öffentlichen Hand ist im Gegensatz zu vielen vergangenen Kandidaturen nicht vorgesehen. Diese 200 Millionen sollen aus der Privatwirtschaft kommen. Laut Hartweg ist man dort auf Kurs. «Bei der privaten Defizitgarantie sind wir aktuell näher bei 200 Millionen als bei null», sagt er zu Blick. Ein Teil dieser Finanzgarantie kommt beispielsweise vom Schweizer Schuhhersteller On.
Ob diese Argumente im Bundeshaus ausreichen, um ein nationales Referendum abzuwenden, bleibt offen. Klar ist: Die Schweiz muss sich nun entscheiden, ob sie die Chance dank des «privilegierten Dialogs» wahrnehmen möchte und mit den hiesigen demokratischen Prozessen in Einklang bringen kann.