Darum gehts
Er eilte sofort nach Crans-Montana VS. Gian Lorenzo Cornado (66) erfuhr am Morgen des 1. Januar von der Brandkatastrophe. Am Mittag war der italienische Botschafter in der Schweiz bereits in den Walliser Alpen.
Italien ist stark betroffen: Sechs Staatsangehörige verloren ihr Leben. Der italienische Aussenminister besuchte Crans-Montana. Am Freitag wird der italienische Staatspräsident Sergio Mattarella (84) den Gedenkgottesdienst in Martigny besuchen. Italienische Medien befassten sich intensiv mit dem Brand, Kritik wurde laut. Vize-Ministerpräsident Matteo Salvini (52), der Chef der rechtspopulistischen Lega-Partei, fordert harte Konsequenzen für die Verantwortlichen der Tragödie. Er nahm sowohl Barbetreiber als auch Behörden ins Visier – und erhob schwere Vorwürfe.
Der italienische Aussenminister kritisiert, dass die möglichen Verantwortlichen nicht streng genug behandelt worden seien. Tut die Schweizer Justiz zu wenig?
Gian Lorenzo Cornado: Nein. Der Aussenminister hat volles Vertrauen in die Justiz und die Behörden der Schweiz. Aussenminister Antonio Tajani hat sich mit der Generalstaatsanwältin des Wallis, Beatrice Pilloud, getroffen und von ihr umfassende Zusicherungen hinsichtlich der Strenge erhalten, mit der diese Untersuchung durchgeführt wird.
Vertrauen Sie der Arbeit der Walliser Behörden?
Ja. Sie engagieren sich mit ganzer Kraft für eine sehr komplexe Untersuchung, sind kompetent und sich der Bedeutung ihrer Aufgabe bewusst.
Was erwarten Sie von den Schweizer Behörden und den Ermittlungen zur Unfallnacht?
Dass sie dazu beitragen, die Wahrheit herauszufinden, die Verantwortlichkeiten zu klären und Gerechtigkeit walten zu lassen.
In Italien scheint die Betroffenheit gross zu sein. Wie waren die Reaktionen in Ihrem Land auf den Brand? Hat sich das Image der Schweiz verändert?
Die Reaktion war grosse Trauer über den tragischen Tod von 40 Jugendlichen und die 116 Verletzten dieser schrecklichen Tragödie – sowie grosse Wut über das völlige Fehlen von Sicherheitsvorkehrungen in der Bar Le Constellation: Der einzige Eingang war eng und behinderte die Flucht der Jugendlichen, als das Feuer ausbrach; es gab keine Löschanlage und offenbar auch keine Feuerlöscher; es gab keinen begehbaren Notausgang; es gab kein Sicherheitspersonal, das die Jugendlichen zur Flucht aufgefordert hätte, anstatt die Flammen zu beobachten, die aus der Decke schlugen, einer Decke, die übrigens brennbar statt feuerfest war. Aber, was noch schlimmer ist: Wir haben gesehen, wie das Personal der Bar mit diesen funkelnden Flaschen im Lokal herumlief, von denen eine das Feuer entfacht hat.
Das ist ein niederschmetterndes Fazit.
Die Eigentümer haben sich unverantwortlich verhalten – und die Gemeinde Crans-Montana hat, wie ihr Präsident Nicolas Féraud selbst zugab, ihre Kontrollpflichten vernachlässigt. Hätten die Eigentümer der Bar und die Gemeinde Crans Montana ihre Pflichten erfüllt, wären die Gesetze eingehalten worden, dann wären diese Jugendlichen heute noch am Leben und würden in den Bergen Ski fahren, anstatt in einem Sarg oder im Krankenhaus zu liegen.
Sie haben Kontakt mit den Familien. Wie geht es ihnen?
Die Familien der verstorbenen Opfer sind untröstlich, die Familien der Verletzten schätzen die Bemühungen der Schweizer Behörden, ihren Kindern zu helfen, sie in Sicherheit zu bringen und ins Krankenhaus zu bringen. Alle sind den Walliser Kantonsbehörden sehr dankbar für ihre Bemühungen, ihnen zu helfen.
Betroffene Familien kamen in die Schweiz.
Die Notunterkunft, die im Kongresszentrum von Crans eingerichtet wurde, war sehr gut organisiert, und ich möchte mich dafür bei der Walliser Kantonspolizei bedanken. Sie leistete angesichts Tausender Schwierigkeiten Aussergewöhnliches und tut es weiterhin – sowie bei den Feuerwehrleuten und Freiwilligen, die sich in diesen Tagen unermüdlich eingesetzt haben. Sie haben grosse Professionalität, grosse Effizienz und grosse Menschlichkeit bewiesen.
Wie beurteilen Sie die medizinische Erstversorgung und die Organisation der Transporte?
Es ging sehr schnell. Nach wenigen Stunden waren alle Verletzten in Sitten oder anderen Orten der Schweiz im Krankenhaus untergebracht. Die Reaktion auf diese Notsituation war bewundernswert.
Das Interview wurde schriftlich geführt.