Darum gehts
- Schweiz plant Winterspiele 2038 mit Wettkämpfen in zehn Kantonen
- Privatfinanzierung deckt 82 Prozent des 2,2-Milliarden-Budgets
- Erstmals keine neuen Wettkampfstätten, nur temporäre Schanzen geplant
Schon in einem Monat laufen die Olympischen Spiele 2026 in Italien – und zwölf Jahre danach bei uns in der Schweiz? Geht es nach den sieben Personen, die am Mittwoch im Berner Wankdorf auftreten, lautet die Antwort ganz klar: Ja! Swiss-Olympic-Präsidentin Ruth Metzler-Arnold sagt: «Wir wollen die Spiele, und das IOC will sie auch.»
Die Ausgangslage scheint tatsächlich verlockend: Nach der Niederlage für die Spiele 2030 erhielt die Schweiz beim IOC als einzige Bewerberin den Status eines sogenannten «privilegierten Dialogs». Sprich: Ist das IOC happy mit der Kandidatur, gibts 2027 den Zuschlag.
Vom 2,2-Milliarden-Budget sollen lediglich 18 Prozent von der öffentlichen Hand kommen. Der Rest ist privat finanziert. Wie auch die Defizitgarantie, Unternehmer und Biathlon-Arena-Mastermind Michael Hartweg ist beauftragt, diese Gelder bei Privatpersonen und Firmen («je 100 Millionen, das Interesse ist gross») einzuholen. Ob sich so die seit Jahren vorhandene Olympia-Skepsis in der Schweiz ausbremsen lässt?
Erstmals ein ganzes Land als Olympia-Austragungsort
Jedenfalls soll im Februar 2038 die Schweiz ins Olympia-Fieber geraten – die Wettkampfstätten sind über die ganze Schweiz verteilt, auch das Tessin ist neu vertreten. «Es sind zehn Kantone und 14 Städte beteiligt. Alle sind sehr enthusiastisch», schildert CEO Frédéric Favre.
Genf: Curling, Eisschnelllauf
Lausanne: Eiskunstlauf, Short Track
Crans-Montana: Ski Alpin
Engelberg: Skispringen, Langlauf, Nordische Kombi
Zürich: Eishockey
Zug: Eishockey
Lugano: Eishockey
Lenzerheide: Biathlon
St. Moritz/Silvaplana: Ski Freestyle, Snowboard
St. Moritz/Celerina: Bob, Rodeln, Skeleton
Die Eröffnungsfeier ist in Lausanne geplant, die Schlussfeier in Bern.
Genf: Curling, Eisschnelllauf
Lausanne: Eiskunstlauf, Short Track
Crans-Montana: Ski Alpin
Engelberg: Skispringen, Langlauf, Nordische Kombi
Zürich: Eishockey
Zug: Eishockey
Lugano: Eishockey
Lenzerheide: Biathlon
St. Moritz/Silvaplana: Ski Freestyle, Snowboard
St. Moritz/Celerina: Bob, Rodeln, Skeleton
Die Eröffnungsfeier ist in Lausanne geplant, die Schlussfeier in Bern.
Zwar waren viele Orte wie zum Beispiel Crans-Montana VS für die alpinen Skirennen, Lenzerheide für Biathlon und die Bobbahn im Engadin schon bekannt, respektive schon für den gescheiterten Anlauf für 2030 so geplant.
Doch beim ersten öffentlichen Auftritt des Vereins «Switzerland 2038» kommen aber auch neue Details ans Licht. So soll Eisschnelllauf in den Genfer Palexpo-Hallen stattfinden. Die Notlösung mit einer 400-Meter-Eisbahn im Ausland ist somit ad acta gelegt.
Engelberg braucht eine temporäre Normalschanze
Spektakulär ist die Entwicklung bei den nordischen Wettbewerben. Neu sollen Langlauf, Skispringen und die nordische Kombi komplett in Engelberg OW stattfinden. Einst sahen die Pläne vor, Langlauf im Wallis zu veranstalten und die kleine Schanze in Kandersteg BE zu nutzen.
Jetzt scheint Engelberg aber die Chance packen zu wollen, sich auf der ganz grossen Bühne als Nordisch-Destination zu inszenieren. Dumm nur: Es gibt am Titlis nur die Grossschanze, auf der das jährliche Weltcup-Springen stattfindet. Die Lösung für die nötige Normalschanze? Favre: «Wir haben ein Budget für eine temporäre Schanze, die wieder abgebaut wird.»
Auch so kann man die Maxime erreichen, dass man als erste Kandidatur der Olympia-Geschichte keine einzige Wettkampfstätte neu baut. Durch die Hanglage der Anlage wäre es technisch keine allzu grosse Sache, direkt neben der bestehenden Schanze eine kürzere Anlaufspur hinzustellen. Die ersten Pläne existieren bereits.
Favre schliesst aber nicht aus, dass am Ende doch fix gebaut wird – mit einer Einschränkung: «Es liegt nicht an uns, von oben herab einen Neubau anzuordnen und ihn nur für zwei Wochen zu nutzen. Diese Vision müsste vom Kanton oder der Stadt kommen, vielleicht will man ja auch sonst mal einen internationalen Event veranstalten.»
Der Bundesrat entscheidet voraussichtlich im Sommer
Doch was, wenn sich an einem Wettkampfort grösserer Widerstand regt? Die Planung sei dynamisch. Sprich, dann wird woanders hin ausgewichen. Tönt einfach. Doch das mag im Eishockey gehen – doch gerade bei den Sprungschanzen oder der Bobbahn ist man alternativlos unterwegs.
Im Sommer 2026 folgt wohl der Entscheid des Bundesrats über den Grundsatzentscheid, ob die Politik den Grossanlass unterstützen will.