Darum gehts
- Schweizer Airline-Gründer wegen Steuerbetrug von 8,2 Mio. Franken verhaftet
- Kaution auf 2 Mio. Euro festgelegt, Partnerin spricht von Missverständnis
- Rund 100 Angestellte betroffen, Zukunft der Firma GP Aviation ungewiss
Es ist der Absturz seines Lebenswerks. Dem Gründer der Airline GP Aviation, die enge Verbindungen zur Schweiz pflegt, wird Steuerbetrug in Millionenhöhe vorgeworfen.
Er soll Luftverkehrssteuern in der Höhe von 9 Millionen Euro (rund 8,2 Millionen Franken) nicht an den deutschen Staat abgeführt haben. Deswegen wurde im Januar ein internationaler Haftbefehl für den Schweizer erlassen!
Am 15. April klickten für den schweizerisch-italienischen Manager an der Grenze zwischen Nordmazedonien und Bulgarien die Handschellen. Er wurde an Deutschland ausgeliefert.
Ein Missverständnis?
In Zürich trifft Blick am Mittwoch seine Freundin. Paulina T.* ist immer noch schwer getroffen von der Verhaftung ihres Partners: «Ich hatte seit drei Wochen keinen Kontakt zu ihm. Kein Anruf, keine SMS – nichts.»
Für sie ist klar: «Das alles ist ein riesiges Missverständnis», sagt sie. Ja, es gebe nicht bezahlte Steuern, aber die hätte der Airline-Gründer nicht absichtlich hinterzogen. «Er wusste nicht, dass er diese Steuern zahlen muss, hat sie deshalb auch nicht mit den Ticketpreisen einkassiert», betont T. Hätte ihr Partner davon gewusst, hätte er das Geld selbstverständlich an den deutschen Staat gezahlt.
Übertriebene Härte?
Für Paulina T. ist die Reaktion der deutschen Behörden übertrieben. «Das fängt damit an, dass eine Kaution von zwei Millionen Euro festgesetzt wurde», sagt sie.
Anfang des Jahres hatte das Paar bereits den Verdacht, dass etwas nicht stimmen könnte, da die deutsche Polizei mehrfach auffällig Flugzeuge der Airline durchsucht hatte. «Mein Partner kontaktierte daraufhin von sich aus die deutschen Behörden, erhielt jedoch die Auskunft, dass nichts vorliege», sagt Paulina T.
Dann sei es im April zu der Verhaftung in Bulgarien gekommen. «Er wurde einfach am Zoll bei der Einreise im Auto verhaftet und wie ein Krimineller in Handschellen abgeführt», sagt T. Eine vorherige Kontaktaufnahme oder einen regulären Besuch durch die Behörden habe es davor nicht gegeben.
Bulgaren wollten ihn freilassen
Gemäss Paulina T. hatten die bulgarischen Behörden den Beschuldigten nach einigen Tagen aus der Haft entlassen. Doch das passte den deutschen Behörden offenbar gar nicht. «Sie ärgerten sich über die Freilassung und übten Druck auf Bulgarien aus. Er wurde daraufhin erneut inhaftiert, musste eine Woche auf seine Auslieferung warten und wurde schliesslich von deutschen Polizisten nach Deutschland überführt», sagt T.
Angst um die Zukunft
Im Moment hat für T. oberste Priorität, ihren Partner aus der U-Haft zu bekommen. Doch das ist angesichts der Höhe der Kaution sehr schwer. «Die zwei Millionen können wir nicht aus dem eigenen Sack zahlen», sagt sie. T. hofft deshalb auf die Unterstützung von Kollegen und anderen Firmen aus ihrem Umfeld, die sich «sehr solidarisch zeigen». «Wie es dann weitergeht, ob er in Deutschland bleiben muss, wird sich zeigen.»
Was klar ist: Der Airline-Chef wird die Steuerschulden zurückzahlen müssen. «Ein Teil des Geldes, sprich alles, was bei der Firma flüssig war, wurde bereits als Depot hinterlegt. Für die restliche Summe muss nun ein Rückzahlungsplan mit den Behörden ausgearbeitet werden», sagt Paulina T.
Die Firma müsse deshalb irgendwie weiterlaufen – das sei auch so organisiert worden. «Allerdings wird es schwierig, da mein Partner als Chef bisher alles alleine gemanagt hat», sagt Paulina T. und fügt an: «Zudem besteht das Risiko, dass Kunden das Vertrauen verlieren könnten, was die Existenz der Firma bedrohen würde.»
Für die gut 100 Angestellten sind das keine guten Nachrichten. Für Paulina T. steht die Zukunft von GP Aviation aktuell komplett in den Sternen. «Ich mache mir keine Illusionen und wäre im ersten Schritt einfach nur froh, wenn mein Partner das Gefängnis verlassen und wir wieder ein normales Leben führen dürften.» Doch Paulina T. gibt sich kämpferisch: «Ich hoffe dennoch, dass der Betrieb weitergeht, denn ohne die Firma können wir auch die Steuerschulden nicht zurückzahlen.»
Die Airline selbst erklärt auf Anfrage von Blick: «Wir sind operativ stabil, halten den geplanten Flugplan ein und erfüllen sämtliche finanziellen sowie operativen Verpflichtungen ordnungsgemäss. Für Passagiere, Reiseveranstalter oder Geschäftspartner bestehen keinerlei Einschränkungen oder Risiken.»
*Name geändert