Darum gehts
- Deutschland spielt beim Debüt von Jürgen Klopp 1:1 gegen Holland
- Klopp ist mehrheitlich mit der Leistung seiner Mannschaft zufrieden
- Rafael van der Vaart hingegen tobt vor allem wegen einer Szene
«Einer von 83 Millionen», steht auf Jürgen Klopps (59) Käppi, das er bei seinem Debüt als deutscher Bundestrainer trägt. Angelehnt ist der Spruch an Max Giesingers (37) Hit «80 Millionen». Die Hoffnung der Deutschen ist gross, dass Klopp als einer von ihnen die Mannschaft nach dem blamablen WM-Out im Sechzehntelfinal gegen Paraguay (3:4 n.P.) zurück auf die Erfolgsspur führt.
«Dieser Moment macht ganz viel mit mir», sagt Klopp vor Anpfiff bei RTL. Und betont: «Das bedeutet auch für mein Umfeld viel. Die Söhne schreiben im Sekundentakt ‹und, wie läufts?›» Er habe von Anfang an gespürt, dass es super besonders ist und hofft, dieser Situation gerecht zu werden.
Seine Vorgänger gewannen jeweils ihr erstes Spiel: Jogi Löw (66) 3:0 gegen Schweden (Freundschaftsspiel), Hansi Flick (61) 2:0 gegen Liechtenstein (WM-Quali) und Julian Nagelsmann (39) 3:1 gegen die USA (Freundschaftsspiel). Moderatorin Laura Wontorra (37) will wissen, ob sie Klopp geschrieben haben. Der Bundestrainer weicht der Frage geschickt aus, will nicht verraten, von wem er Nachrichten bekommen hat. Und antwortet dann allgemein: «Ich weiss, dass alle wollen, dass es funktioniert. Da sind wir beim gleichen Ziel.»
Sorgen um Musiala und Havertz
Für den Debüt-Sieg reichts letztlich nicht ganz. In der Nachspielzeit gleicht Holland nach einem Ballverlust von Serge Gnabry (31) zum 1:1 aus. Kritik gibts dafür von Klopp nicht. Aber klare Worte: «Das ist nicht schlimm, das kann passieren. Aber Serge muss in dem Moment nach vorne weglaufen.» Ansonsten zeigt er sich mit vielen Einzelleistungen sehr zufrieden. «Ich bin generell mit der Leidenschaft, die wir gezeigt haben, sehr zufrieden», so Klopp. Aber: «Wir können besser und mehr Fussball spielen.»
Vielleicht hätte das mit Jamal Musiala (23) geklappt. Er gehörte zur Startelf, dann zwickts beim Aufwärmen im Oberschenkel. Mit seinen jüngsten gesundheitlichen Problemen hat das nichts zu tun, wie Klopp betont. Nach rund einer halben Stunde muss auch Kai Havertz (27) ausgewechselt werden. Bei beiden wird nach der Partie ein MRT gemacht. «Ich hoffe, dass es nichts Schlimmes ist», so Klopp.
Holland-Legende spricht von Schande
Nicht nur das gibt zu reden, sondern auch zwei aberkannte holländische Tore. Deutschland kommt mit Dusel um die Niederlage herum. Beim ersten Tor führt eine Goaliebehinderung durch Brian Brobbey (24) zur Annullierung. Während die Deutschen durchatmen, toben die Holländer.
Auf dem Rasen belagern sie den Schiedsrichter, um ihren Unmut kundzutun. Und beim holländischen Sender NOS findet Legende Rafael van der Vaart (43) klare Worte. «Das ist eine Schande. Unglaublich», poltert er in der Halbzeitpause. «Brobbey macht doch kaum etwas. Man darf ihn doch wohl berühren. Es ist nicht so, dass der Torhüter machen kann, was er will.»
Anders sieht das Klopp. «Es war eine tolle Ecke», lobt er zunächst den Gegner. Und führt dann aus: «Aber Brobbey ist fast viereckig – und nach den neuen Regeln ist das ein Foul.» Dem spät aus der Hand gegebenen Sieg trauert er nicht nach – auch wenn Klopp gerne gewonnen hätte. Aber: «Ich kann mit dem Punkt auch leben.»
Deutschland-Tor ärgert van der Vaart
Und dann ist da auch noch das Führungstor der Deutschen. Brobbey bleibt an der Mittellinie liegen, die DFB-Stars spielen den Ball aber nicht ins Aus – was sie nicht müssen. Und der Schiedsrichter Alejandro Hernandez unterbricht das Spiel nicht, was auch er nicht muss, sofern es sich nicht um eine Kopfverletzung handelt.
«Unsportlich», nennt van der Vaart das Weiterspielen der Deutschen: «Es ist bitter für Brobbey, aber was ich wirklich schlimm finde, ist, dass sie aufhören zu spielen. Kimmich tut so, als ob er ihn ins Aus kicken wollte, und hört dann auf. Dadurch hören alle auf zu spielen.»

