Darum gehts
- Thun besiegt Sion, doch Schiedsrichterentscheidungen sorgen für Aufregung
- VAR-Bilder fehlten: Kontroverse um Out-Ball und fragwürdige Rote Karten
- In der Nachspielzeit: Ecke für Sion nicht ausgeführt, Abpfiff nach sechs Sekunden
Es sind zwei Szenen im Spiel zwischen dem derzeit unschlagbaren Thun und dem formstarken Sion, die das Walliser Blut in Wallung bringen. Erst die Rote Karte wegen Vereitelung einer klaren Torchance von Noé Sow, ausgelöst durch VAR Nico Gianforte, wobei Ref Marijan Drmic das Zeichen machte, weiterzuspielen. Doch nicht das war aus Sittener Sicht der Skandal, sondern dass der Ball zuvor im Out gewesen sei. So wirkte es im Stadion. So wirkte es zu Hause am TV. Doch weder der Assistent noch der vierte Offizielle noch Drmic gaben Einwurf.
So spielt der Ex-Sittener Jan Bamert weiter, und es kommt zur Rot-Szene. Drmic schaut sich dann das Foul an, nicht aber, ob der Ball draussen war. Die Bilder werden ihm vorenthalten, so der SFV, weil es keine klaren Bilder gebe, dass der Ball wirklich die Linie überschritten habe. Aber die Vermutung liegt nahe. Und wenn Drmic die Bilder gesehen hätte, hätte er vielleicht in diesen paar Sekunden zum Schluss kommen können, den Ball draussen gesehen zu haben. Das wäre schlau gewesen. Niemand hätte reklamiert. Und es wäre nicht zur Eskalation gekommen.
Heikle Fälle werden nicht schlau gelöst
Doch schlau waren an diesem Tage weder Drmic noch Gianforte. Erst recht nicht in der Nachspielzeit, als es zu einem Corner für Sion kommt, obwohl die Nachspielzeit abgelaufen war. Um genau sechs Sekunden! Drmic pfeift zuerst die Ecke. Und vier Sekunden später dann ab, ohne den Sion-Corner noch spielen zu lassen. Ein Verstoss gegen ein ungeschriebenes Gesetz, gegen eine Art Gentlemen Agreement.
Und so gerät das Blut nach dem Spiel in Wallung. Sportchef Barthélémy Constantin deeskaliert nach Spielschluss auf dem Feld, indem er seine Leute davon abhält, auf den Ref loszugehen. Derweil Drmic wie John Wayne dort steht, die Hand demonstrativ an der Gesässtasche, nur darauf wartend, den Karton zücken zu dürfen. Und er zückt ihn. Für Assistenztrainer Benjamin Bertrand.
War die zweite Rote unberechtigt?
Doch als alle in den Katakomben sind, muss es auch bei Barthélémy Constantin raus. «Die sollen sich einer Kontrolle beim Augenarzt unterziehen, damit sie die Linien auch sehen», sagt er. Aber eben: Hundertprozentige Gewissheit wird man wohl so lange nicht haben wie beim berühmten Wembley-Tor im WM-Final 1966. Also nie.
Und eigentlich hätte sich Sion noch viel mehr über den zweiten Platzverweis wegen einer angeblichen Notbremse von Lamine Diack ärgern müssen. Denn auch nach der 20. Sichtung der TV-Bilder ist das Foul des Sitteners nicht erkennbar. Mit anderen Worten: Klarer Fall für den VAR! Doch Gianforte meldet sich nicht. Ein Fehler.
Und so werden auch zwei andere klar in ihrer Wortwahl: Trainer Didier Tholot spricht an der Pressekonferenz davon, dass von Spielern und Coaches Professionalität verlangt werde. «Das sollte auch für die Schiedsrichter gelten.» Und Christian Constantin, der Polterer von früher? Der zeigt nach dem Match bloss die Handybilder, die er gekriegt hat, und verlässt dann den Tatort ohne Kommentar. Anderntags sagt er zu Blick: «Es ist frustrierend! Man sieht, dass der Schuh von Jan Bamert ennet der Linie ist. Dann muss der Ball ganz einfach draussen sein. Das kann der Schiri nicht sehen. Aber der Assistent, der vierte Offizielle und der VAR müssen das sehen. Dass sie nicht intervenieren, kann ich nicht anders als mit böser Absicht erklären.»
Und so fügt er auch diese Story seinem Dossier hinzu, dass er im Mai 2023 nach einem 0:2 gegen YB – komplett ausser sich – eröffnet hatte. Mit Entscheiden gegen Sion, die aus seiner Sicht aus Bösgläubigkeit getroffen wurden. «Das in Thun war auch böse Absicht», sagt CC. «Auch jetzt sind wir die Geschädigten. Die kleinen Regionen werden in der Schweiz benachteiligt. Deshalb habe ich das vor Gericht gebracht. Der Verband hat dann Swiss Sports Integrity beigezogen. Das Verfahren ist im Gang.» Vielleicht bald auch ein anderes. Mal schauen, ob der Verband seinerseits ein Verfahren gegen die verbalen Hardliner des FC Sion eröffnet.
Schlusswort CC: Und das ist ihm ganz wichtig: «Das alles hat nichts mit dem FC Thun zu tun. Die verdienen den Titel zu hundert Prozent. Ja, diese Mannschaft erinnert mich mit ihrer Energie und ihrer Kapazität, sich alle zweiten Bälle zu ergattern, an das grosse GC und das grosse Basel unter Christian Gross.»
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | FC Thun | 25 | 29 | 58 | |
2 | FC St. Gallen | 24 | 15 | 43 | |
3 | FC Lugano | 25 | 11 | 43 | |
4 | FC Basel | 25 | 7 | 40 | |
5 | FC Sion | 25 | 7 | 37 | |
6 | BSC Young Boys | 25 | 2 | 36 | |
7 | FC Luzern | 25 | 1 | 30 | |
8 | FC Lausanne-Sport | 25 | -2 | 30 | |
9 | FC Zürich | 25 | -12 | 28 | |
10 | Servette FC | 25 | -7 | 27 | |
11 | Grasshopper Club Zürich | 25 | -12 | 21 | |
12 | FC Winterthur | 24 | -39 | 14 |


