Darum gehts
- Beim FC St. Gallen eskaliert ein Machtkampf um Präsident Matthias Hüppi
- 19’000 Fans unterstützen Hüppi, 81 Prozent wollen ihn als Präsidenten
- Neuer Verwaltungsrat soll am 1. Juli offiziell eingesetzt werden
Eines muss man den Grossaktionären beim FC St. Gallen lassen: Langweiliger ist es nicht geworden, seit Patrick Thoma und Co. aus dem Schatten ins Scheinwerferlicht getreten sind. War der Klub unter Matthias Hüppi (68) jahrelang glatt wie ein Aal, wurde aus Grün-Weiss innert kürzester Zeit der FC Hollywood der Ostschweiz. Drang in den vergangenen Jahren kaum etwas an die Öffentlichkeit, haben sich die Nachrichten am Dienstag im Stundentakt überschlagen.
Blick beantwortet die heissesten Fragen zum Machtkampf bei den Espen:
Warum wird gestritten?
Wegen Macht und Geld. Die Grossaktionäre haben für ihre Anteile bezahlt und fordern mehr Mitspracherecht. Der aktuelle Verwaltungsrat aber schob diesen Bemühungen bereits bei seiner Amtsübernahme einen Riegel vor. «Eine Vermischung dieser beiden Gremien ist Gift für einen Verein», so das Motto. Erst seit letztem Herbst sitzt mit Patrick Thoma ein Vertreter des Grossaktionariats im VR. Dass Matthias Hüppi nicht viel von dessen Wahl hielt, ist ein offenes Geheimnis. Von der wirtschaftlichen Entwicklung des Klubs haben Thoma und Co. eine andere Auffassung, wie in den letzten Monaten ersichtlich wurde. Thoma sprach nach seiner Wahl von «langfristigen Risiken», die man sehe. Und er sprach damit die steigenden Kosten an. Die Topverdiener beim FCSG sollen mehr als 30’000 Franken pro Monat kassieren, auch Matthias Hüppi soll darunter sein.
Ist der Machtkampf schon entschieden?
Nein. Aus dem Umfeld von Matthias Hüppi ist zu vernehmen, dass das letzte Wort noch nicht gesprochen ist. Gut möglich, dass der FCSG auf eine ähnliche Situation zusteuert wie der FC Basel unter Bernhard Burgener und der FCL unter Bernhard Alpstaeg. Damals gingen Tausende von Fans auf die Strasse, um gegen die Pläne der jeweiligen Klubbesitzer zu protestieren. Auch in der Ostschweiz droht ein massiver Aufstand. In einer Blick-Umfrage sprachen sich über 19’000 Leserinnen und Leser dafür aus, dass Hüppi Präsident bleiben soll. Das sind knapp 81 Prozent aller Befragten. Dass der Espenblock geschlossen hinter seinem langjährigen Präsidenten steht, hat er nach dem Cupfinal demonstriert. Kommt hinzu, dass der Verein finanziell von seinen Anhängern abhängig ist. Und es Hüppi in den letzten Jahren geschafft hat, eine ganze Region grün-weiss anzumalen. Ob dies auch unter dem neuen Verwaltungsrat so sein wird, bleibt abzuwarten. Nicht ausgeschlossen deshalb, dass ein Fan-Aufstand den Putsch rückgängig machen und der alte Verwaltungsrat wiedereingesetzt werden könnte. Zumal die knapp 20’000 Kleinaktionäre theoretisch die Mehrheit an der FC St. Gallen 1879 AG besitzen. Hinzu kommt, dass auch Sponsoren den Aufstand proben und sich pro Hüppi positionieren. Selbst der St. Galler Regierungsrat sprach sich gegen eine erzwungene Ablösung des VRs aus.
Hat Überfigur Matthias Hüppi auch Schwächen?
Ja. Als Verkäufer und Markenbotschafter ist der 68-Jährige zwar brillant. Einen ganzen Klub zu führen, ist aber eine andere Schuhnummer. Nach der Matura machte er zwar zunächst einen kurzen Abstecher an die HSG, eigenen Angaben zufolge verbrachte er zu dieser Zeit jedoch mehr Stunden als Taxifahrer während der Olma als im Hörsaal. Das Jurastudium an der Universität Zürich brach er ab, um Sprech- und Medienausbildungen zu absolvieren, sprich sich seiner Karriere beim SRF zu widmen. Sein wirtschaftlicher Rucksack ist deshalb nur halb gefüllt, nicht umsonst stand ihm mit Peter Germann acht Jahre lang ein Vollblutunternehmer zur Seite. Und mit Christoph Hammer hatte Hüppi einen ausgewiesenen Finanzexperten im Team.
Sind die neuen Verwaltungsräte fähige Leute?
Das wird sich zeigen müssen. Mit Stefan Kölliker steht ein Mann als Nachfolger von Matthias Hüppi bereit, der 16 Jahre lang im Regierungsrat des Kantons St. Gallen sass. Im Interview mit dem SRF spricht der ehemalige SVP-Politiker davon, dass er dem FCSG viel Gutes tun könne. Weil er den Klub seit Jahren kenne und wisse, worauf er sich einlasse. «Unglücklich» sei es, wie das Ganze abgelaufen sei, sprich öffentlich geworden, so Kölliker. «Ich kann das aber nicht beeinflussen, sondern übernehme mutig die Verantwortung.» Neben Kölliker werden die Augen vor allem auch auf Marwin Hitz gerichtet sein. Der ist direkt nach seinem Karriereende als Verwaltungsrat Sport geplant und soll sowohl sein Netzwerk als auch seine langjährige Erfahrung als Profifussballer einbringen.
Ob das reicht, um die Fan-Wut zu besänftigen? Am 1. Juli sollen die neuen Verwaltungsräte an einer ausserordentlichen GV eingesetzt werden. Es dürften bis dahin noch turbulente Wochen rund um den Kybunpark werden.
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | FC Thun | 38 | 28 | 75 | |
2 | FC St. Gallen | 38 | 25 | 70 | |
3 | FC Lugano | 38 | 17 | 67 | |
4 | FC Sion | 38 | 23 | 63 | |
5 | FC Basel | 38 | -3 | 56 | |
6 | BSC Young Boys | 38 | 11 | 55 |
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | FC Luzern | 38 | 10 | 53 | |
2 | Servette FC | 38 | 8 | 53 | |
3 | FC Lausanne-Sport | 38 | -14 | 42 | |
4 | FC Zürich | 38 | -23 | 38 | |
5 | Grasshopper Club Zürich | 38 | -26 | 33 | |
6 | FC Winterthur | 38 | -56 | 23 |

