Darum gehts
- HCD-Stürmer Brendan Lemieux sorgt im Playoff-Final gegen Fribourg für Aufregung
- Trotz Kritik nach hartem Check bleibt Lemieux ohne Sperre und spielt stark
- Laut Trainer Josh Holden trägt Adam Tambellini keine Schuld daran, dass er Ersatzrolle spielt
Kaum kommt er in die Nähe des Pucks, geht im zweiten Finalduell das gellende Pfeifkonzert los. Und beim kleinsten Ansatz eines Gerangels mit Brendan Lemieux’ Beteiligung stürzen sich oft auch zwei Fribourger auf den Davoser und greifen ihm ins Gesicht. Der Grund für ihre Verärgerung: Der US-Stürmer ist nach seinem heftigen, aber von der Liga-Justiz als korrekt eingestuften Check gegen Gottéron-Leistungsträger Christoph Bertschy ohne Sperre davongekommen – zum Unverständnis aller Fribourger. Nachdem Lemieux in Spiel eins nach der Aktion in den Schlusssekunden von den Refs mit einer Fünfminuten-Spieldauerstrafe belegt worden ist, hat Gottéron eine Untersuchung verlangt. Die gewünschte Konsequenz bleibt aus.
So scharrt Lemieux für Spiel zwei mit den Kufen. Denn: Obwohl HCD-Trainer Josh Holden fest mit gezielten Provokationen gegen den 30-Jährigen rechnet, nimmt er ihn nicht vorsorglich aus der Aufstellung – sondern in die Verantwortung. «Ich bin stolz auf Brendan», sagt Holden nach dem 3:1-Sieg und dem Ausgleich in der Finalserie. «Sie haben ihn immer wieder ins Visier genommen. Doch er steckte alles ein fürs Team und blieb ruhig. Das haben wir von ihm gefordert, er hat erfüllt.»
Deshalb sitzt Tambellini auf der Ersatzbank
Dabei ist es nicht so, dass der HCD nur einen Lückenfüller als Ersatzausländer auf der Tribüne hätte: Mit Adam Tambellini wird ein Spieler mit Qualitäten verbannt. Der Kanadier kommt in diesen Playoffs erst auf fünf Einsätze: drei im Viertelfinal gegen Zug und zwei im Halbfinal gegen Zürich. In fünf Partien bucht der unspektakulär wirkende, aber verlässliche 31-Jährige acht Skorerpunkte (drei Tore). Und damit kommt er auf genau gleich viele wie Lemieux in bisher acht Playoff-Duellen.
Wieso also hat Trainer Holden zuletzt mit dem Wechselspiel bei den Söldnern aufgehört? «Adam macht nichts falsch», sagt der Kanada-Schweizer schulterzuckend, «es ist nicht sein Fehler.» Aber so, wie das Team derzeit mit Lemieux in den Reihen auftritt, passt es für den Headcoach. Es ist kein Entscheid gegen Tambellini, sondern einer für Lemieux. Der Ex-NHL-Stürmer ist zu jenem Playoff-Akteur geworden, den man sich beim HCD gewünscht hat, er bringt die nötige Würze ins Geschehen und hält nun auch spielerisch gegen ein hochtouriges Fribourg mit.
Seine Emotionen hat Lemieux im Griff, auch im Mysports-Interview nach dem Spiel. Auch da sind im Hintergrund Pfiffe und Buhrufe auszumachen. Auf die Frage, wie er damit umgehe, antwortet er, ohne eine Miene zu verziehen: «Ich habe nichts gehört.» Das wird seinen Trainer freuen, denn Holden erwartet in dieser intensiven Finalserie, dass die Emotionen immer mal wieder hochkochen.


