«Eine der schlimmsten Tragödien unseres Landes»
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Parmelin zu Crans-Montana:«Eine der schlimmsten Tragödien unseres Landes»

Offener Brief von Bundespräsident Guy Parmelin
«Die Justiz wird die Konsequenzen ziehen»

Der Freitag ist nationaler Trauertag für die Opfer der Brandtragödie von Crans-Montana. Bundespräsident Guy Parmelin wendet sich in einem offenen Brief an die Betroffenen und an die Bevölkerung.
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Bundespräsident Guy Parmelin hat den Freitag zum nationalen Trauertag ausgerufen.
Foto: Getty Images

Liebe Betroffene, Familien und Angehörige
Meine Damen und Herren in der Schweiz und im Ausland

Erlauben Sie mir, in dieser Zeit tiefer Trauer und grossen Leids in aller Demut einige Worte an Sie zu richten.

Im Namen des Bundesrats, der Schweizer Regierung, möchte ich den Familien und Angehörigen der Todes­opfer mein aufrichtiges Beileid aussprechen. Und all jenen, die das Glück hatten, die Brandkatastrophe zu überleben, aber nun erst am Anfang eines langen Wegs der Genesung stehen, gilt unser tiefempfundenes Mitgefühl.

Ich möchte mich speziell an die jungen Menschen wenden. Viele der Todesopfer waren selbst jung, voller Pläne, Hoffnungen und Träume. Ihr Leben darf nicht nur auf die Katastrophe reduziert werden, auf die Umstände, wie es zu Ende gegangen ist. Es muss für das gewürdigt werden, was es war: ein Versprechen, eine Energie, ein Teil unserer gemein­samen Zukunft.

Artikel aus der «Schweizer Illustrierten»

Dieser Artikel wurde erstmals in der «Schweizer Illustrierten» publiziert. Weitere spannende Artikel findest du auf www.schweizer-illustrierte.ch.

Dieser Artikel wurde erstmals in der «Schweizer Illustrierten» publiziert. Weitere spannende Artikel findest du auf www.schweizer-illustrierte.ch.

Wir schulden den Betroffenen, Familien und Angehörigen Respekt, Erinnerung – und die Verpflichtung, alles zu tun, damit sich eine solche Katastrophe nicht wiederholt. Die Justiz untersucht derzeit, inwiefern Sicherheitsbestimmungen missachtet wurden, und wird die Konsequenzen daraus ziehen. Das sind wir den Opfern und ihren Angehörigen schuldig.

Ich möchte aber auch all den Menschen Respekt zollen, die auf vielfältige Weise geholfen haben. Der Polizei, den zahlreichen Rettungskräften und den Miliz-Feuerwehrleuten, die bei den gefährlichen und schwierigen Rettungsarbeiten ihr Leben riskiert haben. Und all dem medizinischen Personal in den Krankenhäusern im In- und Ausland, die sich seit Tagen ununterbrochen um die vielen Schwerstverletzten kümmern.

In dem grossen Unglück, das uns getroffen hat und das – ich wage es mit Nachdruck zu betonen – die ganze Schweiz zu einer geeinten Familie von Trauernden gemacht hat, haben wir vorübergehend die Möglichkeit, zusammen zu sein, um die Last dieser Bürde zu teilen. Diese Verbundenheit wird die Last nicht leichter machen, aber wenn sie auch nur ein wenig dazu beitragen kann, den Schmerz zu lindern, hat sie ihre Berechtigung.

Es ist klar, kein Land kann solche Ausnahmesituationen alleine meistern. Die Schweiz hat deshalb – so wie das international vorgesehen ist – um Unterstützung ersucht, nachdem verschiedene Staaten ihre Unterstützung angeboten hatten. Patientinnen und Patienten mit schwersten Verbrennungen konnten inzwischen aus Schweizer Spitälern in spezialisierte Kliniken für Brandverletzte in vielen europäischen Ländern verlegt werden. So erhalten sie die bestmögliche Versorgung. Die Behandlungen werden Monate dauern, was für die Angehörigen eine zusätzliche Belastung ist. Im Namen der Schweiz danke ich allen beteiligten Ländern für ihre solidarische Unterstützung.

Heute ist die Schweiz traurig. Aber heute ist die Schweiz auch im Herzen vereint. Vereint in der Trauer, vereint in der Unterstützung, vereint in der Entschlossenheit, zu verstehen und zu schützen.

In tiefer Trauer und grosser Verbundenheit,

Guy Parmelin

Dieser Brief von Bundespräsident Guy Parmelin an die Schweizer Bevölkerung erschien zuerst in der neuen Schweizer Illustrierten. Diese gibt es ab heute am Kiosk.  

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