Darum gehts
- Verheerende Brandkatastrophe in Bar Le Constellation forderte 40 Todesopfer
- Bar-Betreiberpaar Jacques und Jessica Moretti befragt, Jacques Moretti kam in Polizeigewahrsam
- Feuer wurde durch Wunderkerzen an Champagnerflaschen ausgelöst
Genf zieht nach: Dritter Kanton verbietet Pyrotechnik
Von Janine Enderli, Redaktorin am Newsdesk
Es ist eine Diskussion, die derzeit in vielen Schweizer Haushalten geführt wird. Sollte man Pyrotechnik gänzlich verbieten oder nicht?
Bereits zwei Kantone haben den Gebrauch der Gegenstände in Betrieben verboten. Nach der Katastrophe von Crans-Montana hat nun auch der Kanton Genf reagiert und ein entsprechendes Verbot ausgesprochen. In den vergangenen Tagen unternahmen bereits die Kantone Wallis und Waadt einen ähnlichen Schritt und verboten den Gebrauch der Gegenstände in allen Betrieben.
«Die Tragödie in Crans-Montana hat das Vertrauen eines Teils der Bevölkerung erschüttert und die Notwendigkeit erhöhter Sicherheitsvorkehrungen verdeutlicht», schrieb der Kanton in einer Mitteilung. Zudem wolle Genf überprüfen, ob zusätzliche Massnahmen nötig sind.
Für die Ermittler ist klar: Wunderkerzen auf Champagnerflaschen haben den Brand von Crans-Montana ausgelöst. Feuerwerksexperte Erich Frey hat in diesem Artikel erklärt, warum die Kombination aus Fontänen und altem, sprödem Schaumstoff so gefährlich ist.
Eltern von Kellnerin Cyane Panine (†24) bestreiten Nähe zu den Morettis
Von Janine Enderli, Redaktorin am Newsdesk
Lebenslustig, aussergewöhnlich, ein Sonnenschein: Mit diesen Worten wird die französische Kellnerin Cyane Panine (†24) von ihren Eltern beschrieben. Cyane verlor bei der Brandkatastrophe von Crans-Montana ihr Leben. In einem Statement bestreiten ihre Eltern die grosse Nähe, die ihre Tochter zur Familie Moretti gehabt haben soll.
Zur Erinnerung: Jessica Moretti sagte vor der Staatsanwaltschaft, Panine sei für sie wie «eine kleine Schwester» gewesen. Die Realität sei jedoch eine andere gewesen. Hier kannst du die Aussagen der Eltern in voller Länge nachlesen.
Finanzielle Hilfe und Verbot von pyrotechnischen Gegenständen
Von Georg Nopper, Redaktor am Newsdesk
Der Walliser Staatsrat ergreift erste Massnahmen nach dem verheerenden Brand in Crans-Montana. Er hat unter anderem entschieden, den Brandopfern eine Soforthilfe zu gewähren, wie aus einer Mitteilung hervorgeht. «Für jedes Opfer, das ins Spital eingeliefert wurde oder verstorben ist, wird ein Pauschalbetrag von 10'000 Franken zur Verfügung gestellt», schreibt der Kanton.
Auf Wunsch mehrerer Personen und Organisationen, die Spenden überweisen möchten, hat die Regierung zudem ein Konto eingerichtet. Der Staatsrat plant die Gründung einer unabhängigen Stiftung, welche die Spenden und deren Verteilung verwalten wird. «Alle auf das vom Staat Wallis eröffnete Konto eingezahlten Beträge werden an die Stiftung überwiesen, sobald diese eingerichtet ist», heisst es.
Die Regierung hat zudem beschlossen, die Verwendung von pyrotechnischen Gegenständen in Einrichtungen zu verbieten, die für die Öffentlichkeit zugänglich sind. Ausserdem fand ein Treffen mit Mitgliedern des Präsidiums des Verbandes der Walliser Gemeinden statt, um eine verstärkte Unterstützung für die Gemeinden betreffend Sicherheitsmassnahmen zu koordinieren.
«Junge haben bessere Chancen» – Hoffnung für Brandverletzte
Von Alexander Terwey, Stv. Teamlead Newsdesk
Noch immer kämpfen Ärzte in der Schweiz und in anderen Ländern um das Leben der Menschen, die bei der Katastrophe von Crans-Montana schwer verletzt wurden. Einer dieser Ärzte ist Bong-Sung Kim. Er ist leitender Chirurg am Zentrum für Brandverletzte im Universitätsspital Zürich (USZ). Kim war im Dienst, als die Katastrophe geschah. «Als ich am 1. Januar alarmiert wurde, konnte ich das Ausmass im ersten Moment nicht fassen», sagt er zu «Welt». Insgesamt seien nach dem verheerenden Brand in der Bar Le Constellation in Crans-Montana 17 Patienten ins USZ gebracht worden. «Sechs Patientinnen und Patienten bleiben langfristig hier.»
