Im Hintergrund zwitschern die Vögel. Stefan Kölliker geniesst ein paar freie Minuten in der Natur, um sich von den Geschehnissen der letzten Tage zu erholen. «Es ist bedauerlich, wie das Ganze abgelaufen ist. Ich stehe ziemlich doof da», sagt der ehemalige Regierungsrat des Kantons St. Gallen.
Vor ein paar Wochen wird der langjährige Vorsteher des Bildungs- und Sportdepartements von den Grossaktionären angefragt, ob er das Präsidentenamt des FCSG übernehmen wolle. Kölliker willigt ein: «Es gab ein ordentliches Auswahlverfahren und man hat sich einstimmig für mich als neuen Präsidenten entschieden. Es gab eine Vakanz, weil der Vertrag von Matthias Hüppi Ende Jahr ausläuft.»
Weil dieser aber mit einer Antwort habe warten lassen, seien die Grossaktionäre auf ihn zugekommen. Im Glauben, dass er schon bald der neue starke Mann beim FCSG werde, gibt Kölliker am Dienstag im SRF ein Interview und spricht davon, dass er dem FCSG Gutes tun wolle.
Kölliker hat den FCSG eng begleitet
Im Nachhinein eine doch eher unglückliche Aktion, weil Hüppi einen Tag später vor versammelter Presse bekannt gibt, dass er weitermachen wolle und werde. Neben ihm sitzen mit Philipp Bienz und Reto Preisig zwei Grossaktionäre und halten ihrem Präsidenten die Stange. Kölliker sagt, dass er dem FCSG gerne geholfen hätte: «Als ehemaliger Sportminister des Kantons St. Gallen habe ich den Klub fast zwei Jahrzente lang eng begleitet.»
Bedauerlich ists, wie das Ganze abgelaufen sei, sagt Kölliker. Sorgen machen aber müsse man sich um den passionierten Sportfan nicht. Am Dienstag ist er in der Zürcher Swiss Life Arena und sieht, wie die Schweiz gegen Finnland die Weisse WM-Weste behält, zwei Tage zuvor wird er im Wankdorf Zeuge, wie der FCSG den ersten Cupsieg seit 1957 holt.
Dass die Fans kurz nach Abpfiff ein Transparent enthüllen und sich für Hüppi und gegen die Pläne des Aktionariats aussprechen, will Kölliker nicht kommentieren. Stattdessen hört er den Vögeln beim Pfeifen zu.
