Spagat zwischen Sand und Familie
So durchorganisiert ist der Comeback-Plan des Beach-Duos Hüberli/Brunner

Nina Brunner und Tanja Hüberli haben ihr Olympia-Fernziel L.A. 2028 in Angriff genommen. Team und Familien ziehen mit. Ein Besuch im Berner Oberland zeigt: Der Spagat zwischen Sport und Privatem klappt bestens. Und: Die kleine Mila bringt alle zum Lachen.
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Kurz vor dem Elite-Turnier in Gstaad verbringen Nina Brunner und Tanja Hüberli einige Tage im Berner Oberland für die Vorbereitung.
Foto: Sven Thomann

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Nina Brunner und Tanja Hüberli bereiten sich in Schönried vor
  • Töchterchen Mila begleitet Mutter Nina und bereichert das Team
  • Das Fernziel Olympia 2028 in Los Angeles war wichtig für das Comeback

Mila (1) klettert auf ihren Kinderwagen. Das einjährige Töchterchen von Beachvolleyballerin Nina Brunner (30) wird dabei von sechs Augenpaaren aufmerksam beobachtet. Von ihrer Mama, deren Ehemann Damien Brunner (40) und Beach-Partnerin Tanja Hüberli (33). Das wieder vereinte Duo sitzt beim Mittagessen im Wellness-Hotel Ermitage in Schönried (BE), wenige Tage vor dem Highlight: Nächste Woche steigt das Elite-Turnier in Gstaad.

Brunner/Hüberli bereiten sich im Berner Oberland auf ihren vierten gemeinsamen Auftritt vor, nachdem sie Anfang April etwas verspätet in diese Saison gestartet sind. Nach dem Comeback von Verteidigerin Brunner nach ihrer Baby-Pause sowie einer langwierigen Fussverletzung von Blockspielerin Hüberli hat sich das Duo Zeit gelassen für den Aufbau.

Gesprächsstoff gibts bei Tisch immer ausreichend. Das morgendliche Training ist bereits bei der Nachbesprechung aufgearbeitet worden. Aufgaben neben dem Sand gibts für das «Zwei-Frau-Unternehmen» jedoch genügend. Derzeit organisiert es die Werbeartikel mit dem neu kreierten Team-Logo. Und geplant muss sowieso immer etwas werden. Die Trainings, die Gegnerinnen dafür, die Reisen, die Turniere – und nebst dem Beach- auch der Familien-Tag.

Eingespielt – auf und neben dem Feld

Wie zur Bestätigung fordert der süsse Blondschopf Mila etwas Aufmerksamkeit und zaubert damit allen ein Lächeln ins Gesicht. Mit dem Mini-Beachvolleyball wird sie beschäftigt, mal kümmert sich der Papa, dann schaut die Mama, dass ihr Mädchen nicht in den Teich fällt, oder «Tante Hübi» wirft ihr Kusshändchen zu und unterhält sie liebend gerne.

Mila ist nicht nur beim Heimturnier dabei – sondern mit Mama Nina auf der ganzen Tour sowie in Trainingslagern. Die Betreuung übernimmt dabei hauptsächlich Ehemann und Ex-Hockeyprofi Damien Brunner (40), der mit seinem Töchterchen ein süsses Team bildet. Beim 24-Stunden-Besuch des Duos spürt man schnell: Alles ist bestens eingespielt – auf und neben dem Feld.

«Nina und Tanja haben ein perfektes Setup geschaffen»

Am Vormittag läuft das intensive Training auf dem schon aufgeheizten Center Court gegen das italienische Team Valentina Gottardi/Reka Orsi-Toth fokussiert. Zehn Minuten vor Ende gesellen sich Papa und Tochter auf die Tribüne. «Wir wissen, wann wir willkommen sind und wann sie ihre Ruhe brauchen», sagt der Ex-Stürmer (Biel, Lugano, New Jersey, Detroit, Zug, Kloten).

Während Trainings- und Match-Vorbereitungen sowie -Nachbesprechungen zum Beispiel. Doch auch Coach Rivo Vesik (45) kann sich ein Strahlen nicht verkneifen, als er die zufriedene Mila erblickt. Der Este hat keine Sekunde gezweifelt, dass bei der Rückkehr des Top-Duos diese spezielle Konstellation zum Problem werden könnte. «Nina und Tanja haben ein perfektes Set-up geschaffen», so Vesik, «ich kenne ihre starken Charaktere. Sie sind mit einem grossen Ziel zurückgekehrt, nur so funktioniert dieses Comeback.»

Olympia 2028 in Los Angeles. Die Mission ist gestartet, und dies für alle Beteiligten überraschend gut mit einem 3. Platz beim Elite-Turnier im brasilianischen Saquarema Anfang April. «Das schürt Erwartungen, die müssen jetzt gemanagt werden. Denn eigentlich hilft uns dieser 3. Platz nicht mehr, als zu wissen, was möglich ist.» Wieder an der Weltspitze mitzuspielen.

Die Messlatte ist höher

Das sehen die Spielerinnen ähnlich. «Wir freuten uns, dass es gleich so gut geklappt hat», so Brunner, «es hat die Messlatte höher gelegt. Aber rational wissen wir, dass die Erwartungen nicht höher sein müssen.»

