Darum gehts
- Manuel Neuhold aus Rüthi SG hat einen Inlineskating-Weltrekord gebrochen
- Er fuhr 4200 km auf Inlineskates in 28 Tagen ohne Pausen durch die USA
- Neuhold plant ab Juni 12'500 km durch sechs Kontinente zu skaten
Die 600 Kilometer, die der deutsche Ultramarathonläufer Arda Saatci (28) jüngst in der Wüste Kaliforniens zurücklegte, sind für Manuel Neuhold (29) aus Rüthi SG nichts. Der Rheintaler hat sich im April in den USA einen besonderen Weltrekord gesichert. Er fuhr von San Diego im US-Bundesstaat Kalifornien an der Westküste bis Jacksonville im US-Bundesstaat Florida an der Ostküste. Rund 4200 Kilometer und 31'000 Höhenmeter legte er in 28 Tagen, 17 Stunden, 34 Minuten und 56 Sekunden zurück. Damit übertraf der Schweizer die bisherige Bestmarke um 17 Tage.
Ohne einen einzigen Ruhetag absolvierte Neuhold im Schnitt rund 145 Kilometer pro Tag. Insgesamt war er 184 Stunden auf seinen Rollen aktiv unterwegs. Mit Krafttraining, Fahrten im Rheintal und vielen Runden in der Inline-Skating-Arena in Geisingen (D) hatte er sich vorher minutiös vorbereitet.
Horror in Texas
Ging es bergab, musste Neuhold sein ganzes Können aufbieten. Bei einer Geschwindigkeit von bis zu 80 km/h reicht «ein kleiner Stein oder eine Unebenheit und du liegst am Boden».
Dabei wäre das Projekt schon am zweiten Tag fast gescheitert. Neuhold war kurz unaufmerksam – und stürzte schwer. «Das hat mich echt wachgerüttelt», sagt er zu Blick. Doch auch für solche Fälle war der ehemalige Betreibungsbeamte vorbereitet. «Ich hatte einen Spezialleim dabei, mit dem ich die tieferen Wunden zukleben konnte.»
Bemerkenswert: Aufgrund eines Zeckenstichs konnte Neuhold erst vor einem Jahr wieder voll arbeiten. Jetzt der Rekord. «Der Zeckenstich hat mein Immunsystem angegriffen. Dazu kam auch noch Pfeiffersches Drüsenfieber», berichtet der Extremsportler. Für Neuhold bedeutete das ein Jahr Zwangspause. Im April 2025 begann er schliesslich, sich systematisch zur Top-Form zurückzukämpfen – mit Erfolg, wie der Weltrekord jetzt zeigt.
Besonders der Streckenabschnitt in Texas wurde zur Herausforderung. «Texas dauerte rund sechseinhalb Tage und war wie ein Fiebertraum. Knapp 1000 Kilometer auf extrem schlechtem Belag, Chaos auf den Strassen, ständig Polizeikontrollen», blickt der Extremsportler aus Rüthi SG auf seine Rekordfahrt zurück. Alles in allem hat er aber ein positives Bild von Amerika. «Die Leute waren interessiert daran, zu erfahren, was ich da mache. Auf der Strasse haben die Autofahrer mir ausreichend Platz gelassen und blieben geduldig.»
Hundeattacken und Wüstenfahrten
Er erlebte Wüsten, Berge, eisige Tage, grüne Ebenen und unzählige Begegnungen mit offenen und hilfsbereiten Menschen. Welcher Ort bleibt ihm besonders im Gedächtnis? «Der gesamte Bundesstaat New Mexico», antwortet Neuhold. «Die Sanddünen zu sehen, war sehr speziell.» Auch die Tierwelt beeindruckte ihn. «Wir haben wildlebende Rösser, viele Hirsche und anderes Wild, aber auch friedliche Wölfe und Kojoten gesehen.»
Weniger friedlich waren dagegen die Hunde am Rand der Strecke. Schäferhunde und Pitbulls mögen offenbar keine Inlineskater. «Einmal verfolgten uns acht von ihnen, zum Glück konnten wir sie mit Wasser verjagen», erinnert sich der Weltrekordhalter zurück.
Nächster Rekord bereits in Planung
Vater Thomas Neuhold begleitete die gesamte Strecke mit dem Velo. Freundin Carola Koller koordinierte im Hintergrund das gesamte Projekt, steuerte das Wohnmobil und hielt dem Athleten den Rücken frei. «Meine Leistung wäre ohne mein Team nicht möglich gewesen. Wir waren ein unglaubliches Trio.»
Bereits am 27. Juni 2026 startet er im Rheintal die nächste Challenge. Beim zweiten Weltrekordversuch will der Ostschweizer auf Inlineskates mindestens 12'500 Kilometer zurücklegen, die längste jemals zurückgelegte Strecke auf Inlineskates. Die Route führt ihn von Europa über Nordamerika, Asien, Australien, Afrika und Südamerika bis in die Antarktis. «Ich werde der erste Mensch auf Inlineskates in der Antarktis sein», erzählt er. «Amerika war dafür eigentlich nur ein Testlauf.»
Neuhold möchte ein Vorbild für andere sein. «Ich will Leute motivieren und inspirieren. Es ist unglaublich, wozu der Körper fähig ist.» Sein Motto lautet: «Der richtige Zeitpunkt, deinen Traum zu leben, ist jetzt. Grenzen existieren nur im Kopf.»