Darum gehts
- Fifa-Chef Infantino unter Druck: Kritik nach geplatztem WM-Verkaufsplan
- Generalsekretär Grafström und Arsène Wenger distanzieren sich von Infantino
- 211 Stimmen entscheiden am 18. März 2027 über Infantinos Zukunft
Seit einer Woche ist Fifa-Präsident Gianni Infantino (56) nach seinem gescheiterten Plan, Teile der Fifa zu veräussern, unter Beschuss. Immer mehr zeichnet sich ab, dass der Oberwalliser bei seinem Versuch, Anteile einer zwecks der Kommerzialisierung und Organisation von WM-Endrunden gegründeten Tochterfirma an private Investoren zu verkaufen, einen Alleingang gewagt hatte.
Nach Kevin Lamour, dem COO der Fifa, hat nun auch Generalsekretär Mattias Grafström (45), Infantinos engster Vertrauter in der Fifa, sich dahingehend geäussert, dass er keine Kenntnis von den Plänen der Fifa Forward Enterprise (FFE) hatte, wie «The Athletic» berichtet. Am Dienstag schreibt Grafström in einer Mitteilung an die Fifa-Belegschaft, die nach den anstrengenden WM-Wochen noch mehrheitlich in den Sommerferien weilt, dass die vergangene Woche für alle Mitarbeiter aussergewöhnlich und herausfordernd gewesen sei. «Wir alle wurden mitten in einen Wirbelsturm hineingezogen, der schwer zu begreifen und zu akzeptieren ist», so Grafström.
Was passiert am 18. März 2027?
Auch Arsène Wenger, seit 2019 Direktor für Fussballentwicklung in der Fifa, distanziert sich von Infantino. Der langjährige Arsenal-Trainer schreibt in einer Mitteilung, dass er von der FFE nichts gewusst und aus den Medien davon erfahren habe. «Der Entscheid, das Projekt zurückzuziehen, war absolut notwendig und unumstritten», so der Franzose. Als Erster von Infantinos Vertrauten hatte sich am Freitag Berater Carlos Cordeiro vom Fifa-Präsidenten abgewandt und war zurückgetreten.
Während die Uefa ihr Powerplay weiter hochhält, mit einem weltweiten Ausbau der Nations League droht, und einzelne Verbände wie Wales oder Serbien ihre Ablehnung von Infantino öffentlichkeitswirksam kundtun wollen, bekommt der wankende Fifa-Präsident vor allem Support aus Afrika (u.a. Marokko), dem Nahen Osten (u.a. Katar, Vereinigte Arabische Emirate und Kuwait) und anderen asiatischen Verbänden (u.a. Bhutan). Für Mittwoch hat Infantino nun gemäss «Times» eine Krisensitzung in Marokko einberufen. Der Inhalt: unklar.
Nur: All diese öffentlichen Bekundungen sind nicht verbindlich, gewählt wird am 18. März 2027 am Fifa-Kongress in Rabat. Wer dort die Mehrheit der 211 Stimmen der Fifa-Vollversammlung erhält, wird die Fifa für vier Jahre präsidieren. Derzeit gibt es vier Szenarien.
Infantino tritt zurück
Nach dem öffentlich gewordenen Hinterzimmerdeal hat Infantino viel Glaubwürdigkeit verspielt und das Vertrauen vieler Mitglieder verloren. Vor allem für die Uefa, die von einem «schäbigen, hinter verschlossenen Türen ausgehandelten und undurchsichtigen Deal» sprach, ist Infantino auch wegen seiner Anbiederung an Trump und dem Fall Balogun untragbar geworden.
Infantino wird aus dem Amt gedrängt
Um ein Amtsenthebungsverfahren einzuleiten, müssen gemäss Artikel 25 der Fifa-Statuten 20 Prozent der 211 Mitgliedsverbände einen ausserordentlichen Kongress einberufen. Eine andere Möglichkeit wäre, dass die Mehrheit des 37-köpfigen Fifa-Councils eine Krisensitzung einberuft und Infantino zum Rücktritt auffordert. Die bekanntesten Mitglieder des Councils sind neben den Präsidenten der Kontinentalverbände auch DFB-Boss Bernd Neuendorf, der ehemalige Spitzenfussballer Dejan Savicevic (Montenegro) und Argentiniens Verbandspräsident Claudio Tapia.
Infantino wird abgewählt
Am 18. März wird Infantino am Fifa-Kongress in Rabat von der Vollversammlung abgewählt. Allerdings müssen sich die Gegner des Wallisers auf einen Kandidaten einigen können, der mehrheitsfähig ist und mindestens 106 Stimmen macht. Europa (55 Mitglieder) sowie Zentral- und Mittelamerika (35 Mitglieder), die sich als einzige bisher klar gegen Infantino ausgesprochen haben, müssen noch ein paar Stimmen aus anderen Kontinentalverbänden auftreiben, die für den von ihnen portierten Kandidaten stimmen. Bis vier Monate vor der Wahl muss eine Kandidatur eingereicht werden.
Infantino bleibt Fifa-Präsident
Tritt Infantino zur Wiederwahl an und macht er die Mehrheit der 211 Stimmen, bleibt er Präsident. Es wäre die offiziell dritte und laut Statuten letzte Amtszeit als Präsident für den früheren Uefa-Generalsekretär. Bei seinem Abgang 2031 wäre Infantino dann 15 Jahre Präsident gewesen.
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