Jetzt ist es amtlich: Mit dem siebten Sieg in Serie stellen die Thuner den Klubrekord in der Super League ein. Im Jahr 2005 ist ein solcher Lauf schon einmal gelungen. Was dann folgte, ist unvergessen: Die Berner Oberländer lieferten mit Basel im Frühling ein Kopf-an-Kopf-Rennen, wurden Vizemeister, stürmten daraufhin in die Champions League und duellierten sich vor den Augen des verdutzten Fussball-Europas mit Arsenal, Ajax und Sparta Prag.
Aber von der Vizemeisterschaft zu sprechen? Das wäre in der aktuellen Lage mittlerweile ein grosses Understatement. 13 Punkte Vorsprung hat Thun auf die ersten Verfolger, wobei St. Gallen ein Spiel weniger bestritten hat. Zehn Punkte Vorsprung also mindestens.
«Von den Vibes her ähnlich»
Trainer Mauro Lustrinelli (49) hält von Statistiken nicht immer sehr viel. Aber der Vergleich mit dem Höhenflug 2005 muss ihm etwas bedeuten, war er damals als Stürmer doch selbst mittendrin. «Das ist so», sagt er mit einem Lächeln. «Nun wäre noch ein Sieg schön, um den alleinigen Rekord aufzustellen.» Er bestätigt: «Von den Vibes her ist es ähnlich wie damals, obwohl ich es nicht gerne vergleiche. Aber ähnlich ist der Teamspirit, der Wille, Geschichte zu schreiben.»
Es gibt aber entscheidende Unterschiede. Nach 24 Runden hatte Thun damals 43 Punkte. Nun sind es 55. Und Thun lag damals zwei Punkte hinter Leader Basel. Nun sind es 16 Punkte Vorsprung auf den Liga-Koloss. Würde Thun die nächsten fünf Spiele alle verlieren und Basel alle gewinnen – die Berner Oberländer lägen immer noch vor dem einstigen Serienmeister!
Erstaunlich: «Mit erster Halbzeit nicht zufrieden»
Nicht zu stoppen ist die Thuner Tormaschinerie. Zum vierten Mal in den letzten fünf Heimspielen gelingen vier Tore oder mehr. «Das ist brutal», freut sich Stürmer Elmin Rastoder (24). Er ist zum Jahresstart in Topform, hat in den letzten sieben Ligaspielen sieben Tore erzielt.
Umso erstaunlicher bei diesen Zahlen des Aufsteigers: Die Stärkenverhältnisse beim 5:1-Kantersieg gegen Lausanne sind lange nicht klar verteilt. Zwar gelingt Valmir Matoshi (22) in der 20. und 21. Minute der Blitz-Doppelpack, aber nach dem nicht unverdienten Anschlusstor von Lausanne kurz vor der Pause könnte das Spiel andere Ausgänge nehmen. «Wir waren nicht zufrieden mit der ersten Halbzeit», sagt Marco Bürki (32). Bald aber macht Thun den Sack zu. «Nicht die schönste Leistung, aber eine souveräne», bilanziert Leithammel Leonardo Bertone (31).
Bürki wehrt leisen Vorwurf vehement ab
Kurzzeitig stellte sich eine Frage: Sieht man bei den Thunern im Höhenflug einen ungewohnten Hauch von Überheblichkeit? Captain Bürki wartet kurz vor der Halbzeit an der Seitenlinie, bis er den Gegner tunneln kann. Er schafft es, worauf aber der Ball verloren geht und Lausanne nach dem direkten Konter den Anschlusstreffer erzielt.
Angesprochen auf diese Szene und den leisen Vorwurf antwortet Bürki sehr überrascht. «Wirklich? Also wenn ich es am eigenen Strafraum getan hätte, hätte ich es verstanden. Aber an der gegnerischen Eckfahne? Nein, nein.»
Klar ist: Der Verteidiger strotzt vor Selbstvertrauen. Fast schon kitschig, wie vor Anpfiff via Stadionspeaker seine Vertragsverlängerung bis 2028 und seine Ehrung für 200 Thun-Spiele präsentiert wird. Der Captain bleibt an Bord – volle Fahrt voraus in Richtung der nächsten Rekorde?
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Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | FC Thun | 24 | 28 | 55 | |
2 | FC St. Gallen | 23 | 15 | 42 | |
3 | FC Lugano | 24 | 11 | 42 | |
4 | FC Basel | 24 | 7 | 39 | |
5 | FC Sion | 24 | 8 | 37 | |
6 | BSC Young Boys | 24 | -3 | 33 | |
7 | FC Lausanne-Sport | 24 | -2 | 29 | |
8 | FC Zürich | 24 | -9 | 28 | |
9 | FC Luzern | 24 | -2 | 27 | |
10 | Servette FC | 24 | -7 | 26 | |
11 | Grasshopper Club Zürich | 24 | -12 | 20 | |
12 | FC Winterthur | 23 | -34 | 14 |

