Darum gehts
- Sandro Aeschlimann beeindruckt beim HCD mit konstant starken Leistungen
- Der Torhüter glänzt seit Jahren mit über 90 Prozent Fangquote
- 2024 und 2025 Spengler-Cup-Siege, nun Jagd auf ersten Meistertitel
Für bessere Chancen und mehr Verantwortung ist Torhüter Sandro Aeschlimann vor sieben Jahren vom EV Zug zum HC Davos gewechselt. Sein Plan ist aufgegangen. Bekannterweise ein Spätzünder, mausert sich der Emmentaler im Bündnerland zum Nati-Goalie, der mit 28 mit einem Einsatz an der WM 2022 in Finnland zum Debüt für die Schweiz gekommen ist.
Seither klopft Aeschlimann zwar immer mal wieder an die Nati-Tür, auf ein Spiel an einem grossen Turnier wartet der 31-Jährige seither jedoch vergeblich. Er ist nach Leonardo Genoni (38, Zug) und Reto Berra (39, Fribourg) irgendwie zwischen Stuhl und Bank geraten, weil ihn jüngere Keeper wie Akira Schmid (25, Vegas Golden Knights), Stéphane Charlin (25, Genf) oder Kevin Pasche (23, Lausanne) überholt haben.
Dabei liefert der Schlussmann der Davoser mittlerweile das Gesamtpaket. Er wirkt gefestigter als noch vor wenigen Jahren, glänzt beim Klub seit jeher mit einer Fangquote von über 90 Prozent und entsprechender Konstanz. Auf seinem Weg sammelte er bisher einen Cup-Titel (2019 mit Zug) und die Spengler-Cup-Triumphe (2024, 2025) ein. Nun lechzt Aeschlimann nach dem ersten Meistertitel.
Da stehen ihm zwei Titanen im Weg. Den siebenfachen Meistergoalie und dreifachen WM-Silberhelden Genoni lässt er im Viertelfinal (4:1) stehen. Im Halbfinal muss er nun besser sein als Zürichs Simon Hrubec (34). Auch der Tscheche ist ein Titelhamsterer, hat den Pokal in der tschechischen Extraliga (2019), der russischen KHL (2021), unserer National League (2024, 2025) sowie der Champions Hockey League (2025) gewonnen. Sein Resümee an Auszeichnungen ist ähnlich lang wie das von Genoni.
Torhüter und Team mit Lernkurve
Vor einem Jahr noch geht das Halbfinal-Duell der beiden Torhüter an ZSC-Hrubec. Doch heuer hat Aeschlimann mit dem HCD eine beeindruckende Saison hingelegt und ist reicher an Erfahrungen und Selbstvertrauen. Sein Goalietrainer Markus Ketterer erklärt den Aufschwung seines Schützlings so: «Sandro hat zusammen mit dem Team eine Lernkurve hingelegt. Er hat einen grossen Anteil daran, wie es zusammengewachsen ist.»
Der 58-jährige Ex-Keeper, der in seiner Heimat Finnland Mitglied der «Hall of Fame» ist, attestiert Aeschlimann zudem eine gute Athletik. Doch Ketterer möchte nicht einen einzelnen Punkt herausstreichen, denn er findet, dass der HCD-Goalie an einem Punkt seiner Karriere angelangt sei, an dem alles für ihn stimmt: das Setting beim Klub, das Zusammenspiel mit seinen Vorderleuten, sein privates Umfeld.
«Das alles braucht es, um befreit aufspielen zu können. Sandro hat auf seinem Weg nichts geschenkt bekommen und scheut sich jetzt nicht vor dieser Verantwortung», so Ketterer. Der Vize-Weltmeister von 1992 ist beeindruckt von der Leistung, die Aeschlimann, Hrubec sowie Oldie Genoni auf diesem Niveau und in ihrer anspruchsvollen Position abliefern. Er habe seine Karriere mit 31 beenden müssen – sein Schützling steht im selben Alter womöglich vor seinem grössten Triumph.


