«Wir sind betroffen, mehr eigentlich als alle»
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Gemeindepräsident Féraud:«Wir sind betroffen, mehr eigentlich als alle»

Wo ist Nicolas Féraud?
Das Schweigen des Gemeindepräsidenten von Crans-Montana

Nach dem desaströsen Auftritt vor den Medien letzte Woche ist Gemeindepräsidenten Nicolas Féraud abgetaucht. Führt er seine Gemeinde noch? Eine Spurensuche.
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Seit der Pressekonferenz am 6. Januar ist es um Nicolas Féraud stiller geworden.
Foto: keystone-sda.ch

Darum gehts

  • Präsident Nicolas Féraud schweigt nach Brand-Tragödie in Crans-Montana
  • Kontaktinformationen von Gemeindevertretern sind von offizieller Website verschwunden
  • 40 Tote und 116 Verletzte durch Feuer in Bar Le Constellation
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
Solène Monney

Dieser Text erschien zuerst auf blick.ch/fr. Er wurde übersetzt und aktualisiert. 

Zuletzt äusserte sich Féraud offiziell an der Pressekonferenz vom 6. Januar. Thema war damals die Rolle der Gemeinde bei den Kontrollen der Bar Le Constellation. Doch der Auftritt geriet zum Fiasko.

Der Präsident stand heftig in der Kritik, weil er sagte, die Gemeinde sei die Hauptgeschädigte des Infernos, noch vor allen anderen. Zudem hatte er es unterlassen, sich bei den Hinterbliebenen zu entschuldigen. Mit verkrampfter Stimme sagte er: «Ich habe diese Woche auf sehr schwierige Weise erlebt. Ich werde nicht in der Lage sein, diese Last und die Trauer all dieser Familien zu bewältigen, die ich mein ganzes Leben lang mit mir herumtragen werde.» Anschliessend verliess Féraud das Gebäude unter Polizeibegleitung. Seitdem: Funkstille. Informationen über den Präsidenten von Crans-Montana sind kaum zu bekommen. Auch die Gemeinde selbst gibt sich äusserst verschlossen.

Hin und Her im Rathaus

Blick hat mehrfach versucht, mit der Gemeinde Kontakt aufzunehmen – vergeblich. Anfragen wurden an die Kanzlei weitergeleitet und blieben unbeantwortet. Weder Vizepräsidentin Nicole Bonvin Clivaz noch Nicolas Féraud selbst reagierten. Auffällig zudem: Ihre Kontaktdaten sind seit kurzem von der Website der Gemeinde Crans-Montana verschwunden.

Diese Intransparenz ist kein Einzelfall. Seit der Silvesternacht, die als eine der schlimmsten Tragödien der jüngeren Schweizer Geschichte gilt, gestaltet sich die Kommunikation der Walliser Behörden schwierig. Anfragen werden weitergereicht, Antworten bleiben aus.

Laut einer der Gemeinde nahestehenden Quelle ist Féraud nach wie vor im Amt. «Er pendelt zwischen dem Rathaus und seinem Wohnort hin und her, und das wars.» Zudem soll er sich weigern, auf Anfragen von Personen zu reagieren, die er nicht kennt. Ein Verhalten, mit dem er dem Bedürfnis nach Information und Transparenz zuwiderläuft.

«Man verlässt Schiff nicht im Sturm»

An der Pressekonferenz vom 6. Januar hatte Féraud betont, im Amt bleiben zu wollen: «Man verlässt ein Schiff nicht mitten im Sturm, man übernimmt die Verantwortung.» Doch die Frage stellt sich: Hat er noch die volle Kontrolle über die Gemeindeexekutive? Und ist er überhaupt noch in der Lage, sein Amt auszuüben?

Ein politischer Rückzug?

Nach Angaben einer weiteren Quelle könnte der Rückzug nicht allein auf Férauds eigene Entscheidung zurückzuführen sein. «Es ist möglich, dass seine Partei ihn gebeten hat, sich zurückzuziehen – so funktioniert die FDP Wallis.» Demnach könnte es sich um einen Versuch handeln, ihn nach dem missglückten Auftritt an der Pressekonferenz vom 6. Januar diskret aus dem Rampenlicht zu nehmen und seiner Vizepräsidentin Bonvin Clivaz, Mitglied des Mouvement Démarche Citoyenne (MDC), das der FDP nahesteht, mehr Raum zu verschaffen.

Eine zentrale Frage bleibt damit unbeantwortet: Wer führt die Gemeinde Crans-Montana angesichts einer Tragödie dieses Ausmasses tatsächlich? Die Opfer und ihre Angehörigen haben Anspruch auf einen klaren, sichtbaren und verantwortungsbewussten Ansprechpartner. Nicolas Féraud wurde gewählt – und trägt weiterhin eine politische Verantwortung, die weder durch stillen Rückzug noch durch anhaltendes Schweigen aufgehoben werden kann.

Eine Konsequenz aus der Tragödie hat Féraud mittlerweile gezogen. Er gab am Freitagmorgen in einer Mitteilung bekannt, dass er aus dem Organisationskomittee der Ski-WM 2027 in Crans-Montana zurückgetreten ist.

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