«Es gibt im Moment Tendenzen, die wir nicht akzeptieren»
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Emotionales Hüppi-Interview:«Es gibt im Moment Tendenzen, die wir nicht akzeptieren»

Fans und Boss Hüppi mit Seitenhieben
Das steckt hinter den Misstönen mitten im FCSG-Cupsieg

Zum ersten Mal seit 1969 wieder Cupsieger. Erstmals seit dem Jahr 2000 wieder ein Titel: Der FC St. Gallen euphorisiert die Ostschweiz. Mitten im Trubel aber sind böse Misstöne zu hören – von den Fans und auch von Klub-Präsident Matthias Hüppi. Was dahinter steckt.
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Der FC St. Gallen holt über zwei Jahrzehnten endlich wieder einen Titel.
Foto: keystone-sda.ch
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Stefan KreisReporter Fussball

Um exakt 16.02 Uhr strahlt die Berner Nachmittagssonne für die ganze Ostschweiz mit. Schiri Cibelli pfeift den Cup-Final ab, die FCSG-Spieler liegen sich in den Armen. Zum ersten Mal nach 57 Jahren stemmt Grün-Weiss die Sandoz-Trophäe, Präsident Matthias Hüppi schreit seine Freude raus, spricht hinterher im SRF-Interview von «einer Sehnsucht, die riesig war.» Und die nun endlich gestillt wurde.

Im Moment seines grössten Triumphs sieht der FCSG-Präsident aber dunkle Wolken aufziehen. Weil seit letztem Herbst mit Patrick Thoma zum ersten Mal in der Ära Hüppi einer der Grossaktionäre im Verwaltungsrat sitzt – und dies als Misstrauensvotum gegenüber dem aktuellen VR angesehen werden kann. Es ist eine Konstellation, den man bei Hüppis Amtsübernahme unbedingt verhindern wollte. «Eine Vermischung dieser beiden Gremien ist Gift für einen Verein», fand man damals im Verwaltungsrat

Nun, acht Jahre später, spricht Hüppi von «ultraharten Wochen und Monaten». Und dass beim FC St. Gallen nicht alles nur ein Planet der Seligen sei: «Bei uns wirken verschiedene Kräfte. Es war für mich als Klubpräsident die Aufgabe, hinzustehen und Kraft zu entwickeln, um Schaden vom Klub fernzuhalten. Es gibt im Moment Tendenzen, die wir in dieser Form nicht akzeptieren werden. Es ist unvorstellbar, dass in der besten Phase der Klubgeschichte nicht alle geschlossen hinter uns stehen.» Es sie schwierig zu erklären, sagt Hüppi. Und er könne es nicht weiter ausführen. Er sei aber stolz, dass man als Klub geschlossene Reihen habe und auch schwierige Zeiten überstehen könne.

Espenblock steht hinter Hüppi

Unterstützung gibts von den Fans, die wie eine Wand hinter Hüppi stehen. Der Espenblock veröffentlicht nach Schlusspfiff ein langes Statement, das auf vier pointierte Aussagen runtergebrochen werden kann. 1. Niemand steht über dem Klub. 2. Verantwortung in jeder Dimension. 3. Verein vor Ego. 4. Geschichte und Tradition verpflichten.

Man stelle sich klar hinter einen unabhängigen, stabilen und verantwortungsvollen Verwaltungsrat, der den Verein in den vergangenen Jahren erfolgreich geführt habe, so die Fans. «Gleichzeitig erwarten wir, dass bestehende Stabilität und Governance-Strukturen nicht durch Machtverschiebungen, persönliche und politische Interessen oder strukturelle Einflussnahmen gefährdet werden. Als St. Galler Fangemeinde werden wir nicht schweigend zuschauen, wenn Entwicklungen entstehen, welche den Charakter und die Unabhängigkeit unseres Klubs langfristig beschädigen könnten. Der Cupsieg soll ein Moment des Zusammenhalts sein. Ein Moment des Stolzes. Aber auch ein Moment, um sich bewusstzumachen, was unseren Verein stark gemacht hat: Bodenständigkeit, Verantwortung, Kontinuität und die gemeinsame Überzeugung, dass der FC St. Gallen immer grösser ist als Einzelpersonen und Machtinteressen.»

Zum Aktionariat gehören, geordnet nach ihren Anteilen: Die Fortimo AG mit den Brüdern Philipp und Remo Bienz (19,15 Prozent), Jérôme und Patric Müller (13,24), Roland Gutjahr (13,24), Patrick Thoma (13,24), der seit Herbst im Verwaltungsrat sitzt, Steffen Tolle (11,92), Rolf Schubiger (11,92), Ernst Eisenhut (6,7), Martin Jäger (5,29) und Reto Preisig mit der Brauerei Schützengarten (5,29).

Für ein Foto hats auf der FCSG-Homepage nicht bei allen VR-Mitgliedern gereicht.
Foto: Screenshot FCSG

Thoma wurde auch deshalb für die Wahl in den Verwaltungsrat vorgeschlagen, weil das Aktionariat «langfristige Risiken» erkenne, wie der Immobilienunternehmer an der Generalversammlung sagte. Heisst: Die Lohnkosten sind in den letzten Jahren gestiegen und werden es weiterhin tun, Gewinne werden reinvestiert. Die Vertragsverlängerungen von Carlo Boukhalfa und Jozo Stanic, die beide nicht günstig waren, lassen grüssen. Dass der FCSG finanziell gesund ist und über eine hervorragende Eigenkapitalquote verfügt, ist trotzdem Fakt. Dass die Espen ihren treuen Fans etwas bieten, sprich eine schlagkräftige Mannschaft hinstellen wollen, versteht sich von selbst. 

Wie lange macht Hüppi noch weiter?

Neben den «langfristigen Risiken» sprach Thoma damals an der GV noch etwas anderes an: Dass es vorhersehbar, dass der Verwaltungsrat langfristig «nicht in dieser Zusammensetzung» bestehen bleiben werde. Und man wohl einen Plan B bereitstellen wolle, sollte Matthias Hüppi irgendwann abtreten. 

Im März wurde der langjährige SRF-Moderator 68 Jahre alt. Auf die Frage, wie lange er noch weitermachen wolle, antwortete er kurz nach seinem Geburtstag im Blick-Interview: «Solange ich die Kraft und Energie habe und der Verantwortung gewachsen bin, den Klub so zu führen und zu unterstützen, wie er und die Menschen, die ihn tragen, es verdienen. Es ist bei aller Belastung ein Privileg und eine grosse Freude, gemeinsam mit all den motivierten und inspirierenden Menschen um mich herum etwas zu bewegen. Und ich bin sehr dankbar dafür, dass mein persönliches und für mich so wichtiges nahes Umfeld mich ebenfalls trägt. Ich bin und bleibe kein Sololäufer.»

Mit Peter Germann, Patrick Gründler, Beni Würth und Christoph Hammer hat Hüppi vier Menschen im Verwaltungsrat, mit denen er seit Jahren zusammen arbeitet. Dass Patrick Thoma, der Vertreter der Grossaktionäre, als Einziger nicht mit Bild, sondern als Schattengestalt auf der FCSG-Homepage gezeigt wird, kann Zufall sein, steht aber sinnbildlich für die aktuelle Situation.

«Muss jetzt ein schwieriges Gespräch mit Hüppi führen»
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