Darum gehts
- Schüler in Spreitenbach AG organisieren «Fight Club» über Tiktok
- Jugendliche wetten und zwingen Verlierer zu demütigenden Videos
- Halloween-Vorfälle verursachten 2023 hohen Sachschaden durch Vandalismus
An Hausaufgaben ist bei ihnen nicht zu denken. Stattdessen veranstalten sie nach dem Unterricht lieber Kämpfe, die an Szenen aus dem Film «Fight Club» erinnern. Allerdings organisieren sich die Jugendlichen aus Spreitenbach AG nicht mehr wie in den 1990ern — alles läuft über die Social-Media-Plattform Tiktok.
Die Aufnahmen von der Leserreporterin sind erschreckend. Direkt neben einer Bushaltestelle versammeln sich ein Dutzend Schüler aus dem Schulhaus Glattler. Neben Pausenhofgesprächen sorgte eine Vorankündigung über Tiktok dafür, dass alle über die Schlägerei informiert wurden. Während die anderen im Hintergrund filmen und schreien, schlagen sich vor ihnen zwei junge Buben hitzig ins Gesicht.
Bei den Kämpfen wird gewettet
Doch es endet nicht immer mit blauen Flecken. Wie eine Leserreporterin berichtete, wurde ein Junge, der einen Kampf verlor, dazu gedrängt, im Nachhinein ein «Entschuldigungsvideo» zu posten. Darin musste er sich gedemütigt auf eine Flasche hocken. Noch perfider: Die Schüler schliessen teils im Voraus Wetten auf die Kämpfer ab.
In Spreitenbach kommt es immer wieder zu Gang-ähnlichen Ausschreitungen unter Teenagern und jungen Erwachsenen. Blick zeigt die eindrücklichsten Fälle.
Messerstecherei im Shoppi Tivoli
Bereits im März 2019 kam es zu einer Massenschlägerei und Messerstichen im Spreitenbacher Shoppingcenter. Ein Junge im Alter von 15 Jahren zog sich dabei Stichwunden zu. Rund 30 junge Männer aus rivalisierenden Gruppen waren an der Auseinandersetzung beteiligt. Auch hier spielten Social Media eine tragende Rolle. Auslöser für den Auflauf war ein Meme, das den Konflikt zwischen den Gruppen aus Spreitenbach und Dietikon ZH thematisierte.
Prügelei zwischen 13-Jährigen
Wenige Tage nach der Shoppi-Prügelei im März 2019 machte ein neues Video die Runde. Ein Junge, kaum älter als 13 Jahre, wurde von seinem Gegenüber niedergeschlagen. «Dietike fickt Spreiti, mannnnn», war die Botschaft, die die Aufnahme verbreiten wollte. Abschliessend konnte nicht geklärt werden, ob sich der Vorfall im Schulhaus Wolfmatt in Dietikon abspielte, jedoch wurden die rivalisierenden Jugendbanden dadurch weiter angestachelt.
Explosion auf dem Pausenplatz
An der Schule Seefeld in Spreitenbach sorgte eine Gruppe Töfflifahrer 2025 für Aufsehen. Die ungefähr 14 Jahre alten Randalierer waren mit ihren Mofas über den Pausenplatz gerast und hatten im Anschluss einen Mülleimer gesprengt. Ein zehnjähriges Mädchen erlitt deshalb einen Schock und musste zum Arzt gebracht werden.
Halloween in Spreitenbach
Die Kantonspolizei Aargau hatte an Halloween 2023 ein unerfreuliches Aufeinandertreffen mit maskierten Jugendlichen in Spreitenbach, wie aus einer Mitteilung hervorgeht. Nachdem sie aufgrund eines Notrufs hatten einrücken müssen, wurde ihr Polizeiauto mit Steinen und Eiern beworfen. Kurz danach ging erneut ein Notruf ein, wegen eines brennenden Autos neben dem Schulhaus Seefeld. Auch dort wurden vorab Jugendliche von den Anwohnern beobachtet, die mit Feuerwerk hantierten. Der Sachschaden belief sich auf 60’000 Franken.