Wie lange braucht man, bis man ein Playoff-Aus verdaut hat und wieder nach vorne schauen kann? «So lange, wie man Zeit hat», sagt Janis Jérôme Moser (25). In seinem Fall nicht lange. Denn nachdem die Tampa Bay Lightning überraschend in der ersten Runde an den Montréal Canadiens gescheitert waren, durfte sich der Seeländer gleich wieder auf die Heim-WM konzentrieren. «Es ist sicher einfacher, wenn du einen coolen Event hast, auf den du dich fokussieren kannst, als wenn es einfach Sommer wäre.»
Das Scheitern in den Playoffs trübt aber Mosers Saisonbilanz. «Es war echt okay», sagt er. Nur okay? «Du hast eine gute Saison und viele Ziele erreicht, die du dir gesetzt hast. Du kannst sicher zufrieden sein, aber im Moment ist es noch zu früh, um ein besseres Wort als okay zu benutzen», sagt er vor dem WM-Start.
Andere würden von einer märchenhaften Saison sprechen. Schliesslich hat sich Moser in die Elite der NHL-Verteidiger emporgearbeitet und hatte zeitweise die beste Plus-Minus-Bilanz der Liga (am Schluss mit +41 auf Platz 7). Dank seiner Defensivqualitäten wurde er gar als Kandidat für die Norris-Trophy gehandelt, die Auszeichnung für den besten NHL-Verteidiger, die 2020 sein Vorbild Roman Josi gewonnen hatte. «In Sachen Konstanz habe ich sicher noch einen Schritt gemacht und auch mehr Verantwortung übernommen», sagt Moser, der auftrumpfte, als die Lightning viele Verletzte, darunter Captain Victor Hedman, hatten.
«Solange ich nichts höre, ist es eigentlich gut»
Trainer Jon Cooper schwärmte unlängst von Moser, der vor bald zwei Jahren von Utah zu den Lightning kam: «Ich habe nicht viel über J.J. gewusst. Ich habe dann viel von Patrick Fischer über ihn erfahren. Ich wusste, dass wir da einen guten Spieler bekommen. Doch ich hatte seine Fähigkeiten zum Verteidigen nicht erkannt. Er ist ein phänomenaler Junge, bei dem du so viele Kästchen abhaken kannst.»
Dass solches Feedback in der NHL selten im direkten Austausch stattfindet, ist für Moser kein Problem. «Ich persönlich war eh nie ein Spieler, der viel mit den Coaches sprach. Ganz nach dem Motto: No news are good news. Solange ich nichts höre, ist es eigentlich gut.»
Von den Lightning gab es dafür Lob in einer Währung, die mehr sagt als Worte: Moser erhielt einen Achtjahresvertrag, der ihm künftig mit 6,75 Millionen Dollar pro Saison doppelt so viel wie bisher einbringen wird. «Das war sicher eines meiner Ziele. Relativ früh dachte ich, es wäre cool, wenn du einmal einen Achtjahresvertrag unterschreiben könntest. Aus finanzieller Sicht weisst du ab dem Moment, dass du nicht mehr unbedingt arbeiten gehen musst, wenn du nicht willst und es einigermassen gescheit machst.» Am Anfang sei das Geld «immer eine Motivation. Und jetzt hast du theoretisch genug für den Rest deines Lebens. Jetzt geht es einfach darum, zu gewinnen.»
NHL-Klubs übersahen Mosers Talent
Moser hat ein Hockey-Märchen geschrieben, wenn man bedenkt, dass er während zwei Jahren im NHL-Draft übergangen worden war. Dies, obwohl er als 18-Jähriger seine erste WM bestritten hatte und sein Talent eigentlich nicht zu übersehen war. «Ich habe damals schon gedacht. Hey, du hast eigentlich eine gute WM gespielt. Du könntest eigentlich schon gedraftet werden», sagt er rückblickend. Einen Kopf hat er sich deswegen aber nie gemacht.
Sein Junioren-Trainer Guido Pfosi, der einst bei Arosa und Biel verteidigte, schrieb einst in einem Mail, das seine Mutter Sandra aufbewahrt hat: «Janis ist trotz seines jungen Alters schon ein sehr wichtiger Spieler für die Moskito-Top-Auswahl. Er macht das fehlende Gewicht mit Einsatz und einem für sein Alter unglaublichen Spielverständnis wett. Wenn er so weitermacht, kann er ein ganz Grosser werden.»
Auch heute sind andere schwerer und stärker. Doch der 85-Kilo-Mann scheut sich nicht, seinen Mann zu stehen, und war diese Saison in den völlig überhitzten Derbys gegen die Florida Panthers auch in Techtelmechtel involviert. So ging er auf den Schweden Gustav Forsling los und prügelte sich mit ihm, wobei er dabei nur zweiter Sieger blieb.
«Kein Problem, mir die Hände schmutzig zu machen»
Dabei ist Moser ein friedlicher Typ und greift auch mal zur Gitarre. Es liegt nicht in seinem Naturell, sich zu prügeln. «Es ist etwas, was man lernen muss. Ich habe den Anspruch an mich selbst, ein sehr kompletter Spieler zu sein. Dazu gehört auch das physische Spiel. Ich habe überhaupt kein Problem damit, mir die Hände schmutzig zu machen.»
Muss sich Moser kneifen, wenn er seinen Werdegang betrachtet? «Manchmal schaust du zurück und denkst daran, wo du herkommst. Und jetzt spielst du jeden Abend gegen die Besten und bist finanziell abgesichert», sagt der Mann aus Safnern BE. «Wenn mir jemand gesagt hätte, ich soll all meine Träume auf ein leeres Blatt Papier schreiben, wäre mir nicht alles in den Sinn gekommen, was ich erreicht habe. Das ist relativ cool.»
Die Krönung wäre jetzt Gold an der Heim-WM? «Genau.»
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | Österreich | 2 | 5 | 6 | |
2 | Finnland | 2 | 5 | 6 | |
3 | Schweiz | 2 | 4 | 6 | |
4 | USA | 2 | 2 | 3 | |
5 | Lettland | 2 | 0 | 3 | |
6 | Deutschland | 2 | -4 | 0 | |
7 | Ungarn | 2 | -5 | 0 | |
8 | Großbritannien | 2 | -7 | 0 |
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | Kanada | 2 | 8 | 6 | |
2 | Slowakei | 2 | 4 | 6 | |
3 | Tschechische Republik | 2 | 2 | 4 | |
4 | Norwegen | 2 | 3 | 3 | |
5 | Schweden | 2 | 2 | 3 | |
6 | Slowenien | 2 | -3 | 2 | |
7 | Dänemark | 2 | -7 | 0 | |
8 | Italien | 2 | -9 | 0 |