Zwar mache das junge Alter der Patienten die Ärzte besonders betroffen. Allerdings ist Kim auch optimistisch. «Ohne zu sehr ins Detail zu gehen, kann ich sagen, dass junge Patienten deutlich bessere Chancen haben.» Das gelte sowohl in Bezug auf die Überlebenschancen als auch auf das Behandlungsergebnis. «Wir glauben, dass wir es schaffen – dass viele nicht lediglich überleben, sondern dass wir ihnen langfristig auch eine gute Lebensqualität ermöglichen können.»
Es gebe allerdings viele Patienten, die im Gesicht betroffen seien. «Auch die Arme, massiv auch die Hände, aber eher weniger die Beine.» Kim bestätigt gegenüber «Welt», dass fast alle Patienten aus Crans-Montana Gase, heisse Dämpfe oder gar Flammen eingeatmet haben. Mein Kollege Marian Nadler hat mit einem Experten darüber gesprochen. Mehr dazu erfährst du hier.
Wallis-Staatsanwältin beantwortet keine Fragen mehr
Von Michael Sahli, Ressortleiter News
Passiert etwas Schlimmes, ist die Staatsanwaltschaft ein wichtiger Ansprechpartner für uns Journalisten. Rund um den Brand in Crans-Montana hat sich aber gezeigt: Das Team um Beatrice Pilloud ist mit der Menge an Fragen schlicht überfordert. Manchmal kamen Antworten nach Tagen, immer öfter gar nicht. Was blieb, war das automatisierte Versprechen: «Sie erhalten so schnell wie möglich eine Antwort».
Seit heute hat die Walliser Justiz aber definitiv aufgegeben, Fragen zu beantworten: «Die nächsten Mitteilungen über das Drama in Crans-Montana werden ausschliesslich in Form einer Pressemitteilung erfolgen», heisst es nur noch per Standard-Mail. Blick hätte gerne nachgefragt, warum die Justiz ausgerechnet bei einem so grossen Fall auf Tauchstation geht – mit einer Antwort ist aber nicht zu rechnen.
Eliteschule trauert um sieben Schüler
Von Georg Nopper, Redaktor am Newsdesk
Das Collège Champittet in Pully VD bei Lausanne trauert um sieben aktuelle und ehemalige Schüler, die bei der Brandkatastrophe von Crans-Montana VS ums Leben kamen. In einer Traueranzeige schreibt die Privatschule: «Wir werden diese Schüler in Erinnerung behalten und ihr Andenken ehren.»
Bei den Verstorbenen handelt es sich demnach um drei aktuelle Schüler – Arthur, Nathan und Diana – und vier Ehemalige namens Alicia, Guillaume, Trystan und Noa. Insgesamt kamen bei dem Unglück 40 Menschen ums Leben. 116 Personen wurden teils schwer verletzt.
«Das Blut von Trystan klebt an den Händen der Gemeinde von Crans-Montana»
Von Qendresa Llugiqi, News-Reporterin
Als Mutter mag man es sich nicht vorstellen: Ich lasse meinen 17-jährigen Sohn in den Ausgang, er will mit Freunden ins neue Jahr feiern. Und dann sehe ich ihn nie mehr lebend – weil andere gepfuscht haben. Genau das ist Vinciane Stucky passiert. Ihr Sohn Trystan Pidoux (†17) starb beim Inferno von Crans-Montana VS. Erst Tage später hatte sie überhaupt Gewissheit über sein Verbleiben. Jetzt hat sie Blick zu sich nach Hause eingeladen, um über ihren Liebsten zu sprechen.
Ihre Trauer vermischt sich mit Wut – auf das Betreiberpaar und die Gemeinde. Vor allem die Konferenz von vor einer Woche macht ihr noch extrem zu schaffen. Stucky sagt über Gemeindepräsident Nicolas Féraud: «Mit seinen Worten hat uns Féraud ins Gesicht gespuckt. Das Blut von Trystan klebt an den Händen der Gemeinde von Crans-Montana. Und damit auch an den Händen von Nicolas Féraud.» Über das schmerzliche Schicksal der Familie erfährst du hier mehr.
Mindestens 48 Opfer haben schwere Verbrennungen erlitten
Von Mattia Jutzeler, Redaktor am Newsdesk
Es gibt Neuigkeiten zum Zustand der Opfer von Crans-Montana. So haben mindestens 48 Personen bei der Katastrophe derart schlimme Verbrennungen erlitten, dass sie nun in hochspezialisierten Verbrennungszentren im Ausland behandelt werden müssen. Das zeigen die neusten Zahlen des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz. Insgesamt 116 Personen wurden bei der Brandkatastrophe in der Silvesternacht verletzt.
