Darum gehts
- Audrey Werro siegt in Stockholm über 800 Meter in 1:53,98 Minuten
- Drittschnellste Zeit der Geschichte – Schweizer Leichtathletik auf Weltrekordniveau
- Idealbedingungen und jahrelanges Training sorgten für die historische Leistung
Was Audrey Werro (22) am Sonntagabend in Stockholm (Sd) zeigte, liess selbst die zuletzt verwöhnten Schweizer Leichtathletik-Herzen nochmals höherschlagen. Die Fribourgerin gewinnt das Diamond-League-Rennen über 800 Meter in sensationellen 1:53,98 Minuten, schlägt Olympiasiegerin Keely Hodgkinson (24) und läuft als erst dritte Frau der Geschichte unter 1:54 Minuten.
Eine Leistung für die Geschichtsbücher und eine, die selbst André Bucher (49), Schweizer 800-Meter-Weltmeister von 2001, staunen lässt. «Es ist sensationell. Da kann man wirklich die Superlative auspacken», sagt Bucher zu Blick. «Die drittschnellste Zeit der Geschichte ist mehr als 40 Jahre her, der Weltrekord ebenfalls. Das ist natürlich schon sehr beeindruckend.»
«Eine Überraschung? Nicht wirklich»
Dass Werro ihre Bestzeit gleich um fast zwei Sekunden verbessert hat, überrascht. Bucher erklärt sich das mit dem perfekten Rennverlauf in Stockholm. «Sie hatte zuerst eine gute Tempomacherin und danach praktisch noch eine Edel-Tempomacherin, die sie fast bis ins Ziel mitgezogen hat. Das waren Topbedingungen, die sie optimal genutzt hat», sagt der Weltmeister von 2001.
«Das ist keine Leistung, die von heute auf morgen gekommen ist. Sie wurde über Jahre immer schneller.» Sein Fazit: «Eine Leistungssteigerung auf diesem Niveau ist durchaus möglich. Jetzt hat sie in einem perfekten Rennen noch einen draufgepackt. Das dürfen wir auch so geniessen.»
Schweizer Leichtathletik im Hoch
Für Bucher steht Werros Lauf auch sinnbildlich für den aktuellen Höhenflug der Schweizer Leichtathletik. «Ich glaube, das hat man in der Schweizer Leichtathletik noch nie gehabt», sagt er. «Wir haben so viele junge Athletinnen und Athleten, die wirklich das Potenzial haben, ganz vorne mitzumachen.»
Besonders beeindruckt ihn dabei die Mischung aus etablierten Stars und nachrückenden Talenten. «Man kann nicht einmal mehr nur von einer Leichtathletikgeneration reden. Es ist ein fliessender Übergang. Die Jüngeren fordern die Etablierten heraus – das ist wirklich toll.»
Gründe für den Aufschwung sieht Bucher mehrere. «Wir haben sehr gute Vereine in der Schweiz, die tolle Arbeit leisten.» Zudem würden dank Projekten wie dem UBS Kids Cup jedes Jahr über 100’000 Kinder mit der Leichtathletik in Berührung kommen. «Das ist eine Basis, die wahrscheinlich dazu führt, dass wir in verschiedensten Disziplinen einfach gut aufgestellt sind.»
Werro soll sich deshalb trotz der Euphorie nicht verrückt machen lassen. «Sie hat ein gutes Umfeld, sonst wären solche Leistungen gar nicht möglich. Sie soll ihren Weg einfach weitergehen.» Und Bucher glaubt nicht, dass die Geschichte hier endet: «Ich glaube, das ist noch nicht das Ende der Fahnenstange. Aber es hat schon mal gewaltig eingeschlagen.»