Darum gehts
- Innert vier Tagen sterben zwei junge Touristen bei Badeunfällen im Caumasee GR
- Auch Seealpsee, Äscher, Verzascatal und Mythenmassiv wurden wiederholt zu Schauplätzen tödlicher Unfälle
- Unterschätzte Naturgefahren, Selbstüberschätzung und fehlende Erfahrung erhöhen das Risiko
Gleich zwei tragische Todesfälle ereigneten sich innert weniger Tage am Caumasee in Flims GR: Am 27. August schwimmt ein 17-jähriger Tourist aus England von der kleinen Insel im See Richtung Liegewiese. Er gerät in Schwierigkeiten, geht unter und stirbt später im Spital. Nur vier Tage später ertrinkt ein 27-jähriger Deutscher, als er einem Kollegen im Wasser helfen will.
Die beiden Schwimmer am Caumasee sind keine Einzelfälle: Erst im Juli 2026 starb ein 19-jähriger Deutscher im Seealpsee in Wasserauen AI. Plötzlich tauchte er nicht mehr auf und konnte am nächsten Morgen nur noch tot geborgen werden. Immer wieder enden Ausflüge an Schweizer Touristen-Hotspots tödlich – besonders für ausländische Besucher. Woran liegt das?
Die Idylle trügt
Ein Blick auf die Statistik der Beratungsstelle für Unfallverhütung zeigt: Bei tödlichen Badeunfällen sind ausländische Touristen sowie in der Schweiz wohnhafte Personen mit ausländischer Staatsangehörigkeit klar überrepräsentiert.
Denn die offenen Gewässer bergen Gefahren, die auf den idyllischen Ferienbildern im Social-Media-Feed unsichtbar bleiben: Strömung, Wellengang, kaltes Wasser (besonders in Bergseen) oder die tatsächliche Distanz zum Ufer können Besuchern zum Verhängnis werden. Kommt eine eingeschränkte oder überschätzte Schwimmfähigkeit hinzu, kann es schnell lebensgefährlich werden.
Auch das Tessiner Verzascatal forderte deshalb schon mehrere Opfer: Rund um den berühmten Ponte dei Salti lockt zwar smaragdgrünes Wasser – doch die Strömung ist tückisch. 2021 wurde eine 31-jährige Thailänderin mitgerissen und ertrank, 2022 starb ein 20-jähriger Italiener. Dieselben Faktoren können aber auch an anderen Orten über Leben und Tod entscheiden – etwa im Gebirge.
Wenn Wanderwege lebensgefährlich werden
Das Innerrhoder Bergrestaurant Äscher wurde durch das US-Magazin «National Geographic» weltberühmt. Doch die Wanderwege im Alpstein-Gebiet rund um die Ebenalp sind teils anspruchsvoll. Jährlich ereignen sich auch hier mehrere Unfälle. Ein besonders verhängnisvolles Jahr war 2022: Im Juni stürzte eine 66-jährige Deutsche auf dem Bergwanderweg zwischen Äscher und Seealpsee rund 80 Meter über eine Felswand in den Tod. Nur eine Stunde später starb im selben Abschnitt ein 58-jähriger Berner. Zwei Wochen nach der Doppeltragödie kam es zum nächsten Unglück: Eine 31-jährige Mutter und ihre fünfjährige Tochter stürzten einen steilen Abhang hinunter und kamen ums Leben.
Auch das Mythenmassiv im Kanton Schwyz hat eine tödliche Kehrseite: Im Juni 2026 stürzte eine 20-jährige, laut Polizei geübte Berggängerin beim Aufstieg auf den Kleinen Mythen tödlich ab. Seit 1998 ereigneten sich im Bergmassiv rund 25 Todesfälle. Das macht es zu einer der gefährlichsten Wanderregionen der ganzen Schweiz.
Für Fachleute ist klar: Wanderer unterschätzen Gelände und Wetter oder überschätzen die eigenen Fähigkeiten. Unerfahrene sind zudem häufiger mit ungeeignetem Schuhwerk wie Flipflops oder Sandalen unterwegs. Social Media können das Problem verstärken: Spektakuläre Bilder machen abgelegene Naturziele einem riesigen Publikum bekannt – zeigen aber selten, wie anspruchsvoll der Weg dorthin ist.