Darum gehts
- Brandschutz in der Schweiz nach Vorfällen in Crans-Montana intensiv diskutiert
- Politiker fordern kantonale Gebäudeversicherung und nationale Brandschutzkontrollen
- Schweiz hat strenge Vorschriften: Zürich führt unangekündigte Kontrollen regelmässig durch
Nachdem die Gemeinde Crans-Montana VS einräumen musste, dass die Bar Le Constellation seit Jahren nicht mehr kontrolliert wurde, rückt der Schweizer Brandschutz in den Fokus. In der Politik werden entsprechende Forderungen laut.
SP-Nationalrat Ueli Schmelzer (64) schlug etwa eine kantonale Gebäudeversicherung vor, die FDP-Nationalrätin Jacqueline de Quattro (65) forderte gegenüber SRF eine einheitliche nationale Brandschutzkontrolle.
Schweiz stehe gut da
Die Gastrobranche warnt nun aber vor vorschnellen Entscheidungen, wie CH Media berichtet. Die Betroffenheit in Bezug auf die Brandkatastrophe in Crans-Montana sei gross, sagt Alexander Bücheli. Er ist Pressesprecher der Schweizer Bar und Club Kommission. Trotzdem beobachte man die aktuelle Diskussion mit einer gewissen Skepsis: «Aufgrund des aktuellen öffentlichen Drucks befürchten wir, dass die Politik nun vorschnelle Schlüsse zieht», sagt er.
Er wünscht sich Zurückhaltung. Der Politik solle zuerst ein fundierter Bericht zu den Ursachen der Brandkatastrophe vorliegen. «Erst ein solcher kann Aufschluss darüber geben, ob und wie der Brandschutz in der Schweiz allenfalls angepasst werden muss.»
Auch der ehemalige SP-Präsident Peter Bodenmann (73, VS) fürchtet negative Folgen für die Walliser Gastrobranche. «Die kommunalen Brandschutzexperten schlafen zurzeit schlecht, genau wie die zuständigen Gemeindebehörden», sagt er im Interview mit der «NZZ». «Sie werden jetzt überreagieren, mit verheerenden Folgen.» Viele Hotels und Gastrobetriebe würden die zusätzlichen Investitionen nicht stemmen können oder wollen.
Regionale Unterschiede bei Kontrollen
Generell stehe die Schweiz im internationalen Vergleich beim Brandschutz gut da, so Alexander Bücheli. «Pro Meter Notausgang darf man in der Schweiz beispielsweise weniger Menschen in einen Club lassen, als dies in Deutschland der Fall ist». Auch der Gastronomieverband Gastrosuisse sagt: Die Brandschutzvorschriften der Schweiz seien im weltweiten Vergleich streng. Allerdings existierten grosse regionale Unterschiede beim Vollzug, heisst es vom Verband.
Laut Bücheli fänden zum Beispiel in Zürich regelmässig unangekündigte und anonyme Kontrollen statt. Erst im Nachhinein erhalten die Betreiber einen Bericht. «Wir begrüssen solche Kontrollen, denn diese erhöhen für die Betreibenden nicht nur die Sicherheit im Umgang mit dem Thema Brandschutz, sie erhöhen auch im Alltag die allgemeine Sensibilität für dieses Thema», findet Bücheli.
Tatsächlich gehen in der Schweiz beim Brandschutz bereits erste Behörden über die Bücher – zumindest kurzfristig. So hat etwa der Walliser Staatsrat am Dienstag alle Gemeinden aufgefordert, jede öffentlich zugängliche Einrichtung zu kontaktieren, um deren interne Verfahren, die Ausbildung ihres Personals sowie die derzeit bestehenden Sicherheitsvorkehrungen zu überprüfen. Auch die Basler Fasnächtler reagieren. Viele würden die Sicherheitsvorkehrungen in ihren Kellerlokalen überprüfen, berichtet die «Basler Zeitung».