Das Spiel
Wie bitter! Der 18-jährige Teenie Mardochée Miguel gibt für Servette das Startelf-Debüt, bereitet in der 11. Minute eine Top-Chance vor – und fliegt in der 37. Minute vom Platz. Nach einer glasklaren Schwalbe erhält er die zweite Gelbe. Schiri Sandro Schärer kennt mit dem 18-Jährigen kein Pardon. Kann er auch nicht bei diesem dreisten Täuschungsversuch. Es ist ein Albtraum für den jungen Genfer, der mit der Nummer 39 und noch ohne Namen auf dem Trikot spielt. Und es ist ein Schlüsselmoment in der Partie.
Fast eine Stunde lang spielen die Genfer zu Hause gegen den Erzrivalen in der Folge in Unterzahl. Vorerst ist von diesem Ungleichgewicht allerdings nichts zu erkennen. Im Gegenteil. Kurz vor Pausenpfiff kann Lausanne-Goalie Letica einen Ball auf der Torlinie haarscharf festhalten. Nach einer Stunde haben die Waadtländer immer noch keine Grosschance erarbeitet und weisen den mickrigen Expected-Goals-Wert von 0,1 auf.
Und dann? Es folgt die nächste Servette-Panne. Einen Freistoss von Sékou Fofana köpfelt Stürmer Florian Ayé in der 64. Minute ins eigene Tor. Erst drei Minuten davor wurde er eingewechselt. Der Skorer mit 8 Toren in 15 Spielen in der Vorrunde war eigentlich ein Hoffnungsträger, nachdem er das letzte Spiel vor Weihnachten verletzt verpasst hatte. Auch für ihn wird der Auftakt ins 2026 zum Albtraum.
Lausanne kommt zu drei Punkten wie die Jungfrau zum Kind. Mit acht Auswärtstoren sind die Waadtländer aber immer noch das torärmste Auswärtsteam in dieser Saison. Und Servette hat aus den letzten acht Spielen nur eines gewonnen.
Das Tor
64. Minute, Sékou Fofana, 0:1: Das riecht stark nach einem Eigentor. Fofana zirkelt einen Freistoss in den Servette-Strafraum, der eingewechselte Ayé köpfelt den Ball ins eigene Netz. Weil der Schuss von Fofana auch ohne die Ablenkung aufs Tor gegangen wäre, schreibt die Liga den Treffer Fofana zu.
Die Stimme
Servette-Goalie Joël Mall bei Blue: «Ja, es ist sehr bitter. Eine unverdiente Niederlage. Lausanne hatte nicht sehr viel Zwingendes. Bitter ist der Platzverweis für Mardochée bei seinem Startelf-Debüt. Mit zehn gegen elf mehr als eine Halbzeit ist sicher nicht einfach. Wir haben es auch zu Zehnt nicht schlecht gemacht, aber am Schluss zählt das Resultat im Fussball, und das ist sehr frustrierend.»
Das gab zu reden
Die beiden Rivalen schliessen sich am Mittelkreis zusammen, um der Opfer von Crans-Montana zu gedenken. Emotionale Szenen vor Anpfiff im Stade de Genève. Auf den Matchtrikots ist ein Trauer-Emblem aufgestickt. Doch neben dem Platz halten sich nicht alle an das Zusammenstehen im Zeichen des Dramas von der Silvesternacht (siehe «Die Fans»).
Die Fans
Eine Schande passiert in der Nacht vor dem Derby. In Lausanne wird ein Wandgemälde mit vier Spielern aus der Nachwuchsabteilung der Waadtländer, darunter Cameron Puertas, Alvyn Sanches und Isaac Schmidt, Zielscheibe von Vandalismus. Brisant: Eigentlich hätte das Spiel ganz im Zeichen einer gemeinsamen Hommage beider Klubs an die Opfer des Dramas in Crans-Montana stehen sollen.
Im Stadion werden dann 8'122 Fans gezählt. Es ist zwar Januar und ein Mittwochabend, aber dennoch eine etwas enttäuschende Zahl für das Léman-Derby. Erwähnenswert hingegen ist die Choreo von Servette auf der gesamten Nordtribüne und die Transparente beider Fanblöcke zum Gedenken an das Crans-Montana-Drama.
Der Beste
Sékou Fofana (22). Der Linksverteidiger der Lausanner ist der einzige Torschütze des Abends. In der 10. Minute hat er ausserdem die Latte des Gegners erzittern lassen. Und er ist auf seiner Seite stets sehr aktiv.
Der Schlechteste
Mardochée Miguel (18). Trotz Welpenschutz ist es schwierig, einen anderen Spieler auszuwählen. Der junge Flügel der Genfer verändert mit seiner fatalen Schwalbe und Gelb-Roten Karte die Partie entscheidend. Schade, denn er zeigt technisch und im Zusammenspiel mit seinen Mitspielern vor dem Platzverweis einige interessante Ansätze.
Die Schiris
Sandro Schärer (37) leitet die Partie. Der Schweizer Champions-League-Schiri bestreitet an diesem Mittwochabend seinen sechsten Saisoneinsatz in der heimischen Liga. Er überzeugt mit seiner klaren Linie. Die zweite Gelbe Karte für Mardochée Miguel ist ebenso logisch wie die erste für den Jungen.
So gehts weiter
In wenigen Tagen folgen die nächsten Auftritte beim offiziellen Start der Rückrunde. Die beiden Nachholspiele vom Mittwoch gehörten eigentlich ja noch zur Vorrunde. Nun, am Samstag gastiert Lausanne im Wankdorf bei YB (20.30 Uhr), Servette spielt am Sonntag erneut zu Hause und empfängt den FCZ (14 Uhr).
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | FC Thun | 29 | 34 | 68 | |
2 | FC St. Gallen | 29 | 23 | 54 | |
3 | FC Lugano | 29 | 10 | 49 | |
4 | FC Basel | 29 | 4 | 46 | |
5 | FC Sion | 29 | 8 | 42 | |
6 | BSC Young Boys | 29 | 3 | 42 | |
7 | FC Luzern | 29 | 3 | 36 | |
8 | FC Lausanne-Sport | 29 | -2 | 36 | |
9 | Servette FC | 29 | -6 | 33 | |
10 | FC Zürich | 29 | -16 | 31 | |
11 | Grasshopper Club Zürich | 29 | -14 | 24 | |
12 | FC Winterthur | 29 | -47 | 16 |