Nach einem 5. Rang in Brasilia sowie einem 9. Platz in Ostrava (Tsch) möchte das Duo nun seine innere Ruhe wieder finden. «Und mit Selbstvertrauen daran glauben, was wir können», betont Hüberli. In Gstaad könne man befreiter aufspielen als in der Vergangenheit. «Wir wollen die Woche geniessen und Spass haben an unserem Heimturnier mit der unvergleichlichen Atmosphäre.» Gleiches haben sie sich auch 2019 nach ihrem starken 4. WM-Platz 2019 vorgenommen, als sie direkt nach der Weltmeisterschaft im Berner Oberland angetreten und bis ins Halbfinale vorgestossen sind.

Vier Schweizer Duos im Hauptfeld

Nebst Brunner/Hüberli spielen im Berner Oberland zwei weitere Frauen-Teams um die traditionelle Kuhglocke: Die Schwestern Anouk und Zoé Vergé-Dépré sowie die aus ihrer Mutterschaftspause zurückgekehrte Joana Mäder und Leona Kernen. Nach der schweren Verletzung von Marco Krattiger (Trizeps) sind bei den Männern Julian Friedli/Jonathan Jordan das einzige Schweizer Duo in Gstaad. Am Mittwoch, 1. Juli, gehts mit den Gruppenspielen los.

Friedli/Jordan sind die Aussenseiter in ihrem Pool. Sie bekommen es mit den Brasilianern Evandro/Arthur Lanci, den Franzosen Rotar/Gauthier-Rat und einem Qualifikanten zu tun. Brunner/Hüberli treffen nebst zwei Teams aus der Quali auf die unberechenbaren Niederländerinnen Stam/Schoon. Die Vergé-Déprés müssen gegen die Brasilianerinnen Thamela/Victoria, die Italienerinnen Gottardi/Orsi Toth sowie ein Team aus der Quali ran. Mäder/Kernen treffen auf die US-Teams Shaw/Toni und Cruz/Brasher sowie ein Duo aus der Quali. Das neu formierte Duo Mäder, die ebenfalls aus einer Baby-Pause zurückgekehrt ist, und Youngster Kernen haben bisher überzeugt in ihrer ersten gemeinsamen Saison.

Rückkehrerin Joana Mäder (l.) und Leona Kernen sind als neues Duo vielversprechend in die Saison gestartet.
keystone-sda.ch

Nebst Brunner/Hüberli spielen im Berner Oberland zwei weitere Frauen-Teams um die traditionelle Kuhglocke: Die Schwestern Anouk und Zoé Vergé-Dépré sowie die aus ihrer Mutterschaftspause zurückgekehrte Joana Mäder und Leona Kernen. Nach der schweren Verletzung von Marco Krattiger (Trizeps) sind bei den Männern Julian Friedli/Jonathan Jordan das einzige Schweizer Duo in Gstaad. Am Mittwoch, 1. Juli, gehts mit den Gruppenspielen los.

Friedli/Jordan sind die Aussenseiter in ihrem Pool. Sie bekommen es mit den Brasilianern Evandro/Arthur Lanci, den Franzosen Rotar/Gauthier-Rat und einem Qualifikanten zu tun. Brunner/Hüberli treffen nebst zwei Teams aus der Quali auf die unberechenbaren Niederländerinnen Stam/Schoon. Die Vergé-Déprés müssen gegen die Brasilianerinnen Thamela/Victoria, die Italienerinnen Gottardi/Orsi Toth sowie ein Team aus der Quali ran. Mäder/Kernen treffen auf die US-Teams Shaw/Toni und Cruz/Brasher sowie ein Duo aus der Quali. Das neu formierte Duo Mäder, die ebenfalls aus einer Baby-Pause zurückgekehrt ist, und Youngster Kernen haben bisher überzeugt in ihrer ersten gemeinsamen Saison.

Gstaad ist erst ihr viertes gemeinsames Turnier seit der Wiedervereinigung. Technisch hat das Team einige Anpassungen vorgenommen, beispielsweise beim Service oder beim Zuspiel, das Hüberli neu auch oben ausführt. «Es mögen Details sein, aber sie haben grossen Einfluss auf ihr Spiel», erklärt Coach Vesik und betont: «Es gibt keine Grenze, was ihr Niveau betrifft. Darum versuchen wir, sie als Duo konstant weiterzuentwickeln.» Deshalb unterscheide er auch nicht zwischen vor und nach Brunners Babypause. «Ihre Spiel-statistiken sind praktisch wie davor. Und letzte Woche erreichten sie im Sprung-Test beide ihre persönlichen Bestmarken in der Höhe.»

Für den Trainer ist Mila eine Bereicherung

Los Angeles wären nach Tokio 2021 (9. Platz) und Paris 2024 (3.) die dritten Olympischen Spiele für das Duo, dessen grösste Erfolge im gemeinsamen Jahrzehnt EM-Gold (2021, 2023), EM-Silber (2018, 2022), WM-Top-10-Ränge oder der Elite-Turniersieg 2024 in Mexiko waren. Brunner und Hüberli kennen sich bestens, und man bekommt das Gefühl, als wären sie gar nie getrennt gewesen. Den Spagat zwischen Sport und Privatem auf ihrem neuen Weg meistern das Duo und der jeweils mitreisende Tross problemlos.

«Alles fühlt sich natürlich an», sagt Brunner, «ich hatte nie das Gefühl, dass Mila jemanden stört.» Allen geht das Herz auf, «und die Handy-Zeit wird viel weniger», so «Tante Hübi» lächelnd. Sie beide seien sehr ehrgeizig und pflichtbewusst, der Fokus im Sand sei sofort geschärft. Ihr Trainer bringt es so auf den Punkt: «Mila bereichert das Team. In schwierigen Momenten, nach schlechten Tagen oder Spielen zeigt sie uns, dass es noch mehr im Leben gibt als Beachvolleyball.»

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