Balogun wird begnadigt
Der grösste Aufreger der WM spielt sich hauptsächlich neben dem Platz ab. Nachdem US-Stürmer Folarin Balogun im Sechzehntelfinal gegen Bosnien und Herzegowina mit Rot vom Feld fliegt, ist er für den Achtelfinal gegen Belgien gesperrt. Eigentlich. Doch dann ruft US-Präsident Donald Trump kurzerhand bei Fifa-Präsident Gianni Infantino an und beschwert sich. Die Fifa begnadigt Balogun, behauptet aber, Trumps Anruf habe überhaupt keinen Einfluss gehabt.
Die Empörung in der Fussballwelt ist riesig, über das Sportliche spricht vor dem WM-Achtelfinal der Amis keiner. Am Ende bringts nichts. Der Gastgeber verliert gegen Belgien mit 1:4 und fliegt aus dem Turnier. Balogun bleibt blass. Doch diese Entscheidung wird nachhallen. Dass die Franzosen kurz darauf eine Begnadigung für eine Gelbe Karte von Olise wollen, ist nur ein Vorgeschmack darauf, was dieser Entscheid noch für einen Einfluss auf den Fussball und die Fifa haben könnte.
Die Hydration Breaks
Seit dem Eröffnungsspiel sind sie Dauerthema. Die von der Fifa neu eingeführten, dreiminütigen Hydration Breaks sollten den Spielern die optimalen Voraussetzungen bieten. Dass sie einfach nur als Werbeslot für TV-Stationen und so als Goldesel der Fifa dienen, ist schnell klar.
Manchen Trainern gefällt es, sie können ihrem Team so einmal pro Halbzeit taktische Anweisungen mitgeben. Ansonsten stossen die «Trinkpausen» vor allem auf Ärger bei den Fans. In den Stadien werden sie mit Pfiffen quittiert. Fussball neu in vier Vierteln statt zwei Hälften.
Immerhin: Die Pausen weiten sich nicht weiter aus. Die Uefa bestätigte bereits, dass sie es weiter so handhaben wird wie bisher: Obligatorische Trinkpausen gibts erst ab 35 Grad oder wenn der Hitzeindex WBGT den Wert 32 überschreitet. Und auch in den nationalen Ligen bleibt (vorerst) alles beim Alten.
Darf Messi alles?
Die WM ist keine Woche alt, da diskutiert die Fussballwelt schon wieder über die gleichen Themen wie vier Jahre zuvor in Katar. Werden die Argentinier und ihr Superstar Lionel Messi bevorzugt?
Im Auftaktspiel der Argentinier gegen Algerien trifft Messi seinen Gegenspieler mit der offenen Sohle an der Wade. Eigentlich eine Rote Karte. «Er hätte vom Platz fliegen müssen», sagt auch Blick-Schiri-Experte Urs Meier. Für den Superstar gibts nicht einmal Gelb. Wie er die Algerier dann mit einem Hattrick abschiesst, ist überragend. Doch er hätte eben nicht mehr auf dem Platz stehen dürfen.
Im zweiten Gruppenspiel gegen Österreich ging Messis Tor ein Foul voraus. Auch da schritten der Schiedsrichter und der VAR nicht ein.
Und auch im Achtelfinal gegen Ägypten profitieren die Argentinier von strittigen Schiri-Entscheiden. Erst wird ein Tor der Ägypter aufgrund eines Fouls zurückgenommen, dann gibts keinen Elfmeter nach einem harten Einsteigen gegen Mohamed Salah. Kurz darauf jubelt der Weltmeister über das Siegtor.
«Das Spiel war manipuliert. Der Schiedsrichter wollte nicht, dass wir gewinnen», redet sich Ägyptens Mostafa Ziko nach dem Spiel in Rage. Am Ende bringt es nichts. Die Nordafrikaner sind raus, Argentinien im Viertelfinal. Und die Verschwörungstheoretiker schnalzen mit der Zunge.
