Darum gehts
Jacques Moretti (49), der Betreiber der Inferno-Bar von Crans-Montana VS, ist am Dienstag erneut von der Walliser Staatsanwaltschaft befragt worden. Der Gastronom, der sich weiterhin in U-Haft befindet, sollte Auskunft darüber geben, was sich in den frühen Morgenstunden des 1. Januar in seiner Bar Le Constellation ereignet hat. Seine Befragung dauerte den ganzen Tag an.
Von höchstem Interesse ist dabei, wie weit sich Morettis Aussagen mit den Erkenntnissen des Forensischen Instituts Zürich (FOR) decken werden. Dessen Spezialisten waren wenige Stunden nach der Katastrophe in Crans-Montana eingetroffen. Ihnen hat sich ein Bild des Horrors geboten, wie der entsprechende Untersuchungsbericht zeigt.
Leichen überall
Der Bericht, der Blick vorliegt, zeichnet die Arbeit der Forensiker nach und vermittelt ein Bild davon, was sich in den Räumlichkeiten des Le Constellation abgespielt haben könnte.
Klar ist: Den Walliser Behörden dürfte recht bald klar gewesen sein, dass sie für die Bewältigung der Katastrophe Hilfe aus Zürich benötigen. Denn gleich am Donnerstag um 3 Uhr, also anderthalb Stunden nach Ausbruch des Brands, wurde das FOR informiert.
Bereits um 6.50 Uhr trafen die Zürcher Spezialisten in Crans-Montana ein und wurden über den Sachverhalt durch die Kantonspolizei Wallis informiert. Zehn Minuten später betraten die Forensiker die Bar. Sie drehten eine Runde, 12 Minuten lang. Und machten Videos.
Wie schlimm die Aufnahmen sein müssen, zeigt der Untersuchungsbericht. Darauf zu sehen: drei Leichen in einer völlig verbrannten Umgebung. Einer der Körper liegt über einem Tisch, zwei weitere auf dem Boden. Das Bild ist kaum zu ertragen.
Jede Menge Pyrotechnik
Denn ein Übersichtsplan im Bericht des FOR zeigt, was die Spezialisten wo genau gefunden haben. Mit pinker Farbe sind darauf die Bereiche im Untergeschoss markiert, an denen überall Leichen gefunden wurden.
Besonders um die Treppe herum, findet sich viel pinke Farbe. Um überhaupt in den Raum gelangen zu können, müssen die Forensiker über mehrere Leichen gestiegen sein.
Im Übersichtsplan auch zu sehen: Fundorte von Pyrotechnik im Le Constellation. Diese sind gelb markiert. Im Bericht heisst es, dass die Forensiker noch vor dem Mittag und vor der Bergung der Leichen 17 abgebrannte pyrotechnische Fontänen sicherstellten.
Doch damit nicht genug. In der Bar wurde ein ganzes Arsenal von Fontänen gehortet.
Illegale Pyrotechnik
Gegen Freitagmittag fanden die Forensiker weitere Pyrotechnik. In einem Materialraum hinter der Lounge entdeckten die Experten in einer verschlossenen Kartonverpackung 100 unbenutzte Fontänen.
Kurz danach ein weiterer spezieller Fund: In einer blauen Umhängetasche, die in einer Kunststofftüte auf dem Fussboden vor einem Lounge-Sofa lag, werden sechs Feuerwerksrohre und acht Bodenknaller entdeckt. Diese Blitzknallkörper aus Italien sind in der Schweiz verboten, heisst es im Bericht. Der Grund: Sie gelten als nicht sicher in der Handhabung. Die blaue Umhängetasche ist auch auf dem Bild mit den drei Leichen zu sehen. Wem sie gehört: unklar.
Nach diesem Fund entdeckten die Spezialisten weitere acht abgebrannte Fontänen. Sie liegen im ganzen Raum verteilt. Ein klares Zeichen dafür, wie viel Pyrotechnik an Silvesterabend im Le Constellation abgebrannt wurde.
Anweisung zur Pyroshow
Zum exzessiven Gebrauch von Pyrotechnik sowie den verbotenen Feuerwerkskörpern in der blauen Tasche dürfte auch Jessica Moretti (40) befragt werden. Ihre nächste Befragung findet am Mittwoch statt.
Es dürften unangenehme Fragen an die Besitzerin der Bar werden. Denn der Untersuchungsbericht zeigt auch: Es soll Jessica Moretti gewesen sein, die die Anweisungen für die fatale Pyroshow gab, die 40 Menschen das Leben gekostet und 116 teils schwerst verletzt hat.