Wer als Fan einen Klub präsidiert, verliert nicht selten die Nerven. Ancillo Canepa und David Degen lassen grüssen. Die werden oft von Emotionen gesteuert, sind impulsiv, treffen Entscheidungen aus dem Bauch heraus, feuern Trainer und Sportchefs.
Auch Matthias Hüppi (68) hat ein Herz für seinen Verein. Und fiebert mit, als würde er selbst im Espenblock stehen. Die Meisterfeier 2000 moderierte er als Fan, mit SRF-Mikrofon in der Hand. Trotzdem trifft Hüppi die wichtigen Entscheidungen nicht emotional, sondern mit Verstand. Und nie allein. Weil er fähige Leute im Verwaltungsrat sitzen hat, die ihn unterstützen – und ein Gegenstück zu dessen Hang zum Überschwang sind.
Jede Entscheidung, sei es sportlich oder finanziell, wird sorgfältig abgewägt, diskutiert. Der FCSG ist unter Hüppi der Musterknabe der Liga, hat eine sagenhaft hohe Eigenkapitalquote. In erster Linie, weil man ein Wir-Gefühl geschaffen und eine ganze Region grün-weiss angemalt hat.
Die Euphorie wird nach diesem Cupsieg noch steigen. Und weil die Mannschaft zusammenbleiben wird, spricht viel dafür, dass die Espen nicht mehr 26 weitere Jahre auf den nächsten Titel warten müssen.
Sogar vom Meistertitel darf in der Ostschweiz geträumt werden. Zwar haben YB und der FCB massiv mehr Mittel zur Verfügung. Doch im Gegensatz zu den Giganten aus Bern und Basel steht der FCSG für Kontinuität – und nicht für Chaos.
Und das, obwohl man einen Fan als Präsidenten hat.
