Jeder Handgriff sitzt
Wird alles zu Gold, was Nati-Coach Cadieux anfasst?

Der Traum vom ganz grossen Wurf lebt weiter. Dafür, dass die Nati vor dem Halbfinal am Samstagnachmittag gegen Norwegen auf dem Boden der Realität bleibt, sorgt Nati-Coach Jan Cadieux.
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Jan Cadieux weist bisher an der Heim-WM eine weisse Weste auf: 8 Spiele, 8 Siege.
Foto: AFP

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Jan Cadieux führt die Nati nach Fischers Entlassung in den WM-Halbfinal
  • Roman Josi glänzt gegen Schweden mit einem Tor und zwei Assists
  • Knapp eine Million verfolgten das 3:1 gegen Schweden auf SRF2
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Stephan RothStv. Eishockey-Chef

Hand aufs Herz: Wer hätte Jan Cadieux (46) zugetraut, dass er nach dem überraschenden Rauswurf von Patrick Fischer die Nati dermassen souverän in den WM-Halbfinal steuern würde? Nach sieben überzeugenden Siegen in der Gruppenphase liess die Schweiz auch den Schweden kaum eine Chance und kämpft nun am Samstagnachmittag gegen Underdog Norwegen um den Final-Einzug.

Cadieux hat nicht die Ausstrahlung von Fischer. Er tritt eher schüchtern auf und wird mit seiner Grösse von 1,74 Meter auf den ersten Blick unterschätzt. Man neigt dazu, zu vergessen, dass der in Davos geborene Schweiz-Kanadier 2023 Servette zum Meistertitel und danach zum Sieg in der Champions Hockey League geführt hatte, ehe er noch im gleichen Jahr gefeuert wurde. Zwei Gold-Medaillen hat er also schon zu Hause.

Wird alles zu Gold, was er anfasst? Zumindest hat der Traum vom ersten Weltmeistertitel noch einmal mehr Nahrung erhalten. Im Viertelfinal gegen Schweden (3:1), den fast eine Million TV-Zuschauer auf SRF2 verfolgten, war die Nati so selbstsicher und souverän am Werk, wie noch nie gegen den vormaligen Angstgegner.

Josi bekommt noch mehr Vertrauen von Cadieux

Seit der Sohn der 2024 verstorbenen Trainerlegende Paul-André Cadieux (†77) nach Fischers Covid-Bschiss Knall auf Fall nur einen Monat vor der Heim-WM das Kommando in der Nati übernehmen musste, sitzt jeder Handgriff. In seinem Aufgebot hat es keinen Spieler, der die Erwartungen nicht erfüllt. Im Gegenteil, viele treten stärker auf als in ihren Klubs.

Ohne am Vermächtnis von Fischer, mit dem er weiterhin in Kontakt steht, herumzuwerkeln, hat Cadieux seine eigene Note ins Team gebracht. Dabei profitiert er davon, dass der Kern des Teams um die routinierten NHL-Stars Roman Josi und Nino Niederreiter, die schon beim ersten WM-Silber 2013 in Stockholm dabei waren, für eine gute Team-Chemie besorgt ist und die Mannschaft nach zehn Jahren unter Fischer in sich funktioniert.

Obwohl sich Captain Josi nach der Entlassung von Fischer in einem Brief an Verbandspräsident Urs Kessler für die Rehabilitierung des Nati-Coachs ausgesprochen hatte, blieb zwischen dem Star der Nashville Predators und Cadieux nichts hängen. Josi erhält noch mehr Vertrauen. Während er beim Olympia-Aus gegen Finnland (2:3 n.V.) nur rund 20 Minuten auf dem Eis stand, waren es am Donnerstag gegen Schweden über 25 Minuten, wie er sich aus der NHL gewöhnt ist. Der Berner dankt es mit überragenden Auftritten. So buchte er gegen die «Tre Kronor» das 1:1 und zwei Assists.

«Habt die Einstellung: Der Job ist noch nicht erledigt»

Auch bei der Zusammenstellung der Linien beweist Cadieux ein gutes Händchen. Während des Turniers justiert er nach. So baut er im dritten Spiel Attilio Biasca ein und lässt ihn seither an der Seite der NHL-Combo Nico Hischier/Timo Meier laufen. Théo Rochette darf derweil zwischenzeitlich mit Erfolg mit den ZSC-«Zwillingen» Denis Malgin/Sven Andrighetto stürmen, ehe er dort im Hinblick auf die Partien gegen stärkere Gegner durch Calvin Thürkauf ersetzt wird und nur noch eine Jokerrolle einnimmt.

Nach dem gelungenen letzten Gruppenspiel gegen Finnland (4:2) verändert Cadieux die Linien nicht mehr, als sich das erhoffte Comeback von NHL-Stürmer Pius Suter verzögert. Und die Malgin-Reihe ist für zwei Tore verantwortlich, wobei Thürkauf zudem im Powerplay das 3:1 erzielt.

In seiner Kabinenansprache, die auf den Social-Media-Kanälen des Verbands zu sehen ist, sagt Cadieux nach dem Halbfinal-Einzug: «Das Wichtigste ist, dass ihr mit Herz gespielt habt, dass ihr Spass zusammen hattet. Siegen macht Spass. Geniesst es, habt aber die Einstellung: Der Job ist noch nicht erledigt.» Cadieux stellt sicher, dass keiner die Norweger unterschätzen wird. Er ruft seinen Spielern in Erinnerung: «Wir schauen nicht darauf, gegen wen wir spielen. Wir fokussieren uns auf uns. Das ist das Wichtigste.»

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Der Schweiz-Kanadier, der oft an die Demut und Bodenständigkeit appelliert, verpasst es aber auch nicht, der emotionalen Komponente Rechnung zu tragen. «Geniesst es und behaltet diese Emotionen und gebt sie weiter. Denn das ist speziell.» All das sagt Cadieux, der auch Deutsch, Französisch und Italienisch spricht, auf Englisch. Ansonsten wird in der Nati aber auch unter Cadieux vorwiegend Deutsch gesprochen, wobei auf die Romands Damien Riat und Rochette Rücksicht genommen wird.

Eishockey-WM 2026 Gruppe A
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Schweiz
Schweiz
7
32
21
2
Finnland
Finnland
7
20
18
3
Lettland
Lettland
7
7
12
4
USA
USA
7
4
11
5
Deutschland
Deutschland
7
1
10
6
Österreich
Österreich
7
-12
9
7
Ungarn
Ungarn
7
-24
3
8
Großbritannien
Großbritannien
7
-28
0
K.o.-Phase
Abstieg
Gruppe B
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Kanada
Kanada
7
20
20
2
Norwegen
Norwegen
7
11
15
3
Tschechische Republik
Tschechische Republik
7
2
13
4
Schweden
Schweden
7
11
12
5
Slowakei
Slowakei
7
2
11
6
Dänemark
Dänemark
7
-11
6
7
Slowenien
Slowenien
7
-12
6
8
Italien
Italien
7
-23
1
K.o.-Phase
Abstieg
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