Darum gehts
- Hans Z. aus Törbel VS klagt Polizisten wegen angeblichen Amtsmissbrauchs an
- Schulterverletzung nach Polizeieinsatz, Z. erleidet finanzielle und berufliche Einbussen
- Zwei Jahre Wartezeit: Ermittlungen laufen, keine Ergebnisse veröffentlicht
Es ist der 18. Mai 2024 gegen 9 Uhr. Es klingelt am Haus von Hans Z.* (67) in Törbel VS, vor dem Tor zum Garten stehen vier Polizisten. Die Beamten sind auf der Suche nach Ivan Z.*, dem Sohn von Hans.
Wenig später eskaliert die Situation. «Plötzlich sass ich in Handschellen da und meine Schulter war hin», sagt Z. zu Blick.
Auf der Suche nach dem Sohn
Zunächst verläuft der Einsatz normal. Die Beamten betreten das Haus von Hans Z. Er sagt: «Ich erklärte ihnen, dass mein Sohn eine Woche zuvor ausgezogen war und nicht hier sei.» Die Beamten suchen den jungen Mann, wegen eines Einbruchdiebstahls ein paar Tage zuvor.
Die Beamten glauben dem Vater nicht, durchsuchen die Räume. Ivan Z. finden sie nicht. «Ich sagte ihnen, dass ich es ja gleich gesagt hätte», schildert Hans Z. die Situation.
Irgendwie scheint der Mann bei den Polizisten damit einen Nerv zu treffen. «Einer der Beamten schrie mich an, ich hätte hier nichts zu sagen», so Z. Dann wird es noch schlimmer.
An der Schulter verletzt – Anzeige
Einer der Beamten packt Z. gemäss seinen Aussagen brutal, dreht seinen Arm auf den Rücken, drückt ihn an eine Scheibe und legt ihm Handschellen an.
Der 1,62 Meter grosse und 62 Kilo schwere Mann kann nicht begreifen, wie die Situation dermassen eskalieren konnte.
Doch das Ganze ist für Z. nicht nur unangenehm. Die Aktion hat ernsthafte Konsequenzen. Denn seine Schulter ist lädiert. Nachdem die Beamten abgezogen sind, geht Z. ins Spital nach Visp VS. Hier wird eine Schulterverletzung festgestellt. «Ich kann bis heute meinen Arm nicht richtig heben.» Auch zwei Jahre später muss L. in Physiotherapie gehen. Die Verordnung liegt Blick vor.
Noch im Spital erstattet er Anzeige gegen die Beamten.
Warten auf Gerechtigkeit
Die Verletzung wirkt sich auch finanziell auf Z. aus. Zum Zeitpunkt des Einsatzes steht der selbständige Schreiner kurz vor der Pension, doch er will darüber hinaus arbeiten. «Das ging natürlich nicht mehr, ich musste deshalb viele Aufträge absagen», ärgert sich Z.
Seit zwei Jahren wartet er nun «auf Gerechtigkeit». Zwar wurden die Polizisten zu dem Vorfall einvernommen, doch seitdem ist nicht mehr viel passiert. «Es darf nicht sein, dass die Sache im Sand verläuft», sagt Z. Er fordert von der Walliser Staatsanwaltschaft, in dem Fall endlich vorwärtszumachen.
Wo sich sein Sohn damals wie heute aufgehalten hat, weiss Z. nicht. «Wir haben keinen Kontakt mehr», sagt er und fügt an: «Die Polizei braucht es, aber solche Rambos braucht es nicht.»
Widerstand geleistet?
Auf Anfrage von Blick äussert sich die Walliser Kantonspolizei mit Blick auf das Verfahren nicht zu den Vorgängen. Man verweist auf die Staatsanwaltschaft. Diese bestätigt lediglich ein laufendes Verfahren.
Blick konnte jedoch das Vernehmungsprotokoll jenes Beamten einsehen, der mutmasslich für die Verletzung von Hans Z. verantwortlich ist. Seine Darstellung des Vorfalls macht den 67-Jährigen für die Eskalation verantwortlich.
Z. habe verhindern wollen, dass die Beamten sein Schlafzimmer durchsuchen. Der Beamte sagte aus: «Er stand im Türrahmen und hat diesen blockiert. Es ging so weit, dass er uns mit beiden Händen zurückstossen wollte. Ich habe dann seine Hände ergriffen und befohlen, ihm die Handschellen anzulegen.»
Er habe Z. gegen die Wand gedrückt, sei mit ihm durchs Zimmer gegangen und habe ihm mit dem Gesicht voran gegen die Scheibe einer Balkontüre gedrückt, so der Beamte. «Wir haben ihn mehrfach aufgefordert, seine Hände auf den Rücken zu geben, was er jedoch verweigert hat. Nach einer Weile gelang es uns, seine Hände nach hinten zu ziehen und die Handschellen anzulegen.»
«Wir hatten Mitleid»
Er habe Z. darauf hingewiesen, dass er sich einer Amtshandlung widersetzt habe, so der Beamte weiter. «Ich habe ihm gesagt, dass er Gewalt gegen einen Polizeibeamten angewendet habe und dass wir ihn deswegen verzeigen könnten», so der Polizist in der Einvernahme.
Auf eine Anzeige hätten sie aber verzichtet, weil Hans Z. die ganze Zeit erwähnt habe, welche Probleme er mit seinem Sohn hätte. «Wir hatten Mitleid mit ihm», so der Beamte.
Hans Z. sieht dies komplett anders. «Sie waren zu viert und trotzdem wurde ich verletzt. Das muss Konsequenzen haben», sagt er.
* Namen geändert