Aktuell werden 19 Opfer in Frankreich, 12 in Italien, 10 in Deutschland und 7 in Belgien behandelt. Mehrheitlich handelt es sich bei den Patienten um ausländische Staatsangehörige, berichtet «24 Heures». Aber auch 18 Schweizer werden momentan ausserhalb ihrer Heimat behandelt.
Kurz nach der Katastrophe wurden viele der Opfer in Schweizer Spitäler eingeliefert. So hat sich etwa das Universitätsspital Lausanne nach der Silvesternacht um 22 Schwerverletzte gekümmert. 13 dieser Opfer wurden zum jetzigen Zeitpunkt entweder aus der Klinik entlassen oder ins Ausland verlegt. Die Verbrennungsstation in Lausanne sei mit 22 Patienten deutlich überlastet gewesen.
Wie schrecklich die Ereignisse in der Silvesternacht waren, lässt sich nur erahnen. Ein Ersthelfer berichtete, wie er die Katastrophe erlebte. Mehr erfährst du hier.
Strafanzeige auch gegen Karikaturisten von «Charlie Hebdo»
Von Georg Nopper, Redaktor am Newsdesk
Ein Anwalt aus Sitten und dessen Ehefrau haben Strafanzeige gegen den französischen Karikaturisten Eric Salch eingereicht. Der Grund: Eine Karikatur zum tödlichen Brandunglück in Crans-Montana VS im Satiremagazin «Charlie Hebdo».
Die am Freitag veröffentlichte Zeichnung zeigt zwei Skifahrer mit der Überschrift «Les brûlés font du ski» (deutsch: Die Verbrannten fahren Ski) und darunter den Schriftzug «La comédie de l'année» (Die Komödie des Jahres) in Anlehnung an den bekannten Komödienfilm «Les Bronzés font du ski» aus dem Jahr 1979.
Nach Meinung der Kläger fällt die Karikatur unter Artikel 135 des Strafgesetzbuches, der Formen der Darstellung von Gewalt definiert.
Insgesamt gingen bei der Walliser Generalstaatsanwältin Beatrice Pilloud zwei Strafanzeigen in dem Zusammenhang ein. Die andere Strafanzeige richtet sich gegen das Magazin.
Der Chefredaktor von «Charlie Hebdo», Gérard Biard, erklärte am Montagabend in der Sendung «Forum» des Westschweizer Radios und Fernsehens RTS, dass die Karikatur nicht auf die Opfer ziele, sondern auf «die Absurdität dieser Tragödie».
Biard gab zu, dass man «ziemlich weit gegangen» sei, um sich «über das höchste Tabu lustig zu machen», nämlich den Tod und die schweren Verletzungen dieser jungen Menschen. Er sagte, dass schwarzer Humor «nicht unbedingt angenehm» sein müsse und «schockieren» könne.
Zwei Brandopfer in die Schweiz und nach Frankreich verlegt
Von Alexander Terwey, Stv. Teamlead Newsdesk
Im Fall um die Katastrophe von Crans-Montana kommen immer neue erschütternde Details ans Licht. Es gibt aber auch kleine Hoffnungsschimmer. So wurden zwei Brandopfer, die in der BG Klinik in Tübingen (D) behandelt wurden, inzwischen verlegt. Das bestätigte der Direktor der Klinik für Verbrennungschirurgie, Adrien Daigeler, dem «Reutlinger General-Anzeiger». Beide Patienten seien demnach stabil genug gewesen, um in heimatnahe Kliniken nach Frankreich und in die Schweiz verlegt zu werden.
Laut Bericht wurden die beiden jungen Brandopfer per Flugzeug nach Stuttgart und anschliessend mit dem Rettungswagen nach Tübingen gebracht. Am 2. Januar vermeldete die BG Klinik bereits, dass sie die beiden Brandopfer behandelt.
Neben dem europäischen Mechanismus zur Verteilung von Brandopfern hätten auch private Kontakte geholfen, wie Daigeler der Zeitung sagt. «Kollegen aus der Schweiz haben uns von dem Brandunglück berichtet. Da wussten wir schon Bescheid, dass wir Betten bereithalten sollten.»
Brandopfern steht nicht selten ein langer Leidensweg bevor. Problematisch sind nicht nur die Verbrennungen, sondern auch Beeinträchtigungen der Lunge. Mein Kollege Marian Nadler hat mit Lungenfacharzt René Fiechter über die Schäden gesprochen, die toxische Gase beim Einatmen anrichten können. Mehr dazu und wie es um die Heilungschancen steht, erfährst du hier.