Darum gehts
- Strafuntersuchung gegen Bar-Betreiber in Crans-Montana wegen fahrlässiger Tötung
- Morettis besitzen mehrere Immobilien im Wallis und einen Luxus-Fuhrpark
- 80 Prozent ihres 5-Millionen-Franken-Vermögens durch Hypotheken finanziert
Über zwei Wochen nach dem Bar-Inferno in Crans-Montana VS sind viele Fragen noch offen. Eines ist jedoch deutlich: Im Fokus der Öffentlichkeit stehen besonders die Betreiber der Bar Le Constellation. Ihnen wird im Rahmen der Strafuntersuchung fahrlässige Tötung, fahrlässige Körperverletzung sowie fahrlässiges Verursachen einer Feuersbrunst vorgeworfen.
Neben den vermutlichen Mängeln im Sicherheitskonzept der Bar steht auch eine Frage immer wieder im Zentrum der Diskussionen: Wie konnten sich Jacques (49) und Jessica Moretti (40) im Wallis innert kurzer Zeit ein Immobilien-Imperium aufbauen? Zuvor hatten die Medien darüber berichtet, dass sich die Morettis alles selbst finanziert hätten. Doch daran war wohl nicht viel dran: Das Paar hat mehrere Hypotheken aufgenommen, total haben sie über vier Millionen Franken Schulden! Das zeigt eine Recherche von «Le Temps».
Mehrere Immobilien und ein Luxus-Fuhrpark
Neben der abgebrannten Bar besitzen die Morettis das Restaurant Le Senso in Crans-Montana. Im Nachbarort Lens VS, wo das Paar lebt, führen sie auch das Restaurant Le Vieux Chalet. Zudem besitzen die Franzosen mehrere Immobilien in Lens. Inklusive Garagen für einen beachtlichen Fuhrpark aus Mercedes AMG, Porsche Cayenne, Maserati und einem Bentley. Anfang 2026 sichtete ein Blick-Reporter Jacques Moretti zudem in einem Jaguar.
Bisher war vermutet worden, dass die Morettis sich ihre Gastrobetriebe als auch die Häuser mit eigenen Mitteln finanziert hätten. Im Grundbuch wären keine Hypotheken aufgeführt worden, hiess es zunächst in mehreren Medien. Die Recherche von «Le Temps» gestützt auf Einsichten in die Dossiers lässt das nun anders erscheinen.
80 Prozent des Vermögens über Hypotheken finanziert
Wie «Le Temps» schreibt, nahm das Paar 2019 eine Hypothek bei der Walliser Kantonalbank auf. «Der Betrag wurde im August 2022 auf 1,1 Millionen Franken erhöht», also zum Zeitpunkt des Kaufs des Le Constellation. Auch ein zweites Darlehen, das 2017 vom Garantie- und Finanzierungszentrum Sitten gewährt worden war, sei zur gleichen Zeit auf 250'000 Franken aufgestockt worden.
Laut «Le Temps» beträgt das Privat- und Unternehmensvermögen der Morettis zusammen rund 5 Millionen Franken. Dieses Vermögen, das vor allem in Immobilien im Wallis investiert ist, sei zu etwa 80 Prozent durch Hypotheken finanziert. In anderen Worten: Die Inferno-Beizer haben Schulden von über vier Millionen Franken!
Jahresgewinn des Le Constellation bei 100'000 Franken
Das Le Constellation werfe laut «Le Temps» dabei einen Jahresgewinn von bis zu 100'000 Franken aus, das Le Senso erwirtschafte im Jahr zwischen 100'000 und 200'000 Franken. Der frühere Vermieter der Bar Le Constellation, Julien Beytrison, der die Bar zunächst an die Morettis vermietete und später verkaufte, beschrieb das Paar als «professionell, zuvorkommend und voller Ideen».
Doch im Blick der Öffentlichkeit tritt die Vergangenheit der Morettis immer mehr in den Fokus. Der gebürtige Korse Jacques Moretti gründete im Alter von 25 Jahren sein erstes Unternehmen. Noch bevor er 30 Jahre alt wurde, folgten weitere zwielichtige «Start ups», etwa ein Massagesalon namens «Hot Rabbit» in Genf und ein Stripclub in der korsischen Stadt Bonifacio.
Die zwielichtige Vergangenheit Morettis
2005 kam Moretti in Frankreich wegen Anstiftung zur Prostitution in Haft, 2008 kam er wegen Zuhälterei hinter Gitter. 2010 folgte eine Anklage in Korsika wegen Sozialversicherungsbetrugs. Er erhielt eine Busse und ein Geschäftsverbot in Frankreich. 2011 folgte schliesslich der Umzug in die Schweiz mit seiner Partnerin Jessica.
Doch auch der Walliser Justiz war Jacques Moretti nicht unbekannt. 2016 wurde er im Wallis zu einer Geldstrafe von 1000 Franken verurteilt, weil er Ausländer ohne Arbeitserlaubnis beschäftigte und Sozialversicherungsdelikte begangen hatte, zitiert «Le Temps» aus seiner Strafakte.
2020 nahm Moretti einen Corona-Kredit in Höhe von 33'000 Franken auf und kaufte sich mit dem Geld einen Maserati. Es wurden strafrechtliche Ermittlungen wegen Betrugs eingeleitet. Doch alles lief gesetzeskonform ab: Der Wagen ist auf eine weitere gemeinsame Firma der Morettis zugelassen.