Darum gehts
- Kellnerin Cyane Panine (†24) starb bei Brandkatastrophe Crans-Montana, 40 Tote
- Helm und Wunderkerzen verursachten Feuer, Anweisung laut Eltern durch Jessica Moretti
- Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung gegen Barbetreiber, Moretti mit Fussfessel
Sie war 24 Jahre alt, soll bis zur Erschöpfung gearbeitet haben und folgte in der Silvesternacht offenbar nur den Anweisungen ihrer Vorgesetzten. Seit Tagen kommen immer neue Details über das tragische Schicksal der jungen Kellnerin mit Helm – Cyane Panine (†24) – ans Licht. Sie starb bei der Brandkatastrophe in Crans-Montana.
Am Mittwoch bestritten die Eltern der jungen Frau in einem Communiqué die Nähe ihrer Tochter zu Jessica und Jacques Moretti – den Betreibern der Bar Le Constellation. Zuvor hatten diese angegeben, Cyane Panine sei für sie wie «eine kleine Schwester» gewesen.
Nie über Gefahren informiert
Laut Cyanes Familie sei die Realität jedoch eine andere gewesen. «Sie fühlte sich ausgenutzt und musste unendlich lange arbeiten.» Am Abend des 31. Dezember war Cyane Panine eigentlich für den Gästeempfang eingeteilt. «Auf Anweisung von Jessica Moretti begab sie sich dennoch in den Keller und führte deren Anweisungen aus. Über Gefahren oder Sicherheitsmassnahmen wurde sie nicht informiert», sagen die Eltern.
Beim Servieren der Champagnerflaschen, die mit Wunderkerzen versehen sind, sass Cyane Panine auf den Schultern einer maskierten Person. Ohne Kenntnis der Gefahr gerät das Feuerwerk zu nahe an die mit brennbarer Schallisolation versehene Decke, die plötzlich Feuer fängt – und innert Minuten den ganzen Raum in Brand setzt.
Moretti: «Sie hat das aus eigenem Antrieb getan»
Nun zeigen Ermittlungsakten, die der italienischen Zeitung «Corriere della Sera» vorliegen: In ihren Aussagen gegenüber den Ermittlern vermittelte Jessica Moretti den Eindruck, Cyane Panine habe die Aktion selbst initiiert. «Sie hat das aus eigenem Antrieb getan. Sie hätte nicht auf die Schultern klettern sollen», soll Moretti gesagt haben. Diese Darstellung wird von mehreren Zeugen klar bestritten.
Eine davon ist Camille C.*, eine gute Freundin von Cyane Panine und ehemalige Kellnerin des Le Constellation. «Die Besitzerin kam panisch an und sagte Cyane, dass 16 Flaschen Champagner zu den Tischen gebracht werden müssten und das Personal fehle.» Auch Camille C. musste anpacken. «Sie bat mich auch um Hilfe. Ich kenne sie, weil ich dort gearbeitet habe, als ich vor fünf Jahren nach Crans-Montana kam.»
«Es war Jessicas Wunsch»
C. betont, dass es sich nicht um eine spontane Aktion gehandelt habe, sondern um eine klare Anweisung der Betreiberin. Auch das Aufsetzen des Helmes soll nicht freiwillig gewesen sein. «Jessica sagte ihr, sie solle den Helm aufsetzen. Ich musste ebenfalls eine weisse Maske tragen – auch auf Jessicas Wunsch.»
Der getragene Helm – ein batteriebetriebener Werbehelm einer Champagnermarke mit dunklem Visier – schränkte das Sichtfeld der jungen Frau stark ein. Laut den Ermittlungsakten konnte Cyane Panine dadurch kaum wahrnehmen, dass die brennenden Wunderkerzen die Decke berührten. Dort entzündete sich schallisolierender Schaumstoff – der Brand breitete sich rasend schnell aus.
Teil der Show
Jessica Moretti bestätigte später selbst, dass die Helme Teil eines Verkaufsstunts gewesen seien. «Das sind Dom-Pérignon-Helme. Sie werden von unserem Lieferanten zur Verfügung gestellt und gelegentlich beim Servieren getragen.»
Gegen die Barbetreiber wird unter anderem wegen fahrlässiger Tötung ermittelt. Jessica Moretti befindet sich zwar auf freiem Fuss, trägt aber eine elektronische Fussfessel – dies jedoch unter Auflagen.
Es gilt die Unschuldsvermutung.
* Name bekannt