Darum gehts
- FC Thun dominiert Schweizer Liga mit unschweizerischem Tempo und Rhythmus
- Trainer Mauro Lustrinelli lobt Team für Ruhe und langfristige Strategie
- Thun führt die Tabelle mit 15 Punkten Vorsprung bei 39 verbleibenden
Für mich kommt es nicht in Frage, dem FC Thun zum Meistertitel zu gratulieren. Warum? Weil es sich einfach nicht gehört. Es sind noch 39 Punkte zu vergeben. Thun hat 15 Punte Vorsprung. Man rechne ‹Fino alla fine›, sagt man auf Italienisch. Bis zum Ende. Man hat schon oft gesehen, dass im Fussball alles möglich ist. Alles! Nicht immer gibt es solche Unwahrscheinlichkeiten. Aber immer wieder. Und ich ärgere mich auch über Coaches, die schon gratulieren. Vor allem über Mattia Croci-Torti, mit Lugano immerhin einer der beiden ersten Verfolger der Berner Oberländer.
«Thun spielt unschweizerisch»
Ich bin überrascht, dass Crus das macht. Gut, vielleicht ist das Taktik, bei ihm weiss man nie. Aber wenn es ernst gemeint ist, dann zeigt mir das auf, weshalb Lugano in der letzten Saison und in dieser wie jetzt gerade in den heissen Phasen der Meisterschaft versagt.
Aber hier soll es um Thun gehen. Und wenn Croci-Torti mit der Gratulation versucht, Druck auf Thun auszuüben, so stelle ich fest: Dieser Druck bekommt dem Team von Mauro Lustrinelli sogar noch gut. Die sind längst raus aus Phasen eines Aufsteigers, der im Flow ist, der überrascht, für den der Ball rollt. Mittlerweile spielt Thun in einem Rhythmus und Tempo, die nicht Super-League-Standard sind. Der Rhythmus ist unschweizerisch. Da ist alles drin, was es braucht, um erfolgreicher zu sein als die anderen: Eine intensive Spielweise. Spieler, die permanent in Bewegung sind, so dass der Ballführende immer mehrere Lösungen hat. Und ein Pressing, das nie nur von einem betrieben wird, sondern immer gemeinsam.
«Eine Lektion für alle anderen, die sich gewaschen hat»
Thun erteilt allen anderen Mannschaften in dieser Liga eine Lektion, die sich gewaschen hat. Auf und neben dem Feld.
Und das ist grossartig! Denn es kann zu einem Umdenken führen, in der Art zu spielen und einen Klub zu führen. Was dringend nötig ist. Denn unsere Liga weist aktuell das vielleicht schwächste Niveau aller Zeiten auf. Der FC Thun hat sich zu einem Langzeitprojekt mit Mauro Lustrinelli bekannt – und das durchgezogen. Es war keine Frage, den Coach zu wechseln, als der Aufstieg im ersten Anlauf nicht klappte. Diese Ruhe ist etwas, das gerade den Grossen, also Basel, trotz des Meistertitels letzte Saison, der aber nur auf eine Person zurückzuführen war, und auch YB, abhandengekommen ist. Da wird nur noch überhastet gearbeitet. Schnelle Käufe. Schnelle Verkäufe. Schnelle Trainerwechsel. Gut, da geht es um sehr mehr Geld als im Oberland, weshalb Vergleiche nur beschränkt möglich sind. Aber dem Rest der Liga muss Thun als Beispiel dienen, wie man erfolgreich und ruhig arbeiten kann.
«Thun hat die Konkurrenz demoralisiert»
Und so wird Thun Meister werden, keine Frage. Wegen der erwähnten eigenen Art zu arbeiten. Aber auch wegen der Unfähigkeit des Rests der Liga. Der FCT hat ja nicht alles gewonnen. Es gab die Phase, als man zuerst im Cup an Promotion-League-Klub Breitenrain scheiterte, kurz darauf drei Spiele lang nicht mehr gewann und auf Platz drei abrutschte. In Thun blieb man seelenruhig. Und als die zweite kleine Schwächephase kam mit drei Niederlagen aus vier Spielen, stellte sich die Konkurrenz als zu schwach heraus, um daraus Profit zu ziehen.
Mittlerweile hat Thun seine Konkurrenz richtiggehend demoralisiert ...
Und ich entschuldige mich zum zweiten Mal an dieser Stelle bei Mauro Lustrinelli. Das erste Mal ist es vor der Rückrunde passiert, weil ich Thun als Absteiger getippt habe. Nun sage ich: Scusa, Mauro! Weil ich es ihm und seinem Team nicht zugetraut hatte, das durchzuziehen und Lugano sowie St. Gallen vor den Oberländern sah. Nun kommt es anders. Aber ich gratuliere noch nicht. Nicht wie gewisse Coaches.
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Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | FC Thun | 25 | 29 | 58 | |
2 | FC St. Gallen | 24 | 15 | 43 | |
3 | FC Lugano | 25 | 11 | 43 | |
4 | FC Basel | 25 | 7 | 40 | |
5 | FC Sion | 25 | 7 | 37 | |
6 | BSC Young Boys | 25 | 2 | 36 | |
7 | FC Luzern | 25 | 1 | 30 | |
8 | FC Lausanne-Sport | 25 | -2 | 30 | |
9 | FC Zürich | 25 | -12 | 28 | |
10 | Servette FC | 25 | -7 | 27 | |
11 | Grasshopper Club Zürich | 25 | -12 | 21 | |
12 | FC Winterthur | 24 | -39 | 14 |





