«Wir sind betroffen, mehr eigentlich als alle»
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Gemeindepräsident Féraud:«Wir sind betroffen, mehr eigentlich als alle»

Gemeinde-Chef Féraud
Wie tickt der «Dorfkönig» von Crans-Montana?

Er wollte Crans-Montana zu neuem Glanz verhelfen – nun lastet auf dem Gemeindepräsidenten eine Tragödie, die die ganze Welt erschüttert. Wer ist Nicolas Féraud?
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Nicolas Féraud nimmt am Freitag, 9. Januar in Martigny an der Trauerfeier für die Opfer der Brandkatastrophe von Crans-Montana teil.
Foto: keystone-sda.ch

Darum gehts

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  • Nicolas Féraud ist Gemeindepräsident von Crans-Montana
  • Er bezeichnete die Gemeinde als Hauptgeschädigte, was internationale Empörung auslöste
  • 1,6 Milliarden Franken in acht Megaprojekte und Ski-WM 2027 investiert
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Nicolas Féraud (55) hatte eine Vision. Der Ruf Crans-Montanas VS soll in die Welt strahlen – und die Welt in den Walliser Skiort kommen. Unter ihrem Präsidenten wurde die Berggemeinde mondäner, grösser, luxuriöser. Milliardenschwere Megaprojekte, eine bevorstehende Ski-WM sowie der Verkauf der Bergbahnen an einen US-Giganten zeigen: Hier herrscht Aufbruchstimmung. Crans-Montana solle ein «nationales und internationales Leuchtfeuer für Wellness und Entwicklung» werden, wie der FDP-Politiker noch letztes Jahr bekräftigte.

Am Dienstag stehen Féraud und seine Gemeinde tatsächlich an der Weltöffentlichkeit. Die Welt blickt jedoch aus einem anderen Grund auf Crans-Montana, als es sich der Gemeindepräsident vorgestellt hatte: Fünf Tage nach der schrecklichen Brandkatastrophe in der Bar Le Constellation muss er den über 100 Journalistinnen und Journalisten aus zahlreichen Ländern erklären, wie es zur Tragödie mit 40 Toten und 116 Verletzten kommen konnte. 

Fragen gibt es viele. Féraud kennt darauf wenig Antworten. Stattdessen trifft der Gemeindepräsident eine fatale Aussage: «Die Gemeinde ist als Geschädigte am meisten betroffen, vor allen anderen.» Spätestens damit hat die internationale Presse ihren Sündenbock gefunden. 

Gemeindepräsident seit 2012

Die Situation zeigt eindrücklich: Für den studierten Pharmazeuten war Druck bisher eher ein Fremdwort. Als die vier Dörfer Randogne, Chermignon, Montana und Mollens 2017 fusionierten, setzte er sich im Wahlkampf überraschend eindeutig gegen seinen Konkurrenten aus der Walliser Mitte durch. 

Féraud, der in der Region geboren wurde, war davor keineswegs ein unbeschriebenes Blatt: Bereits seit 2009 sass er für die FDP im Gemeinderat von Randogne, 2012 wurde er in der Kleingemeinde zum Präsidenten. Crans-Montana führt er nun im Vollzeit-Amt. Dabei verdient er rund 180’000 Franken, wie die Walliser Tageszeitung «Le Nouvelliste» 2021 schrieb.

Zu Beginn seiner langen Amtszeit als erster und bisher einziger Gemeindepräsident von Crans-Montana sah sich Féraud aber durchaus so etwas wie Kritik ausgesetzt.

Eine neue Gemeinde aufzubauen sei «ein schweres Erbe», schrieb «Le Nouvelliste» ein Jahr nach Férauds Wahl. Crans-Montana brauche einen starken «Kapitän», um die Verwaltungen zusammenzuführen, Reglemente zu vereinheitlichen und dabei auch die zahlreichen lukrativen Bauprojekte nicht aus den Augen zu verlieren. Féraud handle «eigensinnig» und sei den komplexen Aufgaben nicht gewachsen, so der Vorwurf aus den anderen Parteien.

Crans-Montana im Aufbruch

Die Kritik währte nicht lange. Mittlerweile gilt Féraud im Walliser Nobelort als unbestrittenes Oberhaupt. Bereits zweimal wurde er wiedergewählt. In dieser Zeit trieb er den grossen Umbruch voran: In Crans-Montana entstehen zurzeit acht Megaprojekte, insgesamt werden 1,6 Milliarden Franken investiert. US-Touristen verbringen hier ihre Ferien, das Skigebiet wurde 2024 vom amerikanischen Konzern Vail Resorts übernommen.

Die Kirsche auf der Torte soll nächstes Jahr folgen: In die Ski-WM 2027 investiert Crans-Montana 42 Millionen Franken. Sportfan Féraud sitzt als Vizepräsident im Organisationskomitee des Grossevents.

Die verhängnisvolle Pressekonferenz

Seine Aufgaben löste Féraud bisher mit viel Lockerheit. In der Bevölkerung sei er beliebt, im Gespräch charismatisch, wie die «NZZ» schreibt. Unter den Lokaljournalisten gelte er als eine Art Dorfkönig. Als er Ende letzten Jahres Journalisten der «Zeit» empfing, chauffierte er sie im Jeep durch sein Reich. «Als wäre er auf Patrouille», so die Wochenzeitung.

Das Lockere, das ihn über Jahre so zuverlässig begleitete, verlor der Dorfsheriff nach der verhängnisvollen Silvesternacht innerhalb weniger Stunden. Zuerst bestritt Féraud, dass seine Gemeinde beim Brandschutz geschlampt hatte, und kanzelte Journalisten ab, die kritisch nachfragten. Dann tauchte er übers Wochenende ab, holte sich Hilfe bei namhaften PR-Experten. Nur um in aller Öffentlichkeit erneut zu versagen: Statt König wollte er plötzlich Opfer sein.

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