Darum gehts
- Joana Mäder kehrt nach Babypause im Beachvolleyball zurück
- Töchterchen Malia in Gstaad ausnahmsweise auf der Tribüne dabei
- Olympia-Traum: Nach Tokio und Rio peilt Mäder Los Angeles 2028 an
Das Elite-Turnier in Gstaad ist speziell für Joana Mäder – weil es das Highlight in der Heimat ist, und weil ihr 14-monatiges Töchterchen Malia auf der Tribüne sein wird. «Sofern sie still sitzen möchte», sagt die Mama lächelnd, «seit sie laufen kann, ist das eher schwierig.» Ihr Mann, Ex-Hockeyspieler Stefan Mäder (35), ist seit Dienstag mit der Kleinen im Berner Oberland, um seinen Schatz zu unterstützen.
Als sich die Comebackpläne konkretisieren, hat sich das Paar jedoch entschieden, dass Malia nicht permanent mit auf Tour kommen wird. «Vielleicht rührt dies daher, dass ich selbst nicht gerne lange reise», erklärt die Blockspielerin, «deshalb möchte ich es ihr auch nicht zumuten.» Bereits vor der Geburt im April 2025 sprechen die Eltern über die Möglichkeiten einer Rückkehr in den Sand. «Ich hatte den Wunsch», so die Olympia-Dritte von Tokio 2021, «liess es mir aber offen, weil ich mir keinen Druck machen wollte, falls zum Beispiel mein Körper nicht mitgespielt hätte oder mein Feuer fürs Beachvolleyball nicht zurückgekehrt wäre.»
Der Weg zum Comeback
Das ist es erst mit der Zeit. Die ersten drei Lebensmonate von Malia denkt Mäder nicht einmal daran. «Ich hatte keine Kapazität. Es kam so viel Neues in mein Leben. Ich war plötzlich verantwortlich für ein so kleines Geschöpf.» Erst als sich der Eltern-Alltag besser einpendelt, macht sich die 1,90 m grosse Beacherin Gedanken, unter welchen Umständen ein Comeback für sie infrage käme, und bespricht sich im Spätsommer 2025 mit Sebastian Beck, Beachvolley-Chef des Verbandes.
Die Europameisterin von 2020 beginnt, für sich allein zu trainieren. Anfang September steht sie erstmals wieder im Sand, «um das Gespür für den Ball zu bekommen». Nur wenige Wochen später wird ihre Rückkehr verkündet. Sie bekommt die junge Verteidigerin Leona Kernen (20) an die Seite. Sie bestreitet davor eine Saison mit Tanja Hüberli (33), deren angestammte Partnerin Nina Brunner (30) ebenfalls aus der Baby-Pause zurückgekehrt ist.
Für das neue Duo Mäder/Kernen fällt der Startschuss der Saison Anfang April in Brasilien – ohne Malia. Mit dem Getrenntsein hat sich die Beacherin schon davor auseinandergesetzt und mit ihrem Mentalcoach besprochen. Themen wie ein allfälliges schlechtes Gewissen oder die Angst, dass sie ihr Töchterchen nicht mehr erkennt. «Das erste Turnier war hart», gesteht Mäder, «es fehlte ein Teil von mir, das stellte mich vor eine Herausforderung.»
Mäder peilt drittes Olympia-Turnier an
Sie meistert sie immer besser, «auch weil ich weiss, dass Stefan und unser Umfeld einen super Job machen mit Malias Betreuung. Sie fühlt sich wohl». Für die ersten beiden Auftritte der Saison in Brasilien bleibt ihre Familie zu Hause, in Ostrava sind Ende Mai ihre Liebsten dabei. Stefan Mäder arbeitet in einem Teilzeit-Pensum im Aussendienst einer Versicherung und teilt sich wöchentlich zwei Papa-Tage ein. Die Reise nach Tschechien ist kurz und unkompliziert. Die Mama muss ihren Rhythmus zwischen Training, Spiel, Regeneration und Physio sowie Familie zuerst finden, «aber das Muttersein hat mich in vielen Belangen gelassener gemacht».
Ihr gelingt der Spagat so weit gut. Und lange dauert es nicht, bis der Ehrgeiz sie wieder packt. Mäder/Kernen verbessern sich kontinuierlich, auf einen 9. folgen ein 5. und 4. Platz, und am letzten Turnier vor Gstaad holen sie sich Bronze beim Challenge-Event im türkischen Alanya. Mäder peilt nach Rio 2016 und Tokio 2021 ihren dritten Olympia-Traum an für Los Angeles 2028. «Ich nehme Jahr für Jahr. Solange ich Spass habe und alles unter einen Hut kriege, mache ich weiter.» Sollte sich das ändern – so hat sie es auch Kernen kommuniziert – hätte die Familie Vorrang. Diese Woche aber wird sie Ausschau halten nach ihrer Malia auf den Tribünen in Gstaad.
Sportlich sieht es derzeit schwierig aus. Nach zwei Niederlagen (je 1:2 gegen Shaw/Toni und gegen Cruz/Brasher, beide aus den USA) muss das Duo Mäder/Kernen um das Weiterkommen kämpfen. Das entscheidende letzte Gruppenspiel findet heute gegen das österreichische Duo Klinger/Klinger statt.