Darum gehts
Das Pech war sein Glück. Oscar (19) wollte in der Silvesternacht in die Inferno-Bar Le Constellation. Mit einem Pin-Code wollte er über den Seiteneingang die lange Warteschlange vor dem Haupteingang überspringen. Er sagt gegenüber Blick: «Viele Jungen kannten diese Technik und schafften es so am Türsteher vorbei in die Bar.» Diese Aussage wirft Fragen auf.
Die Hälfte der Todesopfer vom Inferno in Crans-Montana waren minderjährig. 14- bis 17-Jährige. Sie wollten das Leben und das neue Jahr feiern, starben unter tragischen Umständen in den Flammen. Wie bekamen die Jugendlichen gesetzeswidrig Zugang zum Club, der sie das Leben kostete?
Denn: Nach dem Walliser Beizen-Gesetz dürfen ab 22 Uhr unter 16-Jährige keine Bar besuchen. Ausser sie werden von einer volljährigen Person begleitet. Das bestätigten die Behörden am Montag. Generalstaatsanwältin Béatrice Pilloud (50) sagte gegenüber der Nachrichtenagentur SDA: «Ich bin nicht in der Lage, zu sagen, ob diese Personen begleitet waren.»
Zwei Türen führten in die Inferno-Bar
Mehrere Augenzeugen sagten nach der Brand-Tragödie im Le Constellation, dass ein Türsteher den Zutritt ausschliesslich volljährigen Personen gewährte. Andere sagten, dass die Bar für lasche Alterskontrollen unter Jungen bekannt war. Auch mussten minderjährige Gäste, die vor 22 Uhr das Lokal betraten, zum Start des Clubbetriebs die Bar in der Regel nicht verlassen, heisst es.
Seit mehreren Jahren verbrachte Oscar die Festtage mit seiner Familie in Crans-Montana VS. Er kannte sich aus, war gut vernetzt und wusste, wo welche Party lief. Den Jahreswechsel verbrachte der 19-Jährige mit seinem jüngeren Bruder auf dem Dorfplatz. Später zogen sie weiter, wollten ins Le Constellation.
Kurz nach 1 Uhr kamen sie an. Die Warteschlange war lang. Sie entschieden sich für den «Plan B» links vom Haupteingang zur Bar. Oscar: «Dort führt eine glasige automatische Schiebetüre ins Innere des Gebäudes.» Es ist der Eingang zum Ski-Geschäft, den Wohnungen oberhalb und auch zur Bar Le Constellation.
Wenn der Clubbetrieb nicht läuft, nutzen diese Tür Wintersportler, Bewohner und die Gäste der Bar. Das bestätigen mehrere unabhängige Personen, die diesen Eingang selbst nutzten oder kannten, gegenüber Blick. Bilder beweisen dies ebenfalls.
Richard Howell (69), ein Stammgast des Le Constellation, sagt: «Ich betrat die Bar immer über die Seite durch die automatische Schiebetür und dann rechts durch die zweite Tür ins Lokal.» Ob und wie dieser Weg den Gästen nachts Zutritt zur Bar boten, weiss er nicht.
Mit dem Code in die Bar
Der 19-jährige Oscar sagt: «In der Nacht war die Tür immer abgeriegelt und öffnete sich nur von innen automatisch.» Hier nutzte der Zürcher in der Vergangenheit oft seinen «Plan B», der unter den Jungen bekannt war. «Wer den Pin-Code zur Schiebetüre besass, schaffte es auch nachts von aussen rein», sagt er. Ohne Alterskontrolle oder Warteschlange schafften sie es so am Türsteher vorbei.
Ob und wie vielen Gästen diese Technik in der Silvesternacht tatsächlich den Weg am Türsteher vorbei ebnete, ist aktuell noch unklar.
Klar ist: 40 Menschen starben beim tragischen Unglück letzten Donnerstag in Crans-Montana VS. 116 Personen verletzten sich teils schwer. Vier Tage nach dem Brand waren noch 83 Personen hospitalisiert.
Was bei Oscar und seinen Freunden bisher funktionierte, klappte in dieser tragischen Nacht nicht. Oscars Glück war sein Bruder. Dieser fand den Code im Whatsapp-Chat nicht mehr. Ihr «Plan B» scheiterte.
Sie gaben nicht auf: «Wir wollten die Personen im Raum zwischen der Schiebetür und der Bar überzeugen, dass sie uns von innen reinlassen.» Diese weigerten sich – zu seinem Glück. Der junge Zürcher stellt sich mit dem Bruder zurück in die Schlange. Kurz darauf hört er etwas, das wie eine Explosion klang, im Inneren der Bar. «Wir hatten drei Chancen und bei allen Pech – zum Glück!»
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