Schweizer Leichtathletik-Sternstunde
Darum jubelt 800-Meter-Star Werro wie Nati-Star Ndoye

Das ist ein Statement mit Wucht: Audrey Werro zeigt einen Rekordlauf für die Geschichtsbücher – und schlägt in Stockholm erstmals die dominierende 800-Meter-Läuferin Keely Hodgkinson.
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Die Jubelpose von Audrey Werro erinnert an eine Löwin ...
Foto: David Lidstrom/Getty Images

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Audrey Werro gewinnt in Stockholm das 800-Meter-Rennen mit 1:53,98 Minuten
  • Erstmals schlägt sie Olympiasiegerin Keely Hodgkinson in einem dramatischen Duell
  • Werros Zeit ist die drittschnellste der Geschichte und Schweizer Rekord
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Yara VettigerRedaktorin Sport

Diese Jubelpose kennen Schweizer Sportfans von Fussball-Nati-Star Dan Ndoye (25): zusammengebissene Zähne, Hände wie Krallen nach vorne gestreckt. Genau so feiert auch Leichtathletik-Senkrechtstarterin Audrey Werro (22) ihre grossen Momente. Nachdem Ndoye am Samstag beim WM-Testspiel gegen Australien sein Tor bejubelt hatte, hatte am Sonntag auch Werro in Stockholm allen Grund dazu.

So häufig war im Schweizer Sport der Löwen-Jubel noch nie. Bei Ndoye liegt der Ursprung in der Heimat seiner Mutter: «Im Senegal werden die Leute oft als Löwen beschrieben.» Und bei Werro? «Don’t be shy, be a lion!» (Sei nicht schüchtern, sei ein Löwe!) sei früher ihr Motto gewesen, um sich zu motivieren.

Seit über 40 Jahren lief keine Frau so schnell

Mittlerweile hat sie durch ihre Rennen die Aura einer Löwin – die Freiburgerin gewann am Sonntag das 800-Meter-Rennen beim Diamond-League-Meeting in 1:53,98 Minuten. Schweizer Rekord. Diamond-League-Rekord. Und die drittschnellste Zeit, die je über diese Distanz gelaufen wurde. Seit über 40 Jahren ist über die doppelte Bahnrunde keine Frau mehr schneller gelaufen. Wow!

Doch der eigentliche Knall steckt nicht nur in der Zeit, sondern in der Gegnerin. Die Britin Keely Hodgkinson (24) galt lange als das Mass aller Dinge über 800 Meter. Olympiasiegerin. Europameisterin. Hallenweltmeisterin. Und für Werro in den letzten Jahren praktisch eine unüberwindbare Hürde. Immer wieder biss sich die Schweizerin an der Britin die Zähne aus. Auch noch im März an der Hallen-WM in Torun, wo Werro hinter Hodgkinson Silber holte.

Werro prophezeite es

In Stockholm kippte dieses Muster erstmals. Werro schlug die Britin im direkten Duell – und das in einem Rennen, das an Dramatik kaum zu überbieten war. Hodgkinson setzte sich zwar zwischenzeitlich an die Spitze und lief in 1:54,33 Minuten selbst nationale Bestleistung. Doch die Schweizerin blieb dran und zündete auf den letzten Metern den entscheidenden Schlussspurt.

Und Werro hatte dies angekündigt. Vor wenigen Wochen sagte sie im Interview zu Blick auf die Frage, ob sie Hodgkinson schlagen könne, ohne zu zögern: «Ja! Niemand ist unbesiegbar.»

Ein Moment für die Geschichtsbücher

Schon zuvor hatte Werro in dieser Diamond-League-Saison in Rabat triumphiert – nun folgte der nächste Coup auf höchstem Niveau. Das 800-Meter-Feld erlebt derzeit eine Athletin, die von Rennen zu Rennen mehr zum internationalen Topstar wird.

Schneller als Werros 1:53,98 waren in der Geschichte nur zwei Athletinnen. Die tschechoslowakische Läuferin Jarmila Kratochvilova lief 1983 in München den bis heute gültigen Weltrekord von 1:53,28. Und die Russin Nadeschda Olisarenko gewann 1980 in Moskau Olympiagold in 1:53,43. Fabelzeiten, die wegen des Staatsdopings im damaligen Ostblock mit Vorsicht zu geniessen sind. 

Diese Rekorde waren jahrzehntelang kein grosses Thema mehr. Bis Audrey Werro in Stockholm die Lücke jetzt ein Stück kleiner gemacht hat.

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