Darum gehts
- St. Gallen: FCSG-Führungskrise, Rücktritte von Verwaltungsräten und Matthias Hüppi möglich
- Immobilienmogul Patrick Thoma hält 15,03 Prozent der Aktien
- Fan-Aufstand droht nach Cupfinal
Stefan Kölliker (Politik)
Sass 16 Jahre lang für die SVP im Regierungsrat des Kantons St. Gallen und leitete das Bildungs- und Sportdepartement. Machte sich unter anderem für ein Kopftuchverbot an Schulen stark. Er soll Matthias Hüppi als neuer starker Mann ersetzen und Präsident werden. Nach dem Ende seiner Regierungstätigkeit vor zwei Jahren wurde er Verwaltungsrat bei einer Firma für Immobilienentwicklung. Diesem Unternehmen gehört auch der aktuelle Verwaltungsrat Patrick Thoma an. Kölliker ist verheiratet und hat drei Kinder. Vor 13 Jahren erkrankte er an Brustkrebs und unterzog sich einer Tumorentfernung.
Marwin Hitz (Sport)
Wurde im Alter von neun Jahren bei einem Grümpelturnier entdeckt und wechselte zum FC St. Gallen. Von 1996 bis 2008 trug er Grün-Weiss, für einen Einsatz in der ersten Mannschaft aber reichte es nicht. Via Yverdon und Winterthur landete der Mann aus Freidorf TG in der Bundesliga. Ab 2022 hütete er das Tor des FC Basel, im Sommer beendete er dann seine Spielerkarriere. Wie Thoma und Kölliker ist auch Hitz in der Immobilienbranche aktiv. Hmplus Immobilien heisst sein Unternehmen mit Sitz in Freidorf. Gab schon als aktiver Fussballprofi das «Handelsblatt» als Lieblingsapp an, absolvierte als Jugendlicher eine Ausbildung zum Bürokaufmann.
Urs Baumer (Finanzen)
Mit Christoph Hammer hatte der FCSG in den letzten acht Jahren einen Finanzexperten mit riesigem Leistungsausweis am Ruder. Sowohl bei den SBB als auch bei der Hilti-Group war Hammer in führender Position tätig. Unter ihm haben die Espen eine der grössten Eigenkapitalquoten im europäischen Fussball. Ihn ersetzen soll mit Urs Baumer ein in St. Gallen tätiger Treuhänder, über den wenig bekannt ist.
Martina Wüthrich (Rechtliches)
Für die juristischen Belange ist die Rechtsanwältin Martina Wüthrich vorgesehen, die zur Anwaltskanzlei Muri-Partner in Weinfelden TG gehört. Dort ist Jakob Stark als Konsulent aufgeführt, der Thurgauer SVP-Ständerat und alt Regierungsrat. Ob auch dieser sich für Kölliker starkgemacht hat?
Patrick Thoma (Grossaktionariat)
Dem Immobilienmogul aus Amriswil TG gehören 15,03 Prozent der Aktien. Seit letztem Herbst sitzt Thoma als Vertreter der Grossaktionäre im Verwaltungsrat. Seit mehr als zwölf Jahren als Präsident der Ambassadoren. Wer dort Mitglied werden will, zahlt 29’000 Franken pro Saison. Seit 2017 ist Thoma Grossaktionär. Davon, dass seine Wahl in den VR ein Misstrauensvotum gegenüber der aktuellen Führung sei, wollte er nach seiner Wahl im Herbst aber nichts wissen: «Nein. Der Verwaltungsrat hat in den letzten Jahren hervorragende Arbeit geleistet.»
Gleichzeitig sprach Thoma damals aber von «steigenden finanziellen Risiken», die es in Zukunft im Klub geben könnte. «Deshalb ergibt es Sinn, dass sich auch das Aktionariat im VR einbringt, zumal das auch bei anderen Vereinen nicht atypisch ist.»
Das mag zwar sein. Atypisch hingegen war auch, dass der FCSG in den letzten acht Jahren für Kontinuität stand und nicht für Chaos. Das hat sich seit dem Führungszoff schlagartig geändert. Die aktuellen Verwaltungsräte Peter Germann, Patrick Gründler, Christoph Hammer und Beni Würth sollen geschlossen zurückgetreten sein. Auch Boss Matthias Hüppi, der noch einen Vertrag bis Ende Jahr besitzt, dürfte ohne seine langjährigen Weggefährten nicht weitermachen wollen.
Es sind Pläne, die die Fan-Gemeinde nicht kampflos hinnehmen wird. Nach dem Cupfinal entrollte der Espen-Block ein Transparent und rief zum Widerstand auf. In einem Statement schreiben die Anhänger hinterher: «Als St. Galler Fangemeinde werden wir nicht schweigend zuschauen, wenn Entwicklungen entstehen, welche den Charakter und die Unabhängigkeit unseres Klubs langfristig beschädigen könnten.»
Heisst: Es droht ein Fan-Aufstand wie damals beim FCB unter Bernhard Burgener oder beim FCL unter Bernhard Alpstaeg.
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | FC Thun | 38 | 28 | 75 | |
2 | FC St. Gallen | 38 | 25 | 70 | |
3 | FC Lugano | 38 | 17 | 67 | |
4 | FC Sion | 38 | 23 | 63 | |
5 | FC Basel | 38 | -3 | 56 | |
6 | BSC Young Boys | 38 | 11 | 55 |
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | FC Luzern | 38 | 10 | 53 | |
2 | Servette FC | 38 | 8 | 53 | |
3 | FC Lausanne-Sport | 38 | -14 | 42 | |
4 | FC Zürich | 38 | -23 | 38 | |
5 | Grasshopper Club Zürich | 38 | -26 | 33 | |
6 | FC Winterthur | 38 | -56 | 23 |