Irans Hürden
Der Iran und die USA befinden sich im Krieg. Trotzdem reist die iranische Nationalmannschaft in die Staaten, um an der WM teilzunehmen. Doch es ist kompliziert. Ihr Camp müssen die Iraner nach Mexiko verlegen, obwohl sie nie dort spielen. Die USA müssen sie nach den Spielen direkt wieder verlassen, einreisen dürfen sie nur kurzfristig. Elf Personen des Nationalteams wird die Einreise gar ganz verwehrt.
Da hilft es auch nicht, wenn Fifa-Präsident Infantino nach der Auftaktpartie die Kabine besucht und dem Team Mut zuspricht. Denn im Verlauf des Turniers sollte sich nichts ändern. «Das Verhalten des Gastgebers uns gegenüber war schrecklich, und wir hoffen, dass die Welt das sieht», sagt Trainer Amir Ghalenoei nach dem letzten Gruppenspiel. «Seit dem Start ist die WM ein Desaster», klagt auch Stürmerstar Mehdi Taremi.
Dass die Iraner dann auch noch ausscheiden, weil Österreich gegen Algerien in letzter Sekunde den Ausgleich erzielt, ist der negative Schlusspunkt eines traurigen Turniers in einer traurigen Zeit für den Iran.
Schiri muss draussen bleiben
Omar Artan (34) hätte an der WM eigentlich Spiele pfeifen sollen. Doch die US-Behörden machten dem Schiedsrichter aus Somalia einen Strich durch die Rechnung. Er wurde an der Grenze zurückgewiesen und durfte nicht einreisen.
Die US-Regierung begründete dies mit «Verbindungen zu mutmasslichen Mitgliedern von Terrororganisationen». Obwohl Kanada Afrikas Schiedsrichter des Jahres 2025 hätte einreisen lassen, platzte Artans WM-Traum, bevor er überhaupt begonnen hatte. Denn das WM-Camp der Schiris lag in Miami, und die Fifa schloss einen Einsatz noch vor dem Turnier aus.
Kleiner Trost: Die Uefa verkündete kurz darauf, dass Artan den Supercup zwischen PSG und Aston Villa am 12. August leiten darf. Und bei seiner Heimkehr wurde er in Somalia als Held gefeiert.
Anton blockt, Deutschland fliegt
Die Deutschen tun sich im Sechzehntelfinal extrem schwer. In der Verlängerung bringt Jonathan Tah die vermeintliche Erlösung, als er nach einem Eckball zum 2:1 trifft. Doch der VAR schaltet sich ein und ahndet ein Blocken von Deutschlands Anton gegen den Paraguay-Goalie. Ein harter Entscheid.
Es bleibt 1:1. Und im Elfmeterschiessen versagen den Deutschen die Nerven. Nach dem Spiel toben unsere Nachbarn. Von einem «Vollskandal» spricht Bundestrainer Julian Nagelsmann, der wenige Tage später seinen Job los ist. Am Ende bleibt im Land des viermaligen Weltmeisters neben der Wut auf den Schiri vor allem Wut auf das eigene Team. Und die zwölf Jahre anhaltende Sehnsucht nach einer guten WM.
Embolos Schwalbe
Die ganze Schweiz leidet, als Breel Embolo in der 72. Minute des Viertelfinals gegen Argentinien Gelb-Rot für eine Schwalbe sieht. An der Seitenlinie. Die Nati-Stars können den Schiri-Entscheid nicht fassen, der Rotsünder selbst weint bittere Tränen.
In der Verlängerung verliert die Schweiz. Trainer Yakin spricht von einem «unbegreiflichen Entscheid», das Land diskutiert. Tatsächlich ist die «Mistaken Identity»-Regel von der Fifa neu. Und Embolos Schwalbe konnte nur wegen einer möglichen Gelben Karte gegen Paredes überhaupt überprüft werden. Doch mit ein paar Tagen Abstand und ohne Schweiz-Brille muss sich die Fussball-Nation eingestehen, dass Schiri João Pinheiro die Regel richtig angewendet hat. Ob sie nun Sinn ergibt oder nicht.
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