Darum gehts
Es ist durchaus möglich, dass 2038 nach den Winterspielen Athletinnen und Athleten von der Stadt Luzern schwärmen, obwohl sie dort gar keine Wettkämpfe bestritten haben. Wie ist dieses Szenario denkbar? Luzern besitzt in der Schweizer Olympia-Bewerbung eine wichtigere Rolle, als es auf den ersten Blick erscheint.
Das Touristen-Mekka am Vierwaldstättersee wird eine Art heimliche Olympia-Hauptstadt, wenn die Spiele in zwölf Jahren tatsächlich bei uns stattfinden sollten. Luzern ist als Athleten-Zentrum eingeplant. Als Ort, wo die Teilnehmenden aus den Wettkampforten Zürich, Zug (jeweils Eishockey) und Engelberg (Austragungsort aller nordischen Skiwettbewerbe) beheimatet sind, wenn sie nicht gerade im Einsatz stehen.
Luzern als logistischer Mittelpunkt des sogenannten «Olympia-Cluster» Deutschschweiz. Zwar wird es kein klassisches Olympiadorf geben, das man neu bauen lassen müsste, was dem Nachhaltigkeitsgedanken widersprechen würde.
Das KKL als Treffpunkt für Sportler aus der ganzen Welt?
Die Delegationen werden stattdessen in bestehenden Hotels untergebracht sein, die sich in unmittelbarer Nähe zueinander befinden. Dafür bietet sich die Innenstadt mit Dutzenden Hotels südlich und nördlich der Reuss mehr als nur an – dazu das nahe KKL als Standort für gemeinschaftliche Räume wie Dining Hall (Athleten-Speisesaal), Gym und Büroräume für die Delegationen und Medien.
Eishockey-Spielerinnen, Langläufer, Skispringerinnen und nordische Kombinierer mischen sich in freien Minuten auf der Kapellbrücke unter die Fans. Nur schwülstiger Olympia-Kitsch? Vielleicht. Aber die vor einer Woche zu Ende gegangenen Spiele in Italien haben den Schweizern Projektbossen deutlich klargemacht, dass sie die Themen olympische Stimmung und Winterspiele-Magie ernst nehmen müssen. Da ist die Rolle von Luzern zentral.
«Wir möchten das olympische Erlebnis sowohl für die Athletinnen und Athleten als auch für die Zuschauerinnen und Zuschauer erlebbar machen», sagt Frédéric Favre zu Blick. Er ist CEO von «Switzerland 2038» und fährt so fort: «Dafür bietet Luzern mit seiner Stadt, seinem kulturellen Erbe und seiner ausgeprägten Willkommenskultur einen idyllischen Rahmen.»
Italien zahlte für die dezentralen Spiele einen hohen Preis
Mailand/Cortina war ebenso wie die Schweizer Bewerbung dezentral organisiert – das hat den grossen Vorteil, dass sich dort die Infrastruktur und organisatorisches Know-how nutzen lässt, wo sie bereits vorhanden sind. Aber es verkompliziert eben anderes.
Favre: «Die Ausgabe in Italien macht deutlich, dass es Bereiche gibt, die weiter verbessert werden können – insbesondere das Gesamterlebnis für Athletinnen und Athleten sowie für Zuschauerinnen und Zuschauer in einem dezentralen Konzept.»
Italien zahlte für seine dezentralen Spiele, die ersten dieser Art in der Olympiageschichte, einen hohen Preis. Echte olympische Atmosphäre kam an den wenigsten der weit auseinanderliegenden Orten auf. Es ist bereits jetzt Teil der Schweizer Wintersportgeschichte, dass die Männer-Skirennen in Bormio dank der je drei Medaillen von Franjo von Allmen, Marco Odermatt und Loïc Meillard unfassbar erfolgreich waren, aber dennoch keine Partystimmung aufkam. «Wenn ich in 20 Jahren auf Olympische Spiele zurückschauen werde, werde ich ganz klar eher Peking in Erinnerung haben», sagte Odermatt sogar.
Solche Aussagen liessen in der Schweiz bei Favre und Co. die Alarmglocken schrillen. «Atmosphäre, Geselligkeit und Orte der Begegnung sind entscheidend, um jene kollektive Emotion zu schaffen, die die Magie der Spiele ausmacht», sagt der CEO.
Gespräche in Luzern über die «Medal's Plaza»
Was er nicht sagt: Dass wohl zum Beispiel in Zürich, wo einzig in der Swisslife-Arena im Quartier Altstetten Olympia stattfindet, kaum die grosse Winterspiele-Magie ausbricht. Gleiches in Genf, wo in den Palexpo-Hallen beim Flughafen Curling und Eisschnelllauf durchgeführt werden sollen. Und auch im Tessin nicht, wo in Lugano einzig Hockey gespielt wird.
Deshalb wird die Rolle von Luzern enorm wichtig. Wie auch die vergleichbare in Lausanne und St. Moritz als Hauptorte der beiden anderen Cluster sowie Crans-Montana als Ski-alpin-Hauptstadt. Vor allem in diesen Zentren soll der olympische Geist zum Leben erweckt werden – auch als Orte, wo jeweils abends Medaillenzeremonien abgehalten werden? Nach dem desaströsen Verzicht darauf bei Mailand/Cortina forderte Swiss Olympic bereits das IOC auf, für die Spiele 2030 in den französischen Alpen wieder sogenannte «Medal’s Plaza» einzuplanen.
Und 2038? Die Schweiz will die Podestzeremonien unbedingt in würdigem Rahmen anbieten. Auch in Luzern, wo gar keine Wettkämpfe stattfinden? Möglich. Gespräche mit der Stadt laufen, ob und welcher Standort sich als «Medal’s Plaza» eigenen würde. Dann würden die Chancen nochmals besser, dass Luzern die heimliche Olympia-Hauptstadt sein würde. Wenn denn 2027 die Winterspiele vom IOC tatsächlich an uns vergeben werden.
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