Darum gehts
- Bar-Inferno in Crans-Montana: 300 Gästen flohen in Todespanik
- Simulation zeigt, mehr Fluchtwegen hätten die Fluchtzeit deutlich verkürzt
- Mit drei Fluchtwegen hätten die Gäste in 140 Sekunden entkommen können
Als die Decke im Untergeschoss der Bar Le Constellation in Crans-Montana VS brannte, begannen Menschen um ihr Leben zu rennen – schnell zur Treppe in Richtung Hauptausgang. Rund 300 Menschen sollen sich nach Angaben der Betreiber zu diesem Zeitpunkt im Erd- und Untergeschoss aufgehalten haben.
Doch wie lang dauerte es, bis die Menschen aus dem Feuer entkommen konnten? Welchen Einfluss hatte die Anzahl der Fluchtwege? Das soll eine Simulation von drei verschiedenen Szenarien zeigt aufzeigen. Sie stammt von Brandschutzexperten der Firma BIQS. Am Freitag war die Simulation in der Hauptausgabe der SRF-«Tagesschau» zu sehen.
Hatte die Bar nur einen Fluchtweg? Nach vielen Medienberichten scheint das der Fall gewesen zu sein. Auch Zeugen sagten aus, keine Notausgänge im Untergeschoss gesehen zu haben. Gemäss Computersimulation hätte eine Flucht in so einem Fall fast sieben Minuten gedauert.
Mehrere Videos aus der Brandnacht zeigen: Als die ersten Flammen loderten, reagierten viele Gäste zunächst nicht panisch. Brandexperte und BIQS-Geschäftsführer Florent Lushta geht in der «Tagesschau» davon aus, dass es bis zu einer Minute gedauert habe, bis die Menschen zu fliehen begannen.
Als dann viele Menschen zur Treppe rannten, dürfte es sich dort gestaut haben. Die Folge wäre eine Wartezeit zwischen 70 und 90 Sekunden. «Es würde uns nicht wundern, wenn im Zuge der weiteren Untersuchungen festgestellt wird, dass viele Personen Knochenbrüche erlitten haben», sagt Lushta zu SRF und deutet an, wie Menschen in ihrer Panik reagiert haben.
Türen-Spezialist Frank Rostert (62) wies diese Woche im Blick auf einen anderen fatalen Umstand hin: Alle Türen der Bar gehen nach innen auf. «Die Leute kamen oben aus der Tür nicht raus. Eine Tür nach innen zu öffnen, wenn von hinten eine panische Menschenmasse drückt, ist unmöglich». Rosterte arbeitete von 2012 bis 2017 in den Kantonen Zürich und Schwyz. Zuletzt begutachtete er die Brandschutztüren des neuen Terminals des Flughafens in München.
«Nicht die enge Treppe war das Hauptproblem, sondern die falsch eingebauten Türen. Oben sammelte sich der Rauch, gleichzeitig wurde die Haupteingangstür immer wieder von innen zugedrückt», ist der Deutsche sich sicher.
In diesem Szenario hätte es im Untergeschoss einen weiteren offenen Fluchtweg. Nach Angaben der Morettis soll es zwei Notausgänge im Le Constellation gegeben haben: den Hauptausgang und einen zweiten gegenüber den Toiletten im Keller, der zum Treppenhaus des Gebäudes führte. Zeugenberichte deuten darauf hin, dass dieser Weg im Untergeschoss jedoch versperrt gewesen sei.
Laut Simulation wären die Gäste mit zwei freien Fluchtwegen nach 235 Sekunden – also nach etwas weniger als vier Minuten – aus der Inferno-Bar entkommen. Dabei hätte sich die Menschenmenge vor den Fluchtwegen jeweils halbiert, so Lushta.
Im letzten Szenario hätte es drei Fluchtwege gegeben: zwei im Erdgeschoss (Hauptausgang und Seitentür) und einen im Untergeschoss. Nach Angaben von Jacques Moretti soll eine Seitentür in der Bar jedoch in der Silvesternacht versperrt gewesen sein. Wären alle Fluchtwege aus der Bar frei zugänglich gewesen, hätten die Gäste innert 140 Sekunden – also nach 2 Minuten und 20 Sekunden – den Flammen entfliehen können. Und womöglich weniger Menschen das Leben gekostet